Von der Besessenheit zum Glauben Der Teufel in mir
authentischer Bericht von Heike
Wie Sie vielleicht aus den Medien erfahren haben, ist ein
neuer Fall von Besessenheit/Exorzismus an die
Öffentlichkeit gelangt. Es handelt sich dabei um
eine junge Frau aus Oberbayern, die nachweislich
besessen war und von verschiedenen Priestern mit
Erfolg exorziert wurde. Durch Indiskretionen
entstand in der Öffentlichkeit ein
widersprüchliches Bild, bei dem es nicht einfach
war, dagegen zusteuern. Frau H hat ein Gelübde
abgelegt, in dem sie sich verpflichtet hat, Ihre
Lebensgeschichte als Glaubenszeugnis zu
veröffentlichen. Bei aller Diskussion über
Rechtmäßigkeit und Unrechtmäßigkeit der Exorzismen
ist uns ebenfalls an der Verbreitung ihres
Glaubenszeugnisses, als auch an Richtigstellungen
im Sinne der Wahrheitsvermittlung gelegen.
Heike R. Von der Besessenheit zum Glauben Der Teufel in mir
Meine Kindheit:
wurde geprägt von Kinderheimen und Pflegeeltern.
Ein Schatten fiel über meine Kindheit,den mit 8Jahren bekam ich einen Lymphknotenkrebs nun wurden Strahlen und eine
Chemotherapie notwendig das bedeutete viele
Krankenhaus Aufenthalte und erholungs Kuren,die
Krankheit kam zum Stillstand. Heute als Erwachsene
hat man bei mir eine Immunschwäche
festgestellt,wohl als Folge der starken
Chemoterapie.Jetzt bekomme ich viele Medikamente
und regelmäßig infuionen. Mein körperliches
Allgemein befinden ist stark eingeschränkt.
Die Herrlichkeit: Im Garten des Klosters erlebte
ich die Herrlichkeit und die Anwesenheit der
lieben Mutter Gottes. Ab hier ergab alles für mich
einen Sinn. Meine Krankheiten mein leiden, mein Auftrag. Auch ist für
mich jetzt klar geworden daß das Böse der
Widersacher ,Der Teufel, mich ab dieser Stunde der liebevollen Begegnung,mit der Mutter Gottes
ein leben lang bedrängen versuchen,und täuschen
wird. Aber Gottes liebe läßt mich alles ertragen und macht mich sehr glücklich.
Immer wieder lese ich, daß es so etwas wie
Besessenheit und den Teufel nicht gibt. Es sei
alles nur religiöser Wahn, und es werden
Hetzschriften gegen die Katholische Kirche
geführt. Ich selber war noch vor zwei Monaten
besessen, besessen vom Teufel, nicht weniger als
20 mal beteten zwei Bischofsvikare und ein
Weihbischof bei mir den kleinen und großen
Exorzismus im Auftrag vom Bischof. Auch er selbst
war einmal anwesend um sich selbst von einer
Besessenheit zu überzeugen. Auch drei Ärzte waren
bei verschiedenen Segnungen dabei, auch Sie
überzeugten sich davon ob eine Krankheit oder
wirklich eine dämonische Störung dahinter steckt.
Und es wurden keinerlei Symptome einer
Neurotischen, neurologischen oder geistigen
Störung festgestellt. Während der Segnungen wurden
Tonbandaufnahmen und Bilder gemacht. Über Monate
ging meine Besessenheit, immer wieder Gebete und
Segnungen, ich glaubte schon selbst nicht mehr an
einer Befreiung. Aber dann kam irgendwann der Tag
der Befreiung. Ich habe vor meiner Besessenheit
weder an Gott noch am Teufel geglaubt, ich war
religiös nicht sehr interessiert. Die Befreiung
von dem Bösen hat in mir eine große Liebe zu Gott geweckt, eine Freude an Gott, und den Drang
anderen Menschen zu helfen, und meine Erfahrungen
weiter zu geben. Ich ließ mich firmen. Nun habe
ich dieses Buch geschrieben über meine
Besessenheit und Befreiung und die vielen Wunder
die geschehen sind. Möchte damit aufzeigen, daß es
das Böse und den Teufel gibt,und möchte damit
anderen Menschen helfen den Glauben zu Gott zu
finden. In dem Buch werden auch die
Erfahrungsberichte vonden Priestern und Ärzten
sein. In unserer Zeit des Glaubensabfalls ist es
bedauerlicherweise leicht Menschen durch
Hetzschriften gegen die Kirche zu beeindrucken.
Für alles wird versucht rationale Erklärungen zu
finden. Ich möchte nun der Öffentlichkeit einpositives Beispiel schildern und Zeugnis ablegen. das
Böse existiert und die Kirche hat gerade durch
Exorzismus vielen aus schlimmer Not geholfen
möchte an dieser Stelle auch einen großen Dank
aussprechen an den Priestern die mir in meiner Not
zu Seite standen.
Religion war für mich nur ein Name, den ich mit
Papst und schönen Kirchen in Verbindung brachte.
Als Kind ging ich Weihnachten und Ostern in die
Kirche und zu meiner Kommunion, danach wurden die
Besuche seltener. In meinem Elternhaus wurde nie
gebetet, Gott und der Teufel hatten keinen Platz
in unserem täglichen Leben. In der Schule gab es
Religionsunterricht; wir Kinder machten alles
mögliche und so ging die Stunde um. Wir hatten
andere Sachen im Kopf, Religion nein danke.
Waren meine Nächte bis jetzt normal verlaufen, so
änderte sich dieses in einer Nacht, in der ich
tief und fest schlief. Mein ganzer Körper wurde
von einer unsichtbaren Macht zusammengedrückt.
Mein Versuch, mich mit Armen und Beinen zu wehren,
scheiterte daran, dass mein Körper sich in einer
totalen Regungslosigkeit befand und kein Laut über
meine Lippen kam. Die Angst und meine Schreie
blieben in meinem Körper, mein Herz raste und
meine Gedanken überschlugen sich. Luftmangel
steigerte mein Befinden ins Unerträgliche. «Warum
werde ich nicht ohnmächtig? Alles Alptraum!»,
dachte ich, als ich die Augen aufschlug und mein
Zimmer betrachtete. Die Bewegungslosigkeit meines
Körpers aber zwang mich, noch eine Zeit lang
liegen zu bleiben. Als mein Körper sich dann
unendlich langsam entkrampfte, spürte ich einen
Salzgeschmack auf meinen Lippen. Haare und Körper
und Bett, alles war feucht. Den Rest der Nacht
verbrachte ich mit Waschen und damit, das Bett neu
zu beziehen. Am Tag fühlte ich mich ausgelaugt
und
ausgebrannt. Versuche, die Störungen der Nacht zu
erklären, scheiterten.
Es
vergingen Tage und Wochen, das normale Leben hatte
mich wieder. Doch dann in einer Nacht kam alles
wieder. Die Starre, die Angst brachten mich dieses
Mal fast um den Verstand. Dann hörte ich meine
Stimme, obwohl mein Mund stumm blieb, rufen:
«Bete», und ich fing zu beten an. Zwei Vaterunser
betete ich, schrie ich in mich hinein. Als ich
meine Stimme hörte -ich konnte wieder sprechen -,
traten mir Tränen in die Augen und die Starre wich
von mir. Durchnäßt und erschöpft, aber glücklich
verlief der Rest der Nacht.
Mit gemischten Gefühlen suchte ich einen
Neurologen auf. Nachdem ich ihm meine nächtlichen
Anfälle geschildert hatte und wie diese beim Beten
verschwanden, lehnte er sich erstaunt in seinem
Sessel zurück und schaute mich durchdringend an.
«Wir werden vorsorglich ein EEG schreiben und ein
CT vom Kopf durchführen, ich würde jetzt aber
schon eine Epilepsie ausschließen, weil eine
Epilepsie nicht durch Beten beeinflusst werden
kann.»
Als
dann später die Befunde Vorlagen, ergaben sich
keine Hinweise auf eine Epilepsie. Er könne mir da
nicht weiterhelfen, sagte er, da keine
neurologischen Auffälligkeiten vorliegen würden.
Meine
Stimmung nach dieser Diagnose war Erleichterung,
aber gleichzeitig Unsicherheit: Was waren das für
Anfälle und wodurch entstanden sie?
Auf
jeden Fall dachte ich mir dann: Egal, was das für
Anfälle sind, solange sie nur sechs Mal im Jahr
passieren, versuche ich halt, damit zu leben.
Nach vier Jahren:
Anfälle häufen sich und werden stärker.
Es war
an einem Freitagnachmittag um 14 Uhr, ich weiß es
noch genau, denn von da an sollte sich mein Leben
dramatisch verändern.
Ich
legte mich an diesem Freitagnachmittag aufs Bett
und wollte ein wenig Pause machen, doch irgendwie
war ich sehr müde. Mein Wolfgang war zu der Zeit
im Wohnzimmer mit einem Bekannten. Ich hörte die
Stimmen aus dem Wohnzimmer, sie redeten ja laut
genug. Irgendwann muss ich dann vor lauter
Müdigkeit eingeschlafen sein. Ich wurde aber dann
auf einmal ganz übel aus dem Schlaf gerissen. Mich
überkam eine ganz entsetzliche Angst. Es war, als
würde eine Kraft meinen ganzen Körper
zusammendrücken, als würde jemand auf mir sitzen.
Ich versuchte, mich zu bewegen, es ging aber
nicht, weder Arme noch Beine oder sonst irgendwas.
Ich bekam sehr schlecht Luft und schrie in mich
hinein, so laut ich nur konnte:
«Hilfe, Hilfe, so helfe’ mir doch jemand!»
Schritte dröhnten in meinen Ohren; mein Freund war
in der Küche, ich hörte, wie er sich etwas ein
schüttete. Mein Körper war immer noch starr.
Irgendwann konnte ich meine Augen aufmachen und
ich sah meine weißen Schlafzimmerwände um mich
herum. Ich schaute mit einem Blick auf das Marilyn
Monroe-Bild, das neben meinem Bett an der Wand
hängt. Ich schaute die Dach schräge über meinem
Bett an und dachte: «Jetzt ist dieser Anfall
vorbei.» Ich merkte aber schnell, dass dem nicht
so war, denn ich konnte mich immer noch
nicht
bewegen. Aus lauter Angst machte ich die Augen
wieder zu. Meine Anspannung wuchs ins Grenzenlose.
Ich spürte und hörte klappernde Geräusche -meine
Zähne machten sich selbstständig. Würde ich jetzt
verrückt? Es war ein Luftzug, der mich von neuem
erzittern ließ. Ich spürte die Kälte um mich herum
und hörte, wie sich die großen Blätter von meiner
Pflanze neben meinen Bett bewegten. Das Fallen des
Buches, das auf meinem Schreibtisch lag, das
Gefühl, es stehe jemand an meinem Bett, und dazu
diese Kälte! Wie kalt kann man Kälte überhaupt
ertragen? Hatte ich früher als Kind Angst vor dem
Keller, vor der Heizung, die manchmal blubberte
und polterte, so habe ich den Begriff Angst für
mich wieder neu erfunden. Mit
einem
Ruck wurde mir meine Bettdecke weggerissen. Mein
Herz stolperte und mein Puls überschlug sich.
Niemand außer mir war im Zimmer, zumindest nicht
sichtbar. Meinen Freund hörte ich immer noch im
Wohnzimmer mit seinem Bekannten reden. Oh, ich
hatte so entsetzliche Angst und wollte endlich,
dass es aufhört, daß ich aus meinem Gefängnis der
Bewegungslosigkeit herauskomme. «Bete!», schrie
meine innere Stimme ganz laut und ich sagte das
Vaterunser in mich hinein. Ich betete es bestimmt
zehn Mal hintereinander, aber nichts tat sich.
Dann wurde ich ganz unruhig, weil es nicht
aufhörte.
Ich
schrie dann voller Wut: «Im Namen JESUS CHRISTUS
aufhören», wiederholte das nochmal und genau in
diesem Moment war mir, als wenn mein ganzer Körper
wie ein Schwamm ausgedrückt würde. Ich hatte
richtige Schmerzen und noch mehr Angst. Ich dachte
mir: «Es war wohl nicht so gut, dass ich das
gesagt habe.» Dann blieb ich stumm.
Nach
einiger Zeit, nachdem ich so schwer
zusammengedrückt worden war, konnte ich mich
endlich wieder bewegen. Nun hatte die Welt mich
wieder; es dauerte dann noch eine sehr lange Zeit,
bis ich aus dem Bett aufstehen konnte. Ich war
geschwächt und kaputt, mein Bettzeug war völlig
naß. Ich schaute auf die Uhr. Es waren zwei
Stunden vergangen, zwei Stunden der völligen
Körperlähmung. Dann habe ich auch mit meinem
Freund darüber gesprochen. Er sagte: «Es sind
schon sehr merkwürdige Anfälle, die Du da hast,
und komisch ist, dass Du bei dem Namen JESUS
CHRISTUS richtig Schmerzen hattest.» Von nun an
hatte ich Angst, mich ins Bett zu legen und zu
schlafen, vor allem nachts.
Die
Tage und Wochen vergingen, meine Nächte wurden für
mich zur Qual. Richtig schlafen konnte ich nicht.
Die Angst einzuschlafen, war für mich bald
Mittelpunkt meines Lebens geworden.
Merkwürdige Dinge geschahen nachts,
Aufzeichnung, Filmmitschnitt
Diese schlimmen Anfälle -sie hörten einfach nicht
auf. Es war schlimm und ich dachte mir:
«Vielleicht sollte ich mal eine Videoaufzeichnung
machen, um mal zu sehen, wie sich so ein Anfall
abspielt und was dabei mit meinem Körper
geschieht.» Ich besorgte mir eine Infrarotkamera
und richtete sie auf mein Bett. Man konnte nun
alles genau beobachten. Am Abend stellte ich die
Kamera an. Na ja, mein Freund fühlte sich nun ein
wenig beobachtet, aber er tolerierte es, denn er
wollte ja auch einmal wissen, was da nachts
vorging. Nächte vergingen ohne Auffälligkeiten.
Die Kamera und das leichte Summen des
Videorecorders erzeugten ein beruhigendes Gefühl,
denn wenn nun ein Anfall käme, könnte ich sehen,
wie dieser ablief. Ich war sogar irgendwie
gespannt auf die Aufzeichnung: Was zeichnet sie
auf? Mein Freund zog es dann vor, im Wohnzimmer zu
schlafen. Er sagte, er könne nicht schlafen, wenn
er beobachtet würde. So schlief ich also alleine
im Bett und lenkte mich von meiner Angst ab, indem
ich Bücher las, Berge von Büchern verschlang, als
wenn ich dadurch etwas beeinflussen könnte. Es
wurde sehr spät, bis ich ein schlief, manchmal
beim Lesen. Dann eines Nachts, ich muß geschlafen
haben, wachte ich mit Angst und den bekannten
Lähmungen auf. Hatte ich eben noch versucht zu
schreien, so fühlte ich jetzt ein Vibrieren in
mir. Ich versuchte, eine Erklärung zu finden,
konnte aber den Gedanken nicht mehr zu Ende
bringen. Eine Kraft packte mich und warf mich aus
meinem Bett. Meine Schultern prallten mit voller
Wucht an die Wand. Auf dem Boden liegend, vor
Schmerz und Angst wimmernd, spürte ich Kälte, die
durch das Zimmer zog, dann wurde mir schwarz vor
Augen, meine Ohren rauschten und ich fiel in ein
großes, hässlich mich angrinsendes Loch - oder
Wasser? Das Nächste, was ich sah, waren das
Tageslicht und die Sonne. Ich musste wohl vor dem
Bett eingeschlafen sein.
Am
Morgen wachte ich so erschöpft auf, als hätte ich
die ganze Nacht getrunken und dadurch einen Kater.
Mir fielen die Ereignisse der Nacht ein und
diesmal hatte ich alles auf Video aufgenommen. Ich
sprang schnell aus dem Bett und spulte das
Videoband zurück.
Ich
hatte aber das Bedürfnis, zu zweit das Band
anzuschauen. Ich rief meinen Freund und gemeinsam
starrten wir gebannt auf die Aufnahme. Nun saßen
wir beide da und ließen die Nacht an uns
vorbeiziehen. Obwohl lange Zeit nichts passierte,
fröstelten wir. Als dann unendlich langsam die
Kopfkissen anfingen, sich zu bewegen wie von
Geisterhand, und meine Decke mit einem Ruck von
meinem Körper gerissen wurde, sprang ich schreiend
auf. Mein Freund schaute mich ganz entsetzt an und
ich ihn. Wir haben wohl beide gedacht: «So etwas
gibt es doch gar nicht! Das darf es doch nicht
geben! Das glaubt uns keiner!» Dann sahen wir nur
noch, wie ich brutal aus dem Bett geschmissen
wurde. Vorher hatte ich immer gedacht, wenn ich
mitten in der Nacht auf einmal auf dem kalten
Kachelboden lag, dass ich einfach aus dem Bett
gefallen wäre. Jetzt wurden wir eines Besseren
belehrt. Ich wurde von einer unsichtbaren Kraft
regelrecht aus dem Bett geschmissen... Wenn ich es
nicht aufgezeichnet hätte, würde es mir kein
Mensch glauben, wenn ich es erzählen würde. Sie
würden mich für verrückt halten und zu einem
Psychiater schicken. Ich war irgendwie
erleichtert, dass ich es auf Band hatte, aber auch
voller Angst, denn ich wußte nun, daß ich Besuch
hatte, der nicht von dieser Welt ist. Aber was
will er von mir?
Was
ist es? Ein Poltergeist? Ist er auch
verantwortlich für meine nächtlichen Anfälle? Ich
hatte vorher nie an Geister geglaubt. Ich war zwar
immer ein bißchen naiv, aber auch sehr
realistisch. Was sollte ich jetzt bloß tun? Zu wem
sollte ich gehen, um darüber zu reden, ohne daß
ich ausgelacht oder sogar für verrückt erklärt
würde?
Ich wurde nun häufiger krank: Lungenentzündungen,
chronische Bronchitis,
Magenschleimhautentzündungen,
Mundschleimhautentzündungen, verschiedene
Pilzinfektionen, ständige Fieberschübe bei
Anstrengungen, Rippenfellentzündungen,
Kehlkopfentzündungen, Rachenentzündung,
Lymphknotenschwellung u.v.m.
Später
stellte sich ein Antikörpermangelsyndrom ein mit
gehäuften Infekten und Abszessen. Es wurde nun die
Gabe von Immunglobulin notwendig, erst monatlich
und dann alle zwei Wochen. Es war eine Odyssee von
Arzt zu Arzt, von Krankenhaus zu Krankenhaus. Man
suchte nun nach der Ursache der
Immunschwäche. Man hatte mehrere Vermutungen, von
Aids bis Lymphknotenkrebs und Leukämie. Aids wurde
ausgeschlossen, der Krebsverdacht nicht.
Ich
wollte dann keine Ärzte und Krankenhäuser mehr
sehen. Arbeiten konnte ich leider auch nicht mehr.
Mein Traumberuf war Altenpflegerin. Ich war mitten
in einer Ausbildung und mußte dann leider
feststellen, dass ich von der Gesundheit her
diesen Beruf nicht ausüben konnte. Ich habe dann
überlegt, was ich machen könnte. Beruflich konnte
ich ja nichts mehr ausüben, denn kein Arbeitgeber
hätte mich eingestellt mit der schlechten
Gesundheit. Ich dachte dann, ich könnte doch das
tun, was ich als Kind von Herzen schon immer tun
wollte: auf der Bühne stehen und singen. Gesagt,
getan: Mit einer Band hatte ich TV-Auftritte und
produzierte mit einem Produzenten eigene CDs.
Durch Zufall bekam ich dann sogar noch einen Job
beim TV. Ich hatte dort zwei Mal pro Woche in
einer Sendung eine Rolle. Ich versuchte, trotz
schlechter Gesundheit stark zu bleiben mit
Vitaminen, Sport (Tanzen). Ich hatte viele
Freundinnen und Freunde, mit denen ich vieles
unternahm, ging sogar am Wochenende am Abend weg
zum Tanz, merkte aber beim Tanzen, daß ich oft
schlecht Luft bekam und Fieberschübe hatte. Ich
habe es aber einfach verdrängt und weiter getanzt;
da ich ein starker Mensch bin, konnte ich das.
Meine beste Freundin Mandy sagte oft zu mir: «Wenn
man Dich so anschaut und Dir zuschaut beim Tanzen
oder Singen auf der Bühne, würde keiner denken,
daß Du krank bist.» Das Selbe sagten auch andere
Freundinnen. Nur meine Schwester war nicht
begeistert von meinen Aktivitäten. Sie hätte mich
lieber im Krankenhaus oder beim Arzt gesehen.
Wie reagieren Freundinnen und eigene Schwester auf
die Videoaufzeichnung und die Ereignisse? Wie
ich als Schwester von Heike Die Besessenheit
erlebte Vielleicht sollte ich mich erst mal
vorstellen, ich bin die Nadin, die jüngere
Schwester von Heike.Jetzt fragen Sie sich bestimmt
was hat die mit der Besessenheit von Heike zu tun.
Ich habe das Ganze von Anfang an, bis zum Schluß
mitbekommen und alles was Sie hier lesen ist auch
das was ich wirklich mit meiner Schwester Heike
erlebt habe. Es ist nicht leicht für mich darüber
zu schreiben. Dazu kommt noch das ich mit
niemanden darüber sprechen kann, die Leute hätten
mich ja für verrückt gehalten oder gleich zu einen
Psychiater geschickt.
Schilderung:
Heike
hat schon seit einigen Jahren dieses Albdrücken,
das ist ja meines Wissens nach nichts Schlimmes.
Unsere Oma hatte es auch. Nur bei meiner Schwester
war das irgendwie anders. Lähmungen am ganzen
Körper,und rasendes Herz, und ein Gefühl als würde
etwas auf Sie drücken, sich auf Sie drauf setzen.
Sie erzählte es mir oft. Gehe bitte zu einem
Neurologen, viellicht hast du ja eine Epilepsie,
oder so etwas ähnliches.
Nun
vergingen Monate. Meine Schwester rief mich an
einem Morgen aufgeregt an und meinte, daß ihr
nächtliches Albdrücken immer schlimmer würde. Sie
hatte so einen starken nächtlichen Anfall, daß Ihr
Bett ganz naß hinterher war und das Bettzeug
wechseln mußte. Hast du etwa in dein Bett
gepinkelt? war meine erste Reaktion. Nein, es ist
einfach naß geschwitzt, und es passiert mir fast
jede Nacht, bei jedem Albdrücken (Anfall) und der
Neurologe hat keine neurologische Erkrankung
festgestellt, erwiderte Heike. Na ja, vielleicht
hat Sie einfach im Moment zu viel Streß, und ich
mach mir zu viel sorgen um Heike.
Etwas
Seltsames passierte Es
war ein schöner sonniger Tag und ich ging mit
meiner Schwester spazieren. Als wir an einer
Kirche vorbei kamen blieb Sie stehen und starrte
wie hypnotisiert auf die Kirchturmspitze. Mein
Reden nahm Sie gar nicht war. Mit einer mir
fremden, und tiefen Stimme redete Sie plötzlich :
> dort wird der Blitz einschlagen in dieser
Dreckskirche<. Sie ging dann einfach weiter als
wäre nichts gewesen. Nach ein paar Meter stolperte
Sie und fiel auf die Knie, die sofort anfingen zu
bluten. Als wir uns dann in den Armen lagen hatte
ich den Eindruck, daß Heike nicht gestolpert,
sondern geschubst worden war. Weiter möchte ich
mich jetzt lieber nicht dazu äußern.
Ich wollte mich
jemandem mitteilen, weil ich Angst hatte vor
diesem Unbekannten.
Das, was ich da gesehen hatte,
konnte ich alles nicht mehr für mich behalten,
auch nicht diese Anfälle. Ich wollte es jemandem
erzählen. Mit dem Gedanken aber, man würde mich
für verrückt erklären, verschob ich es vorerst.
Aber dann sagte ich mir, daß ich ja die
Videoaufzeichnung hatte. Meine um zwei Jahre
jüngere Schwester Nadin kam zu Besuch. Ihr wollte
ich es erzählen, weil ich wußte, sie würde mir
glauben. Sie glaubt an so was und ist sehr offen
für solche Dinge und sehr neugierig auf solche
Erfahrungen. Ich weiß noch, wie wir als Kinder
mitten in der Nacht auf den Friedhof gingen mit
der verrückten Idee, Geisterstimmen auf einem
Tonbandgerät
aufzunehmen. Wir waren neugierig auf das
Unbekannte. Gut, ich wußte aber, daß meine
Schwester sehr ängstlich und schreckhaft ist, und
dachte mir: «Soll ich ihr die Videoaufzeichnung
wirklich zeigen?» Ich dachte mir dann: «Es ist
Deine Schwester, Du solltest es ihr sagen.» Ich
mußte doch jemanden aus der Familie auf meiner
Seite haben. Außerdem fragte mich meine Schwester
schon lange, was mit mir los sei, weil ich immer
so schlapp und müde aussah. Sie machte sich Sorgen
um mich. Also entschloß ich mich, es ihr zu sagen.
Ich erzählte ihr von meinen schlimmen Anfällen in
der Nacht und von dem Video. Sie war erschrocken
und wurde dabei sehr unruhig. Sie wollte sich das
Video anschauen. Also schob ich das Video in den
Recorder und startete. Meine Schwester schaute wie
erstarrt auf den Bildschirm. Ich glaube, sie hatte
Angst. Ich bekam auch Angst, als ich das nochmal
sah. Lange Zeit, nachdem das Video schon zu Ende
war, saßen wir immer noch still, mit
zusammengepreßten Händen vor dem Fernseher. Sie
wollte es am liebsten nochmal sehen, um zu
glauben, was sie da gerade gesehen hatte. Das
wollte ich uns aber nicht nochmal antun. Dann
fragte sie mich, was ich jetzt machen wollte? Ich
wußte nicht, was ich antworten sollte. «Ja, was
soll ich machen, gute Frage», dachte ich. Dann
sagte sie mir, daß ich nicht sauer auf sie sein
sollte, wenn sie nicht hier schlafe. Ich verstand
ihre Angst. Aber ich war ja in den Nächten nicht
mehr alleine im Zimmer, mein Freund schlief wieder
bei mir. Meine Schwester fragte meinen Freund
noch, ob er denn keine Angst hätte? «Nein, weil
ich denke, daß es etwas Böses ist, und das Böse
will nur, dass wir Angst haben. Wir sollten
vielleicht beten.» Ich muß dazu sagen, daß mein
Freund ein sehr gläubiger
Mensch
ist. Er glaubt sehr an Gott, er gehört den
Siebenten-Tags-Adventisten an., praktiziert es
aber nicht mehr. Meine Schwester konnte das gar
nicht verstehen, daß mein Freund mit dem Geschehen
so locker umging. «Hast Du denn keine Angst?»,
fragte bzw. schrie sie ihn erneut an. «Angst ist
menschlich», erwiderte er ruhigen Tones, nur
müssen wir uns überlegen, wie wir uns schützen
können und was wir dagegen unternehmen.
Nun
wußte es meine Schwester. Irgendwann war eine gute
Freundin bei mir zu Besuch: Mandy ist ihr Name.
Mandy kenne ich schon sehr lange. Ich habe sie
kennen gelernt durch meinen Freund, der in der
Küche arbeitet. Mandy war seine Arbeitskollegin
und arbeitete in der Küche als Köchin. Sie kennt
mich sehr gut. Sie hat mich oft zu
Gesangsauftritten im Fernsehen begleitet in schöne
Hotels und Städte. Es ist immer sehr lustig, mit
ihr zusammenzusein. Sie ist für mich so etwas wie
eine liebe kleine Hexe. Sie macht so etwas wie
weiße Magie. Zum Beispiel: Wenn jemand eine
häßliche Warze hat, bestreicht sie die Warze mit
irgendwas und bespricht sie. Dann ist sie weg.
Mandy legt Karten und glaubt an Orakel und
Horoskope. Ich
habe
mit ihr oft über meine hellseherischen Fähigkeiten
gesprochen. Sie wollte auch immer, daß ich ihr
etwas über ihre Vergangenheit und Zukunft sage.
Wir redeten oft über meine gesundheitlichen
Probleme. Sie macht sich deswegen Sorgen und fragt
immer: «Warst Du jetzt endlich mal beim Arzt?» Das
hat mich immer sehr genervt. Als Mandy zu Besuch
war, erzählte ich auch ihr von meinen Anfällen und
der Videoaufzeichnung. Natürlich schaute sie sich
die Aufzeichnung an und war darüber sehr
erschrocken. «Du mußt irgendwas machen dagegen»,
meinte sie. «Ja, aber was?», dachte ich. Auch der
Ex-Freund meiner Schwester wußte von den
Geschehnissen, aber er lachte darüber. Er selbst
war einer, der ein Pentagramm trug und Bücher über
Satan las. Nein, er war kein Satanist; er glaubte
nur nicht an Gott. Auch meine Nachbarin Johanna
wusste meine Geschichte, auch ihr habe ich es
erzählt. Auch sie ist eine sehr gute Freundin und
kommt aus Italien. Sie selber hat auch schon Spuk
erlebt. Als ihre Tante eines unnatürlichen Todes
gestorben war, erlebte sie schlimme Dinge und
hatte auch einen ähnlichen Anfall in der Nacht wie
ich. Darum konnte sie mich gut
verstehen und glaubte mir.
Ein Gespräch mit einem Pfarrer an meinem Wohnort
Lange überlegte ich, was ich denn bloß machen
sollte. Immer die schlimmen Anfälle und dann der
Gedanke an die Videoaufzeichnung: So konnte es
nicht weitergehen. Meine Angst wuchs von Nacht zu
Nacht. Mein Freund riet mir, einen Pfarrer
aufzusuchen. «Ich bin mir sicher, daß da etwas
Böses dahinter steckt», meinte er. «Okay», dachte
ich, was sollte ich auch noch anderes tun?
Gleichzeitig hatte ich ein unangenehmes Gefühl -ob
der mir auch glauben würde, oder mich für verrückt
hielte, wenn ich ihm von diesen Dingen erzählte?
Ich habe einmal in einem Bericht gelesen, daß die
Pfarrer einer Schweigepflicht unterliegen. Das gab
mir Mut. Entschlossen machte ich mit der
Sekretärin einen Termin aus für ein Gespräch mit
dem Pfarrer. Tage später saß ich im Büro des
Pfarrers und wartete, daß er zur Tür hereinkam.
Ich überlegte mir, wie ich ihm meine Erlebnisse
schildern könnte. Ich hatte ein richtig
unangenehmes Gefühl. Dazu kamen dann noch diese
Bilder von Jesus überall im Raum. Ich mochte sie
einfach nicht. Der Pfarrer trat ins Zimmer. Ich
kannte ihn überhaupt nicht, weil ich nie in die
Kirche gehe. Auf jeden Fall war er mir gleich sehr
unsympathisch. Er war ein älterer Mann und sah
sehr unfreundlich aus in seiner ganzen Art. Doch
was sollte ich jetzt tun? Wieder gehen und dann,
was sollte ich dann tun? Nein, ich
musste
es sagen und tat es dann auch. Er fragte mich, in
welchem Raum ich bin, wenn ich diese Anfälle habe,
und wie lange ich sie schon habe. Dann sagte er:
«Vielleicht haben Sie einfach nur Albträume?»
«Nein», sagte ich, denn ich wußte, daß es keine
waren.
Mit
den Worten «wenn es schlimmer wird, dann kommen
sie nochmal zu mir und meine Sekretärin gibt ihnen
eine Adresse von einem Psychologen», gab er mir
rasch die Hand und begleitete mich zur Tür.
Draußen dachte ich: «Na toll, der hält Dich für
verrückt.» Ich ging verzweifelt nach Hause. Was
sollte ich jetzt bloß machen? Der war mir ja keine
Hilfe gewesen. Mein Freund meinte dann später zu
mir: «Versuch doch mal, im Internet einen Priester
zu finden, der Dir glaubt, und vor allem, der auch
an den Teufel glaubt.»
Die Angst zu beten, Beklemmung vor Kirchen Es
war nun wieder eine lange Zeit vergangen und mir
ging es gar nicht gut. Es kamen weitere schlimme
Anfälle. Durch die nächtlichen Anfälle bekam ich
viel zu wenig Schlaf. Ich hatte jetzt jede Nacht
Angst einzuschlafen, weil ich ja nie wusste, was
als Nächstes passieren würde. Nachts ließ ich das
Licht an und drückte mich im Bett immer ganz nah
an meinen Freund. Es störte ihn schon, weil er
sich selber dann nicht richtig rühren konnte. Ich
zog mir auch die Decke so weit über den Kopf, daß
ich kaum Luft bekam und so schwitzte, daß das Bett
naß wurde. So war es gar nicht mehr möglich,
richtig zu schlafen, geschweige denn, am nächsten
Tag ausgeruht zu sein. Somit wurde es auch
schwierig, der Arbeit im Studio nachzugehen, oder
das zu tun, was ich so gerne tat, aus vollem
Herzen singen. Alles wurde schwieriger. Dann
versuchte ich sogar zu beten, was ich vorher nur
bei den Anfällen versuchte, damit sie aufhören
sollten. Ich versuchte es jetzt aus einem Gefühl
heraus, daß es vielleicht helfen könnte. Ich
versuchte es, obwohl ich nicht so richtig an Gott
glaubte. Ich war mir in meinem Glauben sehr
unsicher, aber ich dachte mir, es könnte ja nicht
schlechter gehen,
wenn
ich betete. Beim «Vater unser im Himmel» kam das
Wort «geheiligt werde Dein Name». Als ich das Wort
«geheiligt» aussprach, spürte ich in mir eine
schlimme Angst. Mir war so, als würde ich keine
Luft mehr bekommen und mein ganzer Körper würde
zusammengedrückt. Mit großer Angst betete ich
weiter. Was war bloß los mit mir? Ich erzählte es
meiner Nachbarin und Freundin Johanna, denn sie
wußte ja von der ganzen Sache mit mir. Ihr
Vorschlag war: «Wollen wir mal in die Kirche gehen
und versuchen, da zu beten?» Auch sie war lange
nicht mehr in der Kirche gewesen, glaubte aber
trotzdem sehr an Gott. Ihr Problem war, daß sie in
der Kirche immer traurig wurde und dann weinen
mußte. Warum, das wußte sie nicht. Sie vermied es
deshalb, in die Kirche zu gehen. Zusammen gingen
wir mit einem komischen Gefühl zur Kirche.
Angekommen an der großen Kirchentür, konnte ich
keinen Schritt weitergehen. Meine Beine wurden
schwer und ich war wie gelähmt. Ich konnte keinen
Fuß vor den anderen setzen. Mich überfiel wieder
eine
große Angst und eine innere Wut. Ich dachte: «Was
soll ich da, ich hasse Gott.» Mir wurde richtig
schlecht. Ich wußte auch nicht, was mit mir los
war, warum hatte ich auf einmal so eine Wut auf
Gott, den ich eigentlich nie richtig kennen
gelernt hatte? Meine Freundin bemerkte meine
Reaktion und nahm meinen Arm. Sie zog mich von der
Kirche fort. «Nur schnell weg von hier», so schrie
es in mir. Wir rannten, als wenn der Leibhaftige
hinter uns her wäre.
Auf
der Suche nach einem Priester
Es
konnte so nicht mehr weitergehen. Irgendwo mußte
es doch jemanden geben, der sich aus kannte mit
dem Bösen und mir glaubte, was mir täglich
passierte. Meine Suche begann nun im Internet und
ich fand einen Priester in einem anderen Land. Er
war auch ein Exorzist. «Was ist das», dachte ich,
«ein Exorzist?» Ich las dann, daß das jemand sei,
der besessene Menschen von dem Bösen befreit mit
Exorzismus-Befreiungsgebeten. Na ja, wenn der so
etwas macht, dann würde er mir bestimmt glauben,
was mit mir passierte. Er könnte mir vielleicht
sagen, was ich tun sollte, wie ich diesen bösen
Geist loswerden konnte in meiner Wohnung und vor
allem, was das Böse von mir wollte. Ich habe
diesem Priester dann gleich eine Mail geschrieben
und ihm ausreichend geschildert, was mir jeden Tag
widerfuhr. Seine Antwort kam überraschend schnell.
Er sei leider nicht für meine Gegend zuständig, da
er im Ausland ziemlich weit weg sei. Ich sollte
mich doch an das Bischöfliche Ordinariat meiner
Diözese wenden. Gott würde mir Kraft geben, den
richtigen Ansprechpartner zu finden. Ich war
enttäuscht. Ob die mir da weiterhelfen könnten?
Ich war nicht begeistert von dieser Antwort und
weiter ging die Suche.
Oh, da
ist ja noch jemand, ein Pater Amorth aus Italien,
auch Priester und Exorzist. Er hatte schon vielen
geholfen, die vom Teufel besessen waren. Wenn er
Besessenen hilft, könnte er mir vielleicht auch
helfen. Aber er ist weit weg und spricht er
überhaupt deutsch? Ich mußte mich an jede Hoffnung
klammern, denn solche Leute wird es nicht wie Sand
am Meer geben. Ich versuchte, die Adresse zu
bekommen, fand sie aber nirgendwo. Da kam mir die
Idee, verschiedene Diözesen und Bistümer
anzuschreiben mit der Frage, ob sie eine Adresse
hätten von jemandem, der sich mit dem Bösen
auskennt, z.B. von Pater Amorth? Mehr schrieb ich
da lieber nicht. Auch hier bekam ich schnell eine
Antwort von einen Bistum; man teilte mir die
Adresse von Pater Amorth mit. So, nun hatte ich
die Adresse. Der erste Schritt war getan, doch da
tauchte ein neues Problem auf: Ich konnte nicht
Italienisch sprechen, geschweige denn schreiben.
Johanna, fiel mir ein, konnte beides. Mit ihr
schrieb ich dann einen Brief an Pater Amorth mit
der Bitte, mir zu helfen, und brachte diesen Brief
gleich am nächsten Tag zur Post. Ich hatte eine
kleine Hoffnung, daß er mir zurückschrieb. In der
Zwischenzeit bekam ich eine Mail von einem anderen
ausländischen Bistum. Es schrieb mir eine Frau,
ich sollte mich mit meiner Frage an den
Weihbischof in X wenden. Er kenne sich damit gut
aus und er könnte mir da vielleicht auch
weiterhelfen oder mir die Adresse von Pater Amorth
geben. Weil es mir gut schien, wenn mir dieser
Priester helfen könnte, schrieb ich ihm sofort.
Ich bekam auch schnell eine Antwort, die
warmherzig und vertrauensvoll wirkte. Er schrieb:
«Sie werden ja sehr geplagt. Aber um zu wissen, ob
Sie da wirklich von etwas Bösem geplagt werden
oder etwas anderem, müsste ich schon etwas mehr
über Sie wissen. Möchten Sie mal vorbeikommen?»
Nun hatte ich endlich jemanden gefunden, der mir
glaubte. Ich dachte: «Es ist weit weg, wenn ich
nach X fahre. Aber Pater Amorth ist ja noch weiter
weg.» Ich war froh, jemanden gefunden zu haben,
der mir Hoffnung gab. Nach einem Gespräch mit
meinem Freund machte ich einen Termin aus.
Erstes Treffen mit dem Weihbischof X
Nun
hatte ich ein Treffen mit dem Weihbischof.
abgemacht. Wo aber schlafe ich dort, es ist ja
sehr weit weg? X, das ist eine Stunde von Z
entfernt. Fast sechs Stunden Zugfahrt: Da kann ich
nach diesem Termin nicht am selben Tag
zurückfahren. Da fiel mir ein, dass ich ja einen
sehr guten Freund in Z habe, den Stefan, ein ganz
lieber Mensch. Er ist Arzt, hat aber aus
gesundheitlichen Gründen zum Banker gewechselt.
Ich habe ihn damals übers Internet kennen gelernt.
Stefan ist 45 Jahre alt und lebt alleine. Er freut
sich immer, wenn ich ihn besuche. Ich habe Stefan
am Abend angerufen und ihn gefragt, ob ich zwei
Tage bei ihm in Z schlafen dürfte? Stefan freute
sich und sagte natürlich ja. «Aber was willst Du
denn so Wichtiges in X?», fragte er. Ich
überlegte, was ich ihm sagen sollte. Ich konnte
ihm doch nicht sagen, was mit mir los war.
Vielleicht hielte er mich
für
verrückt, wenn ich ihm alles erzählen würde.
Eigentlich kannte ich Stefan recht gut, aber wie
würde er bei so einem Thema reagieren? Also
verblieben wir so, daß ich kommen würde. Nun war
es auch schon so weit, der Termin beim Weihbischof
stand an. Am Nachmittag um 16 Uhr musste ich in X
sein. Am Morgen um 6 Uhr setzte ich mich in den
Zug nach München der eine Stunde lang fährt. Von
München ging es dann fünf Stunden weiter nach Z.
Im Zug machte ich mir Gedanken darüber, ob der
Weihbischof mir glauben würde. Ich dachte mir:
«Hoffentlich hält er mich nicht für total
verrückt. Hoffentlich kann er mir helfen.»
Herauszufinden, von welchem Spuk ich da belästigt
wurde, das war mein Wunsch. Mir war während der
ganzen Fahrt richtig schlecht vor Angst. Ich hatte
eine unwahrscheinliche Abneigung vor dem
Weihbischof und wußte nicht einmal warum. Um 14.30
Uhr bin ich dann in Z Hauptbahnhof eingetroffen,
von hier war es dann noch eine Stunde mit dem Zug
nach X. Hier endete meine Reise. Nun war es bald
so weit, mein Termin stand an und ich suchte nun
den Weg zum Haus des Priesters. Es dauerte nicht
lange und ich stand vor seinem Haus. Nur noch eine
Eisenpforte und ein Hof trennten mich von diesem
ein bißchen streng wirkenden Gebäude. Mich
überfiel auf einmal eine große Angst. Die Beine
begannen zu zittern. Sie waren auf einmal schwer,
als wenn sie aus Stein wären. Es war mir, als wenn
mich eine unsichtbare Kraft zurück drückte. Ich
konnte keinen Schritt vorwärts gehen. Dazu war mir
richtig schlecht. Was sollte ich bloß machen?
Sollte ich wieder nach Hause fahren? Die Sonne
spiegelte sich in einigen Fenstern, als wenn das
Haus mir zuzwinkern würde. Ich mußte da
hineingehen. Also nahm ich meinen ganzen Mut
zusammen und kämpfte gegen diese Kräfte an. Ich
klingelte schnell, bevor ich es mir anders
überlegen konnte. Es dauerte nicht lange, da
machte eine Frau die Tür auf. «Ich bin die Heike
R. und habe einen Termin beim Weihbischof» «Kommen
Sie doch rein!» Sie führte mich in einen Raum, wo
ich auf den Herrn Weihbischof sollte.
Es
dauerte nicht lange, da betrat der Weihbischof den
Raum und begrüßte mich sehr nett. Er wollte mir
zur Begrüßung die Hand geben, aber ich konnte
nicht. Ich habe mich davor geekelt, ihm die Hand
zu geben. Ich habe ihn gehaßt. Ich wußte nicht
einmal, woher dieser Haß kam. Ich habe doch
eigentlich Hilfe vom Weihbischof erwartet. Er war
auch sehr nett und sympathisch. Er bemerkte meine
Unsicherheit. Es war schrecklich, überall
christliche Bilder. Es war schlimm für mich, wäre
am liebsten wieder hinausgelaufen aus diesem
schrecklichen Haus mit diesen furchtbar vielen
christlichen Bildern. Ich mochte diese Bilder
einfach nicht und wußte nicht warum. Wir kamen
dann in einen großen Raum an mit einem langen
Tisch
und vielen Stühlen. Das Zimmer sah irgendwie
historisch aus. Eigentlich sah das ganze Haus
historisch aus. In diesem Zimmer waren auch Bilder
von irgendwelchen Heiligen. Ich habe versucht, sie
still zu ertragen, ohne daß der Priester etwas
merkte. Nun setzten wir uns, er sagte: «Nun
erzählen Sie mal, was los ist.» Ich schämte mich
sehr, ihm diese Dinge zu erzählen, weil ich Angst
hatte, er würde denken, ich sei krank. Ich
erzählte dem Weihbischof dann von meinen
furchtbaren nächtlichen Anfällen und erzählte ihm
auch von diesem Geistervideo. Der Weihbischof saß
da mit einem Zettel und schrieb mit, was ich alles
sagte. Er fragte mich auch, wie meine Kindheit
war. Ich habe ihm auch aus meiner Kindheit
erzählt. Dann
fragte
er, ob die Anfälle nicht vielleicht Albträume sein
könnten. Es könnte sich ja so viel im
Unterbewußtsein abspielen, die unmöglichsten Dinge
passierten dort. Als er das sagte, war ich so
wütend, daß ich sagte: «Sie glauben mir nicht,
stimmts? Nein, nein, das ist nicht mein
Unterbewußtsein, denn mein Unterbewußtsein kann
mich nicht von hinten packen und mit voller Wucht
aus dem Bett schmeißen. Schon gar nicht kann das
Unterbewußtsein Dinge wie von Geisterhand bewegen.
Auf meiner Videoaufzeichnung ist es zu sehen, wenn
Sie mir nicht glauben, bringe ich sie mit», sagte
ich. «Nein, ich glaube Ihnen schon», sagte er, und
fragte, ob wir gemeinsam beten würden. Als er das
sagte, war sie wieder da, diese schlimme Angst.
Mir war, als würde mir die Luft abgedrückt, und
ich fühlte wieder diesen Hass auf den Weihbischof.
Meine Gedanken riefen: «Spar Dir Dein
Scheiß-Gebet!» Ich sagte dann: «Ich bete nicht.»
«Soll ich für Sie beten?», meinte er dann. Ich
dachte, wenn ich jetzt nein sagte, würde er mir
nicht aus meiner Lage helfen. «Also gut, beten
Sie.» Er fing an zu beten. Es war schlimm für
mich, aber ich war froh, daß das Gebet fast nur
auf mich bezogen war. Er sprach die Worte «Jesus»
und «Gott» nicht aus, denn ich hätte es nicht
ertragen, wusste aber nicht warum. Nach zwei
Stunden Gespräch bedankte sich der Weihbischof bei
mir, daß ich so weit gereist bin, um mit ihm zu
reden. «Werde mal sehen, wer Ihnen helfen kann,
vielleicht ein Priester vom Bistum Y.» Das fand
ich nicht so gut, denn in München würde ich das
dann alles noch einmal erzählen müssen, und ob der
mir dann glauben würde? Der Weihbischof sagte:
«Ich werde den Theologen in München alles
erzählen, was Sie mir gesagt haben. Haben Sie
keine Angst, er wird ihnen glauben. Ich werde mich
nur an jemanden wenden, der Ihnen glauben wird.»
Dann verabschiedete sich der Weihbischof von mir
mit den Worten: «Wir bleiben in Kontakt per Mail.»
Nun war ich froh, daß ich dieses Haus verlassen
konnte mit all diesen schrecklichen
Heiligenbildern. Aber auf der anderen Seite machte
ich mir Gedanken: Glaubte der Weihbischof mir
wirklich, und was wird nun?
Besuch bei Stefan in Z vor der Heimreise
Darauf
bin ich von X nach Z gefahren. Da stand auch schon
Stefan am Bahnhof. Er begrüßte mich freundlich.
Wir sind mit dem Auto zu ihm nach Hause gefahren.
Unterwegs muß er wohl meinen knurrenden Magen
gehört haben. Unsere Blicke trafen sich und er
drehte Richtung Imbiß um. Während wir unseren
Hunger stillten, erzählte er von sich. Bei einem
Gläschen Wein fiel langsam meine Anspannung ab und
ich fühlte mich wohl. Ein bißchen angeheitert fing
ich an, ihm zu erzählen, warum ich den Priester
besucht hatte. Stefan hörte mir interessiert zu.
Ich hatte das Gefühl, daß er mir alles glaubte,
was ich ihm erzählte. Er war nur ein wenig
erstaunt und etwas unsicher. Seine Augen wurden
immer größer, als ich ihm vom Video erzählte. «Das
will ich sehen», platzte es aus ihm heraus. «Ja
klar, wenn Du möchtest.» Dann sind wir irgendwann
nach Hause zu Stefan gefahren und haben da noch
ein wenig geplaudert. Stefan spielte mir noch
etwas auf dem Klavier vor, er kann ja so wunderbar
spielen. Mozart und Bach. Nun wollten wir schlafen
gehen. Ich sollte im Wohnzimmer schlafen alleine,
hatte aber so eine Angst, alleine zu schlafen,
wegen meiner Anfälle und fragte Stefan, ob er auch
im Wohnzimmer schliefe. Er hatte gleich
Verständnis und baute sein Nachtlager auch im
Wohnzimmer auf. Es dauerte nicht lange und
Stefan
war eingeschlafen. Ich lag da mit meiner Angst.
Irgendwann bin auch ich vor Müdigkeit
eingeschlafen. Mitten in der Nacht wurde ich dann
wieder von einer Kraft von hinten gepackt und
heftig aus dem Bett geschmissen. Stefans Kopf
tauchte aus den Kissen auf und blickte mich
verstört und fragend an. Sein Trost tat gut. Meine
Gedanken fingen wieder an zu rasen. Sie war wieder
da, diese unheimliche Macht. Gleichmäßige Atemzüge
von Stefan beruhigten mich ein wenig. Oder machte
ich mir selbst etwas vor? Wurde ich auch hier von
dem Bösen bedroht? Dann bin ich wohl
eingeschlafen. Träumte ich, oder war ich wach? Ich
hörte mein Herz schlagen, nein halt, mein Herz? Es
wurde immer lauter, mein Herz! Nein, da klopfte
etwas überall um mich herum, ich zog mir die
Bettdecke über den Kopf und hoffte, dass dieses
Klopfen bald aufhören würde. Doch es
wurde
immer lauter. Zu Hause hatte ich dasselbe Klopfen
auch öfter wahrgenommen. Irgendwann konnte ich
dieses Klopfen nicht mehr ertragen und weckte
Stefan. Stefan fragte, was denn los sei. «Hörst Du
nicht dieses Klopfen?» «Ja, doch, von wo kommt das
denn?» Er stand auf und schaute überall nach, wo
das denn herkommen könnte. Doch auch er konnte
keine Ursache dafür finden. «Weiß auch nicht, das
ist ja sehr merkwürdig», wunderte er sich, «komm,
laß uns jetzt versuchen zu schlafen und hab keine
Angst.» Dann bin auch ich eingeschlafen und der
Rest der Nacht verlief ruhig. Am nächsten Morgen
war ich sehr müde von diesen nächtlichen Störungen
und nass geschwitzt. Stefan mußte zur Arbeit und
ich wieder nach Hause. Also brachte er mich zum
Bahnhof. Wir drückten uns sehr fest. «Laß Dir
helfen, bitte, ich habe große Angst um Dich. Du
kannst jederzeit
wiederkommen, wenn Du willst, es würde mich
freuen.» Wir gingen zum Bahnsteig und ich setzte
mich in den Zug. Als sich der Zug in Bewegung
setzte, winkte Stefan noch von weitem. Würde ich
ihn wiedersehen?
Es ging mir
immer schlechter
Die
Zeit zu Hause wurde immer schlimmer. Es war auch
eine Zeit des Hoffens, dass der Weihbischof
jemanden im Bistum Y finden würde, der mir helfen
konnte und mir glaubte. Fast jeden Tag schrieb ich
dem Weihbischof eine Mail, ob er denn schon
jemanden habe, der mir helfen könnte. Er hatte da
einen Priester gefunden, den er telefonisch aber
nicht erreichte. Er sagte: «Bewahren Sie noch ein
wenig Ruhe.» Einfach gesagt, wenn es einem jeden
Tag schlechter geht. Ich hatte jede Nacht so
schlimme Anfälle. Es war inzwischen schon so, dass
ich nachts auf dem harten Boden schlief, weil ich
Angst hatte. Jedes mal, wenn ich in meinem Bett
lag, wurde ich von jemandem, der eigentlich gar
nicht da war, von hinten gepackt und brutal aus
dem Bett geschmissen. Ich mochte mich auch nicht
mehr mit der Bettdecke zudecken, weil sie mir
jedes mal weggerissen wurde.
Ich
fing auch an, mich mit meinem Freund zu streiten,
weil er es nicht richtig fand, daß ich nicht mehr
betete. Er betete dann öfter laut und ich wurde
sehr wütend. «Hör auf zu beten», schrie ich meinen
Freund an. Er sagte: «Ich lasse mir von Dir doch
das Beten nicht verbieten. Zeig doch mal Stärke
und bete, anstatt vor dem Bösen Angst zu haben.»
Ja, er sagte das so einfach. Ich fragte, ob er
denn keine Angst hätte. «Nein, die habe ich nicht,
denn das Böse will ja nur, daß wir Angst haben.»
Na ja, ein Trost war das nicht für mich. Dann
hatte ich auf einmal jeden Tag so schlimme
Freßanfälle, man kann echt «Fressen» dazu sagen.
Ich verschlang alles wie ein Tier, riesige Mengen.
Danach war mir übel und ich mußte mich
übergeben. Manchmal hatte ich auch drei Tage
nichts gegessen, weil ich einfach keinen Hunger
mehr hatte. Wie sollte das bloß weitergehen? Ich
würde noch in der Psychiatrie landen, wenn das so
weitergehen sollte. Irgendwann schrieb ich dann
wieder den Weihbischof an und fragte, ob er den
Priester in München jetzt erreicht hätte. Leider
nicht. Aber der Weihbischof meinte: «Könnten Sie
noch mal zu mir kommen zum Sprechen?» Ja, ich
würde gerne kommen. So machten wir per Mail einen
neuen Termin aus.
Ein zweites Treffen mit dem Weihbischof Lag
wirklich eine dämonische Besessenheit vor?
Ich
war nun sehr froh, dass ich doch noch einmal einen
Termin beim Weihbischof hatte. Könnte er mir jetzt
wirklich helfen? Ich fragte meinen Freund, ob er
denn nichts dagegen hätte, wenn ich noch einmal
fahren würde. Nein, er hatte nichts dagegen. Denn
er wollte ja auch gerne, daß alles wieder gut
würde. Ich benachrichtigte nun auch gleich Stefan
in Z, dass ich wiederkommen würde und ob ich
wieder bei ihm schlafen könnte. Das war wieder
kein Problem für Stefan.
Eine
Nacht vor meiner Abreise hörte ich auf einmal eine
Stimme. Es war, als wenn diese Stimme sich in
meinen Kopf drückte. Es war, als wenn diese Stimme
alle anderen Gedanken wegdrückte. Diese Stimme war
sehr merkwürdig. Sie war männlich und hatte einen
italienischen Akzent. Sie sagte: «Du gehst nicht
zu diesem Scheiß-Priester, denn der kann Dir auch
nicht helfen.» Das klang irgendwie ironisch, wie
diese Stimme sich ausdrückte. Ich dachte, jetzt
wirst Du total verrückt. Jetzt hörst Du schon
Stimmen. Ich hatte vorher noch nie Stimmen gehört.
Na ja, dachte ich, vielleicht habe ich nur
geschlafen, obwohl es für einen Traum zu real war.
Aber ich ließ es dann offen. Am nächsten Tag
sollte die Reise dann losgehen. Wieder ab in den
Zug Richtung München Von München wieder nach Z und
von Z wieder nach X.
Auf
dem Weg nach X geschah im Zug dann etwas, was bis
jetzt noch nicht so passiert war. Ich war im Zug
auf der Toilette und wollte mir gerade die Hände
waschen. Plötzlich wurde ich zu Boden gedrückt von
dieser Kraft. Ich hatte solche Angst. Ich
versuchte, vom Boden wieder aufzustehen, doch es
ging einfach nicht. Dabei gingen mir Gedanken
durch den Kopf. «So etwas wie Du, Du sollst doch
verrecken. Du alte Sau», und dann kam noch so
etwas wie «Deine Scheißdrecks-Priester da». Ich
glaubte, das waren nicht meine Gedanken. Mir war,
als wenn ich bedroht würde. Nach einiger Zeit
konnte
ich dann wieder aufstehen. Es war einfach
schrecklich, was da mit mir geschah. Ich hatte
Angst, ich würde verrückt werden .
Nun
hielt der Zug in X. Ich hatte nun auch nicht mehr
viel Zeit bis zu meinem Termin beim Weihbischof.
Es dauerte nicht lange, da stand ich wieder vor
dem großen Tor zum Ordinariat des Weihbischofs.
Schon wieder überfiel mich die Angst, da
hineinzugehen. Wieder hatte ich ein Gefühl, als
würde ich zusammengedrückt werden. Mir war wieder
so schlecht. Nun stand ich endlich vor diesem
Gebäude und mußte nur noch klingeln. Genau das tat
ich dann auch. Es dauerte nicht lange, da öffnete
sich die Tür und da stand wieder diese Frau von
meinem letzten Besuch. «Ach Sie wollen bestimmt
zum
Weihbischof. So kommen Sie doch herein.» Ich mußte
dann wieder in diesem Raum warten, wo ich beim
letzten Mal auch gewartet hatte. Ich mußte nicht
lange ausharren, da kam auch schon der Weihbischof
und begrüßte mich freundlich. Er wollte mir wieder
die Hand geben und ich sagte ihm «nein». Da war er
wieder, dieser Haß und Ekel. Jetzt führte er mich
in einen anderen Raum. Er sah genauso aus wie der
Raum, in dem wir beim meinem letzten Besuch
gewesen waren. Nur hingen dort keine Bilder von
irgendwelchen Priestern oder Heiligen, sondern von
der Gottesmutter. Das war für mich sehr schwer zu
ertragen. Ich hätte sie am liebsten von der Wand
gerissen. Wir setzten uns und er fragte, wie es
mir ginge. Ich erzählte ihm dann, wie es mir zu
hause ergangen war und wie schwer es war, zu ihm
zu kommen. Er sagte dann auf einmal: «Wollen wir
beten?» Oh, was für ein schreckliches Wort. «Nein,
ich bete nicht», war meine Antwort. Oh, ich habe
den Weihbischof deswegen so gehaßt. Er sagte:
«Dann werde eben ich für Sie beten.» Ich
versuchte, mich zusammenzureißen und dieses Beten
über mich ergehen zu lassen. Dann fing er an, laut
zu beten. Am Anfang ging es ja noch, aber dann
fing er an, immer wieder «Gott» und «Jesus»
auszusprechen. Es war für mich eine richtige Qual.
Jedes mal, wenn er «Jesus» sagte, fuhr es mir
durch den Körper wie ein Stromschlag. Es schmerzte
richtig. Ich spürte Haß und Ekel vor dem Namen
Jesus! Ich hatte Probleme damit, nicht wütend zu
werden. Irgendwann machte er ein Kreuzzeichen. Oh
das schmerzte. Ich habe dann einfach weggeschaut,
damit ich es nicht sehen musste. Dann war das
Beten endlich vorbei. Ich war erleichtert. Nach
dem Beten sagte er auf einmal: «Ich glaube, Sie
sind besessen von dem Bösen oder Teufel.» Ich
dachte: «Was ist das, besessen zu sein?» Dann
fragte der Weihbischof : «Wollen wir ein wenig auf
die Terrasse gehen? Es ist schönes Wetter
draußen.» Das war eine gute Idee von ihm. So
konnte ich raus aus diesem Haus, weg von diesen
schrecklichen Bildern. Ich konnte endlich eine
Zigarette rauchen. Er holte Stühle und wir setzten
uns auf die Terrasse. Schön war es dort: ein
Garten mit einem Springbrunnen. Wir schauten in
den schönen Garten und redeten miteinander. Ich
konnte dabei rauchen. Dann sagte er noch: «Sie
sind wirklich besessen von dem Bösen.» Ich fragte:
«Was ist das: besessen?» «Besessen ist, wenn ein
Dämon in Ihnen ist, der Sie in Besitz nimmt, Sie
besetzt und benutzt, Sie plagt und auch Ihre
Gedanken beeinflussen und Ihnen Angst machen
kann.» Ich meinte dann zu ihm: «Aber an den Teufel
glaubt doch sowieso keiner.» Da
sagte
der Priester: «Sehen Sie, das kommt jetzt auch vom
Teufel, was Sie da gesagt haben. Der Teufel will,
daß wir nicht an ihn glauben, weil er dann Schaden
anrichten kann, ohne dass wir es merken.» Ich
fragte ihn: «Und was kann man jetzt machen, daß
ich den Teufel wieder los werde?» «Vielleicht
einen Exorzismus.» Ich fragte: «Was ist das,
Exorzismus?» «Das sind Befreiungsgebete. Der
Teufel erträgt keine Gebete und Segnungen. Er ist
gegen alles, was heilig ist.» Ich war ein wenig
skeptisch gegenüber dem, was er sagte. Ich
besessen vom Teufel? Mir lief ein Schauer über den
Rücken. Es könnte sein, daß es stimmte, daß ich
besessen war. Mir fiel ein, daß ich nicht beten
konnte und gegen alles Heilige war. Nach drei
Stunden Reden meinte er: «So, jetzt habe ich noch
zu tun. Wir machen dann per Mail einen neuen
Termin aus.» Ich war froh, dass er mir helfen
wollte. Vor
allem
war ich erleichtert, daß er mir glaubte. So haben
wir uns verabschiedet. Ich bin dann direkt wieder
nach Z gefahren zu Stefan.
Er
stand auch schon am Bahnhof, um mich abzuholen.
Stefan ist echt lieb. Als wir bei ihm zu Hause
waren, haben wir uns etwas Schönes gekocht und zum
Essen ein Glas Wein getrunken. Wir haben uns
unterhalten, wie es beim Weihbischof war. Ich
erzählte ihm davon, dass der Weihbischof
vermutete, daß ich besessen sein könnte. Stefan
meinte: «Dann könnte ich mal den Weihbischof
anrufen und mit ihm reden.» Ich fragte ihn, warum.
Stefan meinte, er würde das gerne mal vom
Weihbischof hören und Genaueres darüber erfahren.
Ich
wollte das nicht so gerne und sagte zu Stefan:
«Ich überlege es mir.» Stefan war damit
einverstanden. Nun redeten wir über meine
Gesundheit, meine Immunschwäche. Ob ich auch
regelmäßig zum Arzt ginge. Stefan machte sich
immer Gedanken über meine Gesundheit, weil ich als
Kind Lymphknotenkrebs hatte. Er hatte Angst, daß
ich es nochmal bekommen und es nicht bemerken
könnte. Stefan war ja Arzt und ein Arzt macht sich
halt schnell Gedanken, schon bei dem kleinsten
Husten. Auf jeden Fall hatten wir einen schönen
Abend. Die Nacht war wieder eine Qual. Wieder
dieses Klopfen und dazu die Lähmungsanfälle. Ich
wurde mehrmals aus dem Bett geworfen. Am nächsten
Tag bin ich völlig müde und kaputt nach Hause
gefahren. Im Zug konnte ich ein wenig schlafen.
Das Leiden ging
weiter
Wieder
waren drei Wochen vergangen seit dem Besuch beim
Weihbischof. Von zuhause schrieb ich ihm viele
Mails: wie es mir ging und die aktuellen
Geschehnisse. Es gab auch einen ekligen Gestank,
von dem ich nicht wußste, woher er kam. Ich
versuchte, diesen Gestank von mir abzuduschen.
Aber er ging nicht weg. Sogar mein Freund bemerkte
diesen Gestank zu Hause und im Auto. Er versuchte
herauszufinden, woher dieser Gestank kam. Ich
kannte diesen Geruch nicht. In einer Nacht um drei
Uhr wachte ich plötzlich auf und roch einen
eigenartigen Brandgeruch, der mir in die Nase
stieg.
Ich stieg gleich aus dem Bett um nachzusehen, ob
irgendwo ein Brand sein könnte. Ich konnte aber
nichts finden. Ich wollte wieder ins Bett gehen.
Da spürte ich auf einmal hinter mir eine Kälte.
Mir lief ein richtig kalter Schauer über den
Rücken und ich hatte ein Gefühl, als stehe jemand
hinter mir. Ich wollte mich auf keinen Fall
umdrehen aus Angst, mein Gefühl könnte stimmen.
Ich beeilte mich jetzt, schnell ins Bett zu
kommen. Im Bett angekommen, zog ich mir die Decke
über den Kopf und schaute nicht mehr unter der
Bettdecke hervor. Es war einfach alles so
verrückt, was da passierte. Mir war auch
aufgefallen, daß ich ständig über meine eigenen
Beine stolperte und mich dabei verletzte. Jeden
Tag passierte mir ein kleiner Unfall. Dabei trug
ich immer eine kleine Verletzung davon. Einmal
brach ich mir sogar zwei kleine Zehen. Ich glaube
sogar, ich war irgendwie angeschubst worden.
Eigentlich war ich nicht unachtsam. Meine
Gesundheit war nicht die beste. Aus einer
Erkältung entwickelte sich eine akute Bronchitis.
Drei Wochen nahm ich verschiedene Antibiotika.
Doch das Einzige, das ich erreichte, war, daß es
nicht schlimmer wurde.
Ein nächstes Treffen mit dem Weihbischof und einem
zweiten Priester
Warum
ging alles nur noch schief und warum wurde ich so
geplagt? Warum ließ Gott es zu, dass sich der
Teufel an mir versuchte? Ich war doch ein Kind
Gottes. Ich war doch kein schlechter Mensch. Warum
bloß? Das ging mir immer wieder durch meinen Kopf.
Der einzige, der mir jetzt noch helfen konnte, war
der Weihbischof. Und der schrieb mir auch bald
eine Mail und fragte, ob ich wieder zu ihm kommen
würde. Er hätte da jemanden, der mir helfen
könnte, einen guten älteren Priester, der sich mit
dem Bösen auskenne. Ich war da irgendwie
skeptisch. Was mochte das für ein Priester sein?
Würde er mir glauben? Andersherum dachte ich mir,
der Weihbischof sagte doch einmal, er würde sich
an niemanden wenden, der mir nicht
glauben würde. Na ja, schlimmer konnte es ja nicht
werden. Ich sagte schließlich zu, dass ich kommen
würde. Ich machte dann schnell
einen
Termin aus und rief gleich bei Stefan in Z an und
sagte ihm, daß ich kommen würde. Von ihm aus gab
es auch keinen Einwand, daß ich bei ihm
übernachtete. Am nächsten Tag setzte ich mich dann
in den Zug Richtung München und die Endstation war
dann wieder Bahnhof X. Zu Fuß ging es zum
Ordinariat des Weihbischofs. Dort angekommen,
spürte ich wieder diesen Widerstand. Ich sollte
nicht hineingehen zu diesen Priestern. Ich hatte
wieder sehr große Angst und schlecht war mir auch
wieder. Nach einer Zeit ging ich aber dann doch
zum Haus. Ich brauchte gar nicht zu klingeln, denn
der Weihbischof hatte schon auf mich gewartet. Er
bat mich höflich, dochhereinzukommen. Ängstlich
schaute ich durch die Tür in das Haus hinein und
dachte mir: «Wo ist denn dieser Priester, der
heute kommen wollte?» Ich konnte ihn nirgends
sehen. Der Weihbischof fragte mich: «Wollen wir
wieder auf die schöne Terrasse gehen?» «Ja,
gerne», war meine Antwort. Ich war sehr froh, daß
er das fragte. Denn draußen auf der Terrasse ist
es sehr viel angenehmer als in diesem Haus mit
diesen schrecklichen, christlichen Bildern. Dann
noch dieses riesige Kreuz mit Jesus, das direkt im
Eingangsbereich hing. Ich hätte es am liebsten
zerstört. Der Weihbischof holte nun Stühle und wir
setzten uns auf die Terrasse. Es dauerte auch
nicht lange, da kam dieser Priester dazu, von dem
mir der Weihbischof erzählt hatte. Er stellte sich
bei mir vor. Er setzte sich zu uns. Es war
anscheinend auch ein sehr freundlicher Mensch. Ich
hatte aber ein Gefühl von Hass auf ihn. Jedenfalls
fragte mich dann der Priester, ob ich ihm ein
bißchen erzählen würde, wie ich geplagt wurde. Ich
berichtete ihm alles. Irgendwann sagte der
Priester dann zum Weihbischof: «Sollen wir jetzt
mal mit ihr beten?» Dann beratschlagten sie sich,
in welchen Raum wir gehen könnten. Die Frage war:
«Sollten wir in die Kapelle gehen und dort beten?»
Als er das fragte, überfiel mich wieder diese
schreckliche Angst. Meine schlimmen Gedanken
überschlugen sich. Meine Gedanken waren: «Steck
Dir Deine Scheiß-Gebete in den Arsch, Du alte
Drecksau.» Diese Gedanken waren aber irgendwie
nicht meine. Ich versuchte, gegen diese Gedanken
anzukämpfen, um meine Gedanken wieder selbst zu
beherrschen. Es gelang mir dann schließlich auch.
Da war aber immer noch die Angst vor dem Gebet.
Ich sagte zu dem Priester, daß ich Angst davor
hätte zu beten. Er meinte: «Haben Sie doch keine
Angst! Vertrauen Sie auf Gott. Und außerdem sind
das nicht Sie, die Angst hat zu beten, sondern der
Böse, der in Ihnen ist, will Ihnen Angst machen
und Sie beeinflussen, damit Sie nicht mehr beten.»
Ich wollte aber diesen Teufel oder Dämon
loswerden, wenn wirklich einer in mir war. «Also
gut, einverstanden. Gehen wir beten!»
Aber
in die Kapelle wollte ich auf keinen Fall. Ich
hätte da keinen Fuß hineinsetzen können. Ich bin
dann schließlich mit den beiden Priestern ins Haus
gegangen. Meine Beine zitterten richtig, als es
dort die Treppe hoch ging. Denn ich wußte, da
waren die Räume mit diesen Ekel erregenden
christlichen Bildern. Wir sind dann in einen
anderen Raum gegangen. Dieser Raum war nicht ganz
so schlimm. Da waren nur große Bilder von
irgendwelchen Personen. Dieser Raum war auch viel
kleiner als die beiden Räume zuvor. Dort war ein
Kamin und ein kleiner Holztisch mit vier Stühlen.
Unter dem Tisch lag ein großer, altmodischer
Teppich. Der Boden war Parkett. Der ganze Raum
wirkte ziemlich düster. Wahrscheinlich dadurch,
daß dort die Wände und sogar die Decke und die
doppelten Türen aus altem Holz waren. Zusätzlich
hatte ich noch das Gefühl, als ich den Raum
betrat, daß dort mal etwas Schlimmes passiert war.
Ich sah Bilder vor meinen Augen. Bilder von einem
altertümlichen Gerichtsaal, wo man Gefangene mit
einem Strick gefesselt
hineinführte vor den Richter. Wir setzten uns alle
drei um den Tisch. Und nun sollte es losgehen,
das, wovor ich so große Angst hatte: Beten. Ich
versuchte, mit irgendwelchen anderen Themen vom
Beten abzulenken und es hinauszuzögern. Nun meinte
der Priester: «Nein, wir fangen jetzt an.
Versuchen Sie doch einfach, mitzubeten.» Nun
fingen sie auch gleich an, laut den Rosenkranz zu
beten. Ich versuchte, es still zu ertragen. Nach
einem Vaterunser kam dasselbe nochmal von vorne.
Der Rosenkranz wurde langsam unerträglich. Ich
bekam wieder so eine Angst, so einen Haß und Ekel.
Besonders schlimm war es für mich, wenn sie sagten
«geheiligt werde Dein Name», dabei fuhr mir ein
Schmerz durch den ganzen Körper. Es war, als würde
mir Strom durch den ganzen Körper gejagt. Ich habe
es zum Schluß gar nicht mehr ertragen können. Ich
sagte zu den beiden, sie sollten aufhören damit,
aber sie ignorierten es und beteten weiter. Ich
sagte dann: «Bitte hören Sie auf damit. Ich kann
es nicht mehr ertragen.» Jetzt hörten sie endlich
auf zu beten. Ich war nun froh und erleichtert.
Der Priester meinte dann zu mir: «Wir müssen
weiter beten, damit der Böse Sie verlässt.»
«Könnten Sie morgen wiederkommen? Dann versuchen
wir es nochmal.» Ich sagte «ja» dazu; es fiel mir
sehr schwer, aber ich wollte ja, dass mir geholfen
wurde. Auch der Priester war einverstanden, daß
wir drei uns am nächsten Tag für die Gebete
treffen würden. Dann sagten wir uns Auf
wiedersehen. Bin dann gleich mit dem Zug nach Z
gefahren. Von Z aus setzte ich mich in die
Straßenbahn und fuhr zu Stefan. Stefan hatte schon
auf mich gewartet und freute sich, als ich kam.
Wir tranken dann ein Glas Wein und Stefan
erkundigte sich, wie es beim Weihbischof war. Ich
erzählte
ihm
alles und sagte ihm auch, daß ich am nächsten Tag
wieder einen Termin haben würde und wieder nach X
müsste. Für Stefan war das alles kein Problem. Er
meinte, daß ich bei ihm bleiben könnte, so lange
ich wollte. Wir hatten noch einen schönen Abend.
Er spielte wieder auf seinem Klavier und ich
lauschte, wie wunderbar Stefan auf seinem Klavier
spielen konnte. Ich dachte mir dabei, daß Stefan
großes Talent hatte. Er sollte mehr daraus machen.
Irgendwann sind wir dann ins Bett gegangen. Meine
Nacht war nicht so gut. Ich bin wieder mehrmals
aus dem Bett geworfen worden. Der Böse plagte mich
wieder sehr.
Kleiner Exorzismus
Teufel und Dämonen zeigten sich
Am
nächsten Tag mußte Stefan zur Arbeit. Ich fing an,
Stefans Wohnung zu putzen und auch ein wenig
Ordnung zu schaffen. Stefan ist, was den Haushalt
betrifft, ein wenig unbeholfen, ein Junggeselle
halt. Ich konnte mich mit dem Putzen gut ablenken
von meiner Angst. Ich hatte am Nachmittag wieder
einen Termin bei den beiden Priestern. Sie wollten
wieder mit mir beten. Die Zeit verging schnell.
Jetzt mußte ich auch schon los zu meinem Termin.
Ich setzte mich in den Zug nach X. Dort
angekommen, hatte ich nicht mehr viel Zeit. Als
ich ankam, empfingen mich der Weihbischof und der
Priester gleich an der Tür. Sie begrüßten mich
freundlich und fragten, wie es mir ginge. Wir
stiegen gleich die Treppe hinauf in den selben
kleinen Raum wie beim letzten Mal. Wir setzten uns
um den kleinen Tisch und plauderten nett
miteinander. Ich erzählte ihnen auch ein wenig von
mir, von meinem Freund und von meiner Familie; daß
ich einen älteren Bruder habe, der nicht hören und
sprechen kann. Ich erzählte auch von meiner
jüngeren Schwester und Freundinnen. Natürlich
erzählte ich auch von Stefan. Wir sprachen auch
über meine Arbeit beim TV. Wir redeten auch
darüber, daß ich sehr gerne singe und bald wieder
einen Gesangsauftritt im TV hätte. Ich hatte aber
das Problem, daß ich wahrscheinlich nicht
auftreten könnte, da ich eine Kehlkopfentzündung
hatte. Wir redeten sehr viel. Für mich war es ein
beruhigendes Gefühl. Dadurch hatte sich das Beten
noch ein wenig verzögert. Irgendwann sagte der
Priester: «Jetzt sollten wir aber wirklich beten.»
Ich fragte: «Kann ich nicht vorher noch eine
Zigarette rauchen dort am Fenster?» Das Rauchen
würde meine Angst ein bißchen beruhigen. «Ja gut»,
meinte er. «Aber dann fangen wir wirklich an.» Für
mich war das Rauchen auch damit verbunden, ein
bisschen Zeit zu schinden. Aber dann ging es
wirklich los. Die beiden holten ihre Gebetbücher
aus ihren Aktentaschen. Oh, ich hatte solche
Angst. Dann fingen sie an: «Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.» Ich konnte das nicht
sehr lange ertragen. Da forderte ich sie schon
auf, damit aufzuhören. Da meinte der Priester zum
Weihbischof: «Nein, wir müssen weitermachen.» Er
hätte
das Buch von Pater Amorth, einem Exorzisten aus
Italien, gelesen, und da stand drin, daß eine vom
Teufel besessene Person nicht beten will. Doch es
sei eigentlich der Teufel, der das nicht will.
Darum sollten sie jetzt weiter beten. Wieder ging
es los: «Vater unser im Himmel, geheiligt werde
Dein Name, Dein Reich komme.» Es wurde immer
schlimmer für mich, das zu ertragen. Wieder
forderte ich sie auf, sofort aufzuhören. Sie
ignorierten mein Fordern. «Gegrüßt seist Du
Maria», so ging es immer weiter. Es war schlimm.
Ich hatte das Gefühl, mein ganzer Körper würde
zusammengedrückt wie in einer Auto presse. Es
schmerzte so. Mir war auch, als würde mir die Luft
abgedrückt werden. Ich hätte sie töten können,
damit sie endlich schwiegen. Dann war es auf
einmal sehr merkwürdig. Ich lag auf einmal völlig
entkräftet auf dem Boden. Wie kam ich da hin? Vom
Stuhl
auf den Fußboden? Ich fragte die beiden. Da meinte
der Priester: «Haben Sie denn gar nichts
mitbekommen?» «Nein, was denn, was ist passiert?»
Ich war sehr verwundert. Da sagte der Weihbischof:
«Als wir gebetet haben, haben Sie sich verändert.
Sie hatten auf einmal eine andere Stimme, eine
dunkle Stimme, und Sie brüllten sehr laut. Als wir
mit den Weihwasser kamen, brüllten Sie ‹hau ab mit
dem Dreckszeug› und Sie flüchteten vor dem Kreuz
und beschimpften uns sehr böse.» Als ich das
hörte, konnte ich es nicht glauben. Ich habe mich
so geschämt, als ich hörte, was ich da gesagt
haben sollte. Es war außerdem für mich sehr
beängstigend, daß ich nichts mitbekam von dem, was
ich tat. Der Priester meinte: «Sie müssen sich
nicht schämen, das waren nicht Sie, sondern ein
Dämon oder Teufel. Wir wissen es noch nicht. Denn
der benutzte Ihre Stimme und Ihren Körper.» Ich
dachte: «Oh je, was wird der Böse noch alles mit
mir anstellen?» Er hatte mich ja vor den Priestern
so blamiert. Ich fragte die Priester: «Meinen Sie
nicht, ich bin vielleicht doch verrückt? Werde ich
noch im Irrenhaus landen?» «Nein, Sie sind nicht
verrückt und werden auch nicht im Irrenhaus
landen. Vertrauen Sie doch auf Gott. Das Böse muß
und wird Sie mit Gottes Hilfe verlassen. Wir
werden unser Bestes dazu beitragen. Aber Sie
müssen natürlich auch mitarbeiten. Können Sie
morgen und die weiteren Tage wiederkommen? Wir
werden dann weitere Segnungen und Gebete mit Ihnen
vornehmen.» -«Ja, ich werde kommen, ich möchte ja
auch, daß der Böse mich verläßt.»
Am nächsten Tag kam zu einem Exorzismus noch ein
Vikar dazu
Ich
schlief dann eine weitere Nacht bei Stefan und war
am nächsten Tag wieder pünktlich bei dem
Weihbischof, der mich auch gleich an der Tür
empfing. Bei ihm standen der Priester von den
letzten Malen und dann stand noch einer da, den
ich nicht kannte. Der Weihbischof stellte ihn mir
vor. «Das ist unser Vikar. Er würde heute auch
gerne dabei sein und helfen.» Ich war erst sehr
verunsichert und fragte: «Wird der mir denn
glauben? Was wird er denken, wenn ich bei den
Segnungen wieder nicht mehr ich selber bin,
brülle, oder wer weiß, was ich sonst noch mache?
Es wäre mir sehr peinlich.» Da sagte dieser Vikar.
«Nein, Sie brauchen sich nicht schämen und es muß
ihnen nicht peinlich sein. Ich kann damit sehr gut
umgehen, was da mit Ihnen passieren könnte. Der
Priester hat mir alles erzählt.» Es war mir ein
wenig unangenehm, daß der Vikar bei den Segnungen
dabei sein würde. Aber ich wollte nicht
unfreundlich sein und war schließlich damit
einverstanden, dass er mit dabei war. Wir sind
dann alle vier die Treppe hoch gestiegen in den
Raum vom letzten Mal. Wir setzten uns um den
Tisch. Um mir wieder die Angst vor den Gebeten zu
nehmen, sprachen wir erst lange miteinander. Wir
sprachen über lustige Dinge und schmunzelten ein
wenig. Wir sprachen auch über meine
hellseherischen Fähigkeiten, die ich als Kind
schon hatte und die sich in letzter Zeit
verstärkten. Meine Fähigkeiten äußerten sich oft
in Bildern. Damit ist gemeint: Ich schaue z.B.
eine Person intensiv an und dann erscheinen auf
einmal Bilder in meinen Kopf, Bilder von der
Vergangenheit oder Zukunft der Person. Die andere
Fähigkeit: Ich betrete manchmal Räume oder Zimmer,
und wenn da etwas nicht stimmte, z.B. wenn jemand
nicht eines natürlichen Todes gestorben ist, spüre
ich das sofort. Der Weihbischof meinte dann:
«Können Sie bei uns auch irgendetwas spüren oder
sehen?» «Ja, das kann ich, aber ich möchte mich
jetzt
nicht
darauf konzentrieren, denn sonst kommen Bilder in
meinen Kopf und verschwinden nicht mehr.»
«Schade», meinte der Priester. «Für uns wäre es ja
schon sehr interessant gewesen. Na gut, jetzt
wollen wir anfangen mit den Gebeten und
Segnungen.» Kaum hatte er das gesagt, fuhr mir
diese schlimme Angst vor dem Beten wieder durch
den Körper. Ich wollte davon ablenken und fragte,
ob ich vorher noch eine Zigarette rauchen könnte.
Sie waren damit einverstanden und ich tat es auch.
Dann ging es wirklich los. Die Priester öffneten
ihre Aktentaschen und ich entdeckte, daß sie
kleine
Fläschchen in ihren Taschen hatten. Ich spürte
sogleich einen Ekel vor dem Inhalt dieser
Flaschen. Ich dachte mir: «Bleibt mir bloß vom
Leib damit.» Dann holten sie auch noch ihre
Stollen heraus. Das war so widerlich für mich. Mir
ist richtig schlecht geworden. Ich konnte es gar
nicht ertragen. Als die Priester es bemerkten,
packten sie die Stollen gleich wieder weg. Auch
das fürchterliche Kreuz mußten sie aus dem Raum
entfernen. Nun zündeten sie eine Kerze an. Ich
dachte mir: «Wozu das?» Dann fingen alle drei an,
laut das Vaterunser zu beten und das immer wieder
von vorne. Oh, habe ich die Priester in diesem
Moment gehaßt. Ich spürte, wie der Dämon meinen
ganzen Körper zusammendrückte.
Mir
kamen die Gedanken: «Sag Deinen Scheiß-Priestern,
sie sollen schweigen. Sofort aufhören damit, sonst
werde ich Dich Miststück noch viel mehr quälen.»
Aus lauter Angst schrie ich die Priester an:
«Hören Sie auf zu beten, sofort!» Das Gebet ging
weiter und weiter. Dann weiß ich nichts mehr, weiß
nur, daß ich auf einmal am Boden in einer Ecke
lag. Völlig geschwächt und durchnäßt, durchnäßt
vom Weihwasser, sagten die Priester. Mir war, als
wenn ich aus einem Tiefschlaf erwachte. Die
Priester saßen auf ihren Stühlen und schauten zu
mir hinüber. «Wie geht es Ihnen?», hörte ich sie
von Weitem fragen. «Na ja, eigentlich geht es mir
gut, ich bin nur etwas geschwächt. Aber warum
liege ich schon wieder am Boden? Was hat der Dämon
jetzt schon wieder mit mir gemacht? Etwas, was mir
wieder peinlich ist?» Der Priester antwortete:
«Ihre Stimme hatte sich wieder sehr
verändert und Sie haben wieder sehr laut gebrüllt.
Ihr Gesicht war dabei sehr verändert, verzogen zu
einer Grimasse. Aber das waren wieder nicht mehr
Sie selber. Wir denken, daß es der Teufel ist, der
Sie benutzt. Er hat geschrien, er sei Luzifer.
Einige Male bestritt er dann wieder, daß er
Luzifer sei. Der Teufel ist halt ein großer
Lügner. Wir werden schon herausfinden, wer es ist,
der in Ihnen steckt. Auf jeden Fall hat der Böse
große Angst vor dem Kreuz und dem Weihwasser. Denn
wenn wir damit kamen, hat er fürchterlich
gebrüllt. Für uns ist das alles eine sehr
interessante Erfahrung. Wir lernen daraus und
erkennen, wie stark Gott doch sein muß, wenn der
Böse sich so gegen das Kreuz und Weihwasser wehrt.
Wie ist es
denn,
fühlen Sie sich schon etwas befreiter?» «Ja, ich
fühle mich im Moment wie neu geboren, wie wenn der
Böse nicht mehr in mir wäre.» «Könnten Sie denn
jetzt das Wort ‹heilig› sagen? Oder ‹Jesus
Christus›?» «Ich weiß nicht.» «Versuchen Sie es
doch mal.» Ich versuchte es, aber es kam nur ein
Stottern über meine Lippen. Mir war, als würde mir
der Mund dabei zugedrückt. Da sagte der Priester:
«Sehen Sie, Sie sind noch nicht ganz befreit.» Der
Priester meinte: «Der Böse, der in Ihnen ist, ist
sehr hartnäckig und kann sich auch gut
verstecken.» Ungeduldig fragte ich, wie lange es
noch dauern würde, bis der Böse endlich ginge.
«Das kann ich nicht sagen. Ich habe schon von
Fällen gehört, wo es Monate gedauert hat. Das kann
natürlich bei Ihnen anders sein.» Dann fragte der
Weihbischof: «Wäre es Ihnen möglich, dass Sie
jetzt über die Osterfeiertage noch in X bleiben?
Es wäre ganz gut, denn gerade an diesen
Osterfeiertagen würde das Beten mit Jesus Christus
noch mehr Wirkung haben. Vielleicht können Sie
dann ganz befreit werden.» Ich überlegte nicht
lange und sicherte zu, daß ich bleiben würde. Denn
immerhin hatten die Gebete jetzt schon eine große
Wirkung gezeigt. Wir haben dann Termine
abgesprochen. Erst einmal für drei Tage, jeden Tag
zu verschiedenen Uhrzeiten. Ich fragte den
Priester noch:
«Warum
machen Sie denn eigentlich keinen Exorzismus? Sie
sagten doch mal, daßs Exorzismus gut wirkt bei
einer Besessenheit.» Erstaunt antwortete der
Priester: «Was meinen Sie denn, was wir hier die
ganze Zeit machen? Heute haben wir doch einen
Exorzismus über Sie gesprochen, Segnungen und
Gebete.» «Ach so, das wußte ich nicht. Ich habe ja
davon keine Ahnung.» Nun verabschiedeten wir uns
bis zum nächsten Tag.
Viele Exorzismen an Osterfeiertagen Der
Teufel ist geschwächt
Auch
die nächsten Tage vergingen. Jeden Tag ein
Exorzismus. Es war sehr anstrengend für mich. Oft
trug ich blaue Flecken davon, immer nach einem
Exorzismus. Meine Frage an den Priester war: «Was
ist passiert? Woher die blauen Flecken?» -«Es ist
so, wenn wir die Gebete über Sie sprechen und mit
dem Kreuz kommen, flüchtet der Teufel vom Stuhl
auf den Boden und drückt Sie an die Wand. Oft
schlagen Sie auch mit dem Kopf dagegen. Sie
machten auch merkwürdige körperliche Verrenkungen.
Davon haben Sie Ihre blauen Flecken bekommen. Ich
denke, wir müßten Sie bei den nächsten Segnungen
besser schützen. Nicht daß Sie sich noch
verletzen.» Ich bekam langsam große Angst. «Was
würde der Teufel oder Dämon noch mit mir
anstellen?», war mein Gedanke. Und meine Frage an
die Priester war: «Könnte der Teufel mich auch
töten? Mich umbringen?» «Nein, der Teufel kann Sie
nicht töten. Er kann Ihnen Angst machen, Sie
verletzen und sogar quälen. Aber er kann Sie nicht
töten.» Die Antwort hat mich ein bißchen beruhigt,
obwohl ich doch noch ein wenig misstrauisch war.
Mein anderes Problem war, daß ich die ganze Zeit
mit einer Bronchitis zu kämpfen hatte. Ich bekam
bei jeder Anstrengung Fieber. Das Schlimmste war
für mich, daß ich sehr schlecht Luft bekam. Ich
litt unter einer leichten Atemnot. Ich
hatte
jetzt jedes mal Angst, ich könnte bei einem
Exorzismus ersticken und würde es nicht einmal
merken. Die Priester beruhigten mich. «Sie
bekommen schon noch genügend Luft. Wir werden
schon aufpassen, daß Ihnen nichts passiert.» Ich
vertraute den drei Priestern. Sie waren wirklich
sehr nett, und sie halfen mir sehr viel. Jeden Tag
nahmen Sie sich Zeit für mich, obwohl sie viel
andere Arbeit zu erledigen hatten. Fast jeden Tag
bemühten sie sich, den Teufel aus mir
herauszutreiben. Ich hatte oft ein schlechtes
Gewissen, weil ich sah, wie sie kämpften, und das
fast jeden Tag. Doch der Teufel wollte einfach
nicht aus mir heraus. Das kostete so viel Zeit,
Zeit, die sie eigentlich nicht hatten. Ich hatte
langsam Schuldgefühle
und
dachte: «Warum will der Böse nicht endlich aus mir
herausgehen? Es ist doch Ostern und Christi
Himmelfahrt. An diesen Tagen wirkt Jesus Christus
doch sehr stark. Irgendetwas muß ich doch falsch
machen.» Ich entschuldigte mich bei den Priestern
mit den Worten, daß es mir Leid tue, daß der
Teufel nicht ging. Ich fragte sogar, ob sie jetzt
aufgeben und mir nicht mehr helfen würden, weil
sie vielleicht dachten, es sei hoffnungslos. Der
Weihbischof meinte dazu: «Nein, wir geben Sie
nicht auf, wir helfen Ihnen sehr gerne und wir
hatten ja auch schon einmal darüber gesprochen,
daß so eine Besessenheit in manchen Fällen auch
länger dauern kann, sogar Monate.» Der Vikar
meinte: «Es hat sich schon eine Wirkung gezeigt.
Sie sind schon ein wenig befreiter und fühlen sich
besser, oder?» «Ja, das stimmt. Ich fühle mich
schon viel besser.» «Sie können sogar schon
‹Jesus› und ‹Gott› sagen, Sie können die Hände zum
Gebet falten. Das ging vorher alles nicht. Der
Teufel ist durch die Segnungen schon geschwächt
und es wird nicht mehr lange dauern, bis er Sie
verläßt. Der Teufel sagte auch schon mal so etwas
wie ‹ich werde gehen in drei Monaten›. Ein anderes
Mal brüllte er wieder, er gehe nicht. Der Teufel
sagte auch mal, Sie seien eine Hure. Haben Sie
vielleicht etwas zu beichten? Eine Beichte wäre
sehr
wichtig für Sie. Die Beichte ist nämlich sehr
wirkungsvoll gegen den Teufel.» «Ja, ich habe
schon ein paar Dinge zu beichten.» «Dann sollten
Sie es so schnell wie möglich tun.» Dann fragte
mich der Priester, ob ich für ein paar Tage nach
Hause fahren möchte, um eine kleine Pause zu
machen. «Ja, ich würde gerne mal nach Hause
fahren. Ich glaube, ich könnte mal eine Pause
gebrauchen. Denn ich habe von den Segnungen solche
Halsschmerzen und bin so kaputt.» Der Priester
meinte: «Die Halsschmerzen kommen vom Brüllen.
Denn der Teufel hat Ihre Stimme sehr missbraucht.
Okay, dann fahren Sie nach Hause. Doch wenn Sie
wieder geplagt werden, geben Sie uns bitte
Bescheid. Sie können uns ab und zu eine Mail
schreiben, um uns zu informieren, wie es Ihnen
geht. Einer von uns kann Sie jetzt zum Bahnhof in
X bringen.» Wir verabschiedeten uns und dann
brachte mich der Weihbischof zum Bahnhof. Nun
mußte ich erst einmal nach Z zu Stefan fahren,
denn meine Sachen waren noch bei ihm. Und so spät
konnte ich ja auch nicht mehr mit dem Zug nach
München fahren. Ich würde noch eine Nacht bei
Stefan schlafen und am Morgen heimfahren.
Zu Hause ging es mir wieder schlechter
Zu
Hause ging es mir eine Zeit lang sehr gut. Ich
wurde von dem Bösen nicht mehr so stark gequält.
Ich konnte sogar im Bett schlafen, ohne daß ich
hinaus geschmissen wurde. Jetzt konnte ich wieder
meine eigenen Gedanken zusammenhalten, ohne daß
ich von fremden Gedanken beeinflußt wurde. Sogar
meine Lähmungsanfälle wurden seltener. Mein Freund
Wolfgang freute sich sehr darüber, daß es mir
besser ging. Er war auch sehr stolz auf mich, daß
ich so stark und mutig war. Wolfgang fragte mich:
«Ist der Teufel denn jetzt ganz fort, raus aus
Dir?» «Nein, er ist leider noch nicht ganz weg. Er
ist durch die ganzen Segnungen nur etwas schwächer
geworden.» «Aber warum bist Du denn schon nach
Hause gekommen, wenn der
Teufel
noch da ist? Ich finde es nicht so gut.» «Ja, Du
bist gut, weißt Du wie anstrengend das alles ist?
Der Teufel hat immer so gebrüllt, daß ich jetzt
eine Kehlkopfentzündung habe, starke Halsschmerzen
und dazu noch eine Bronchitis. Ich bin zu
geschwächt, um mit den Segnungen weiterzumachen.
Ich mußte einfach eine Pause machen.» «Und wie ist
es mit dem Beten? Kann ich denn jetzt meine Bibel
wieder liegen lassen? Muß ich sie nicht mehr weg
legen?» -«Ja, Deine Bibel kannst Du gerne liegen
lassen. Es stört mich nicht mehr so und das Beten,
na ja, ich weiß nicht so recht. Ich glaube, das
laß ich lieber noch.» Wolfgang zeigte dafür
Verständnis. Die nächsten Tage verliefen ruhig.
Ich traf mich auch öfter mit meiner Nachbarin
Johanna zu einem Kaffee. Auch sie wollte wissen,
wie es mir ging und wie es denn bei den Priestern
in X gewesen war. Wir sprachen über alles, was ich
dort erlebt hatte. Sie war ganz erstaunt über das,
was ich erzählte. Sie kannte das alles wohl nur
aus dem Film. Aber daß sich so etwas auch in
Wirklichkeit ereignen würde, hätte sie nie
gedacht. Ich habe dann noch zu Johanna gesagt, sie
solle das aber bitte alles für sich behalten. Denn
wenn andere Leute das hören, würden sie es nicht
glauben und mich vielleicht für verrückt halten.
Eigentlich hatte ich zu Johanna viel Vertrauen.
Johanna war auch sehr froh, daß es mir besser
ging. Sie fragte mich einmal, ob ich mit ihr beten
möchte. Genau in dem Augenblick, als sie das
sagte, hatte ich wieder eine schlimme Angst und
ein richtiges Haßgefühl. Aus diesem Gefühl heraus
schrie ich sie an: «Laß mich doch mit Deinen
Scheiß-Gebeten in Ruhe!» Johanna war darüber sehr
erschrocken. Es tat mir sehr Leid. Ich wollte das
gar nicht. Es war mir sehr peinlich. Aber Johanna
zeigte Verständnis dafür. Mir war das Ganze so
unangenehm, dass ich mich schnell bei Johanna
verabschiedete. Die nächsten Wochen verliefen mit
ähnlichen peinlichen Vorfällen. Zum Beispiel im
Zug kam eine Nonne zu mir und fragte, ob denn bei
mir noch ein Platz frei wäre. Ich musterte sie
von
oben bis unten. Da fiel mein erster Blick gleich
auf das Ekel erregende Kreuz, das sie um den Hals
trug. Ich bekam in diesem Augenblick wieder einen
Haß und eine Wut, daß ich zu ihr sagte: «Steck Dir
Dein Kreuz in den Arsch und hau ab von mir.» Ich
glaube, das, was ich da sagte, bekamen wohl ein
paar Leute im Zug mit. Die Nonne war sehr
verwundert, warum ich sie so obszön beschimpfte,
und fragte, was mit mir los sei. Ich sagte nur
noch zu ihr, sie solle endlich abhauen. Das hat
sie Gott sei Dank auch gemacht. Ich glaube, wenn
sie noch länger in meiner Nähe geblieben wäre,
hätte ich ihr das Kreuz vom Hals gerissen.
Langsam wurde alles wieder schlimmer. Ich bekam
wieder diese nächtlichen Anfälle. Ich wurde wieder
regelmäßig aus meinem Bett geworfen. Oft erwachte
ich auch aus dem Schlaf durch ein Klopfen im
Schrank. Dieses Klopfen kam auf jeden Fall aus dem
Schrank. Das Schlimme daran war, daß im Schrank
nichts war, was klopfen könnte. Auch mein Freund
hörte es regelmäßig und versuchte vergebens, die
Ursache dafür zu finden. Mein Freund sagte
irgendwann zu mir: «Jetzt reicht es mir aber. Du
mußt endlich wieder zu diesen Priestern nach X
fahren. Dir geht es wieder so schlecht wie zuvor.
Der Teufel muß jetzt endlich ganz raus aus Dir.
Fahre dorthin und setze dem Teufel ein Ende.» «Ja,
Du hast Recht. Ich werde morgen den Priestern eine
Mail schreiben mit der Frage, wann ich kommen
könnte, zwecks Terminen.»
Die Rede davon, in einem Kloster zu nächtigen
Am
nächsten Tag schrieb ich einem von den Priestern
in X eine Mail, in der ich mitteilte, dass es mir
sehr schlecht ging und mich der Böse wieder sehr
plagte. Dann schrieb ich noch, dass es für mich
ein großes Problem war, weiterhin bei Stefan zu
schlafen. Weil Stefan immer, wenn ich Angst habe,
bei mir mit im Bett schlief. Ich hatte einfach
kein gutes Gewissen dabei, wenn ich daran dachte,
daß ich zu hause einen Freund hatte. Und ein
weiteres Problem war, daß Stefan für drei Wochen
in den Urlaub fuhr. Wenn ich dann nach Z käme,
müßte ich ganz alleine in Stefans Wohnung
schlafen. Das ginge nicht, da hätte ich zu große
Angst, dem Bösen völlig ausgeliefert zu sein. Es
war ein schrecklicher Gedanke, daß keiner da
war,
der mir helfen konnte. «Was soll ich jetzt machen?
Ich möchte gerne wieder zu Ihnen nach X kommen und
möchte, daß Sie mir wieder helfen, denn ich werde
wieder sehr geplagt. Aber wo soll ich schlafen?»
Es dauerte nicht sehr lange, da bekam ich eine
Mail von dem Weihbischof, in der er mir schrieb,
daß er für mich eine gute Unterkunft hätte, wo ich
nicht so alleine wäre mit meiner Angst. Er machte
mir den Vorschlag eines Klosters in X. Dieses
Kloster kannte er sehr gut. Er hatte dort mit den
Klosterschwestern gesprochen über mein Problem.
Sie waren damit einverstanden, dass ich ein paar
Tage zu ihnen komme. Der Weihbischof meinte auch:
«So wäre der Weg nicht so weit, um zu uns zu den
Segnungen zu kommen.»
Zu
seinem Vorschlag von diesem Kloster dachte ich:
«Oh je, ich in einem Kloster! Da sind doch lauter
christliche Dinge, die ich vielleicht gar nicht
ertragen werde, und außerdem: Würden diese
Schwestern es verstehen, daß ich diese
christlichen Dinge nicht ertrage?» Ich habe den
Priester nach seiner Mail angerufen und ihm meine
Bedenken mitgeteilt. Er meinte: «Seien Sie
unbesorgt, dort im Kloster sind ganz liebe
Schwestern, die Sie verstehen und großes
Verständnis für Ihr Problem haben. Ich werde auch
mit den Schwestern reden, dass sie die
christlichen Zeichen, so weit es
möglich ist, aus Ihrer Sicht entfernen.» Nachdem
er das gesagt hatte, war ich etwas beruhigt und
willigte in den Vorschlag mit dem Kloster ein.
Dann teilte er mir ein paar Termine für die
Segnungen mit. Er schrieb mir auch noch, ich solle
mit meinem Reisegepäck direkt in sein Haus kommen.
«Wir würden da eine Segnung mit Ihnen machen. Und
dann würde ich Sie mit dem Auto ins Kloster
fahren.» Ein paar Tage nach seinem Vorschlag ging
es wieder auf die Reise.
Die Ankunft im Kloster bei den Schwestern
Nun
machte ich mich wieder auf den weiten Weg von
München nach X. Die lange Reise endete wieder im
Haus des Priesters in X. Dort angekommen,
erwarteten mich auch gleich wieder der Weihbischof
und seine beiden Kollegen. Sie begrüßten mich
freundlich und dann ging es auch gleich wieder die
Treppe hoch in den Raum, wo wir immer waren. Dort
haben wir wieder lange gesprochen, auch darüber,
wie es mir zuhause erging. Dann wurden gleich
wieder ein paar Gebete über mich gesprochen.
Danach war ich wieder sehr geschwächt. Dann meinte
der Priester, dass zu der Segnung am nächsten Tag
ein Arzt mit dabei sein würde. Ich war darüber
sehr erschrocken und fragte: «Was soll das, wozu
ein Arzt? Ist das etwa ein Psychiater?» «Nein, das
ist kein Psychiater, sondern ein Internist. Wir
haben ein bisschen Angst um Ihren
Gesundheitszustand bei den Segnungen. Sie sind
danach immer so geschwächt und klagen über
Kreislaufprobleme. Wir müssen uns auch absichern,
daß da nichts passiert. Wir tragen schließlich
eine Verantwortung für Sie. Und außerdem wäre es
nicht schlecht, wenn auch ein Arzt bestätigen
könnte, daß Sie wirklich vom Teufel besessen sind
und daß es sich dabei nicht um eine Krankheit
handelt.» Ich war überhaupt nicht damit
einverstanden, daß er dabei war. Ich hatte
irgendwie Angst, daß der Arzt mich für verrückt
erklären könnte und die Priester mich dann im
Stich lassen würden. Aber der Priester versicherte
mir, daß ich davor keine Angst haben mußte, weil
er den Arzt schon lange kannte und wusste, dass er
auch ein sehr gläubiger Mensch war. Nun mußte ich
wohl auch das über mich ergehen lassen. Wir
verabschiedeten uns bis zum nächsten Tag. Ich nahm
dann gleich mein Reisegepäck und fuhr mit dem
Priester ins Kloster. Ich habe mir auf der Fahrt
zum Kloster Gedanken gemacht, was mich wohl im
Kloster erwarten würde. Ich hatte ein richtig
mulmiges Gefühl im Bauch. Ich war aber auch ein
wenig neugierig, wie es wohl in einem Kloster sein
würde. Dort angekommen, sah ich schon die großen
Mauern des Klosters und dort öffnete sich auch
schon eine Tür. Aus der kam ein Mann. Ich fragte
den Priester: «Wer ist das?» «Das ist ein Priester
und er gehört zu dem Kloster.» Als wir mit dem
Auto vor dem Kloster hielten, kam dieser Priester
auch gleich zum Auto. Als wir aus dem Auto
stiegen, begrüßte er mich freundlich. Er half uns,
das
Gepäck aus dem Auto zu holen. Dann sind wir
zusammen ins Kloster hineingegangen. Da standen
sieben Schwestern und ich war sehr überrascht. Mir
war das alles sehr fremd und irgendwie sehr
unangenehm. Sie waren so freundlich zu mir, dass
ich mich bald wohl fühlte. Sie führten mich zu
meinem Zimmer, in dem ich schlafen sollte. Als ich
in dem Zimmer ankam, schaute ich mich erst einmal
um. Es war ein kleines Zimmer mit einem Bett,
einem
Schreibtisch und einem Waschbecken. Eigentlich ein
sehr schönes, gemütliches Zimmer. Es gab da aber
etwas, was mich in diesem Zimmer sehr störte und
mir gleich wieder Angst machte. Es war das
Holzkreuz an der Wand. Meine Gedanken waren: «Das
Kreuz an der Wand muß sofort verschwinden.» Aber
ich schämte mich sehr, das zu dem Pater zu sagen.
Leise flüsterte ich zu dem Priester, mit dem ich
gekommen war: «Das Kreuz muß weg.» Er sagte das
gleich diesem Pater und der Schwester, die mit uns
war. Darauf nahm die Schwester das Kreuz aus dem
Zimmer. Mir war das so peinlich, daß sie das tun
mußte. Dort im Kloster sind nun mal alle Christen.
Was mögen sie fühlen, wenn sie jetzt auf einmal
christliche Dinge entfernen müssen? Wir sind dann
zusammen hinaus ins Nebenhaus gegangen. Dort
warteten schon die anderen Schwestern. Sie standen
alle um einen großen Tisch, der schon gedeckt war
mit lecker riechendem Essen. Sie boten mir und dem
Priester einen Platz an und etwas zu trinken. Ich
war auch sehr froh, daß mich der Priester nicht
gleich alleine ließ mit dem Pater und den
Schwestern. Nun sprachen wir alle zusammen ein
bißchen über mich. Der Pater war ein sehr
lustiger, netter Mensch. Er fing an, Witze zu
erzählen. Er verstand es, mich aufzuheitern. Nun
mußte der Priester nach Hause fahren. Er sagte
mir: «Auf Wiedersehen, bis morgen. Wir werden Sie
morgen zu den Segnungen abholen. Ich wünsche Ihnen
eine gute Nacht.» Dann war er auch schon weg. Ich
war nun alleine mit dem Pater und den Schwestern.
Jetzt fragte mich der Pater, ob ich Lust hätte,
eine wenig draußen mit ihm im Garten spazieren zu
gehen. Ja, warum nicht. Wir sind ein wenig hin-und
her gegangen. Ich muß sagen, es war wirklich ein
schöner Garten. Überall die schönen Blumen und
grünen Wiesen und Obstbäume. Man konnte fast
denken, man wäre in einem Paradies. Draußen
regnete es leicht. Der Pater meinte: «Ist es nicht
schön hier? Auch der Regen gefällt mir.» Wir
sprachen beim Gehen über mein Problem. Ich muß
sagen, ich hatte das Gefühl, daß er
nicht
so an das Ganze glaubte. Er sagte: «Nur Du kannst
das Böse besiegen. Das Böse sind Deine Gedanken.
Du mußt einfach nur positiv denken. Es liegt an
Dir selber.» Dann meinte er: «Komm, wir gehen auf
Dein Zimmer, es regnet jetzt zu stark.» Im Zimmer
angekommen, meinte der Pater auf einmal: «Laß uns
zusammen beten.» «Nein, ich bete nicht,
Scheiß-Beten», sagte ich wütend zu ihm. Es ist mir
einfach so raus gerutscht. Ich wollte das gar
nicht sagen. Der Pater war darüber sehr sauer und
meinte, so etwas wolle er nie wieder hören. Ich
verstand nicht, warum er so sauer reagierte. Er
wußte doch, daß das Beten ein Problem für mich
darstellte, denn darum bin ich ja ins Kloster
gekommen. Er war sehr hartnäckig und
wollte
unbedingt, daß wir noch beteten. Aber ich
verweigerte es. Dann fragte er, ob ich für ihn
beten würde, denn auch er brauche meine Gebete.
Ich war damit einverstanden, für ihn zu beten,
aber nur alleine und ohne, dass ich dabei
christliche Worte aussprechen würde. Er gab sich
dann damit zufrieden. Dann verabschiedete er sich
mit den Worten: «Was Du brauchst, ist ein wenig
Ruhe, und die findest Du hier im Kloster. Du
brauchst hier keine Angst zu haben. Das ganze
Kloster ist gesegnet. Der Böse kann Dir hier
nichts anhaben.» So verließ er das Kloster. Er
schien nicht mit den Schwestern da zu wohnen. Ich
war ganz froh darüber, daß er erst einmal ging. So
würde er mich nicht mehr mit dem Beten belästigen.
Als der Pater weg war, kamen die Schwestern und
fragten, ob ich müde sei. Ja ich war sehr müde und
wollte gerne schlafen gehen. Denn der ganze Tag
und die neuen Eindrücke waren sehr anstrengend für
mich gewesen. Ich wußte aber, daß die Schwestern
im großen Nebenhaus schlafen würden. Somit würde
ich wohl ganz alleine in dem kleinen Haus
schlafen. In diesem kleinen Haus waren noch drei
Zimmer mit Betten. Darum fragte ich ganz
schüchtern mit etwas Charme, ob nicht eine
Schwester mit mir in dem kleinen Haus schlafen
würde. Alleine hätte ich große Angst. Eine von den
Schwestern erklärte sich bereit, bei mir zu
schlafen. Ich war sehr froh darüber. Sie waren
wirklich sehr nett, diese Schwestern. Sie
wünschten mir alle eine Gute Nacht und gingen auch
schlafen. Nur die eine Schwester blieb bei mir.
Die erste Nacht im Kloster verlief sehr ruhig und
ich wurde vom Bösen nicht belästigt.
Ein Exorzismus in Begleitung eines Arztes
Am
nächsten Morgen erwachte ich im Kloster schon sehr
früh. Ich zog mich gleich an und ging in das
Nebenhaus zu den Schwestern. Als ich durch die Tür
kam, standen da schon die Schwestern um den Tisch
herum. Sie warteten schon mit dem Frühstück auf
mich. Aber die Schwestern setzten sich noch nicht
hin, sie standen alle hinter Ihrem Stuhl und
falteten die Hände. Nun fingen sie an, ein
Tischgebet zu sprechen. Für mich war das wieder
sehr schlimm zu ertragen. Aber ich ließ mir nichts
anmerken. Was sollte ich auch tun -den Schwestern
sagen, sie sollten damit aufhören? Nach dem
Tischgebet wünschten sie sich einen guten Morgen
und setzten sich. Dann fragten die Schwestern, wie
ich geschlafen hätte und wie es mir ginge. Sie
waren sehr freundlich und hilfsbereit. Nicht
einmal das Wasser für den Kaffee habe ich mir
selber eingießen können, ohne daß sie mir dabei
helfen wollten. Mir war das richtig komisch, denn
ich war so eine Freundlichkeit und
Hilfsbereitschaft überhaupt nicht gewohnt. Sie
waren sehr aufmerksam. Wenn sie sahen, daß ich zum
Beispiel noch keine Butter auf meinem Brot hatte,
reichten sie mir die Butter herüber. Sie dachten
einfach an alles. Sie waren alle sehr lieb und
waren auch sehr lustig aufgelegt. Die Schwestern
waren noch sehr jung. Ich muß sagen, ich fühlte
mich bei den Schwestern sehr wohl, obwohl ich noch
nicht lange bei ihnen war. Kurz nach dem Frühstück
klingelte es an der Klostertür. Eine von den
Schwestern öffnete die Tür. Da stand auch schon
der Vikar. Er war gekommen, um mich zu den
Segnungen ins Ordinariat zu holen. Wir begrüßten
uns und fuhren dann auch gleich los. Es dauerte
nicht lange und wir kamen im Haus des Priester an.
Ich bin dann gleich mit dem Vikar die Treppe
hinaufgegangen. Beim Herauf gehen kam mir der
Gedanke, ob dieser Arzt wohl schon da wäre. Ja, er
war schon da. Als ich den Raum betrat, saßen da
schon der Weihbischof, der zweite Priester und
dieser Arzt, von dem ich mir erhofft hatte, daß er
nicht kommen würde. Ich wäre am liebsten gleich
wieder abgehauen. Der
Priester stellte mir dann den Arzt vor und wir
setzten uns. Dann stellte mir der Arzt ein paar
Fragen. Er fragte mich auch nach meinem
Gesundheitszustand. Ich habe ihm erzählt, daß mir
oft schlecht sei, wenn ich etwas essen würde, und
ich dann oft lieber gar nichts aß. Daß ich
manchmal so viel essen würde, bis mir schlecht
wurde. Der Arzt meinte dazu: «Es ist ja nicht so
schlimm, wenn Sie mal ein paar Tage gar nichts
essen. Wichtig ist nur, daß Sie ausreichend
trinken. Am besten wäre da eine Hühnerbrühe.» Ich
habe gemerkt, daß der Arzt eigentlich sehr
freundlich war. Nach einer Zeit sagte der
Priester: «Wollen wir mit den Segnungen beginnen?»
Mit dieser Frage kam auch gleich wieder diese
Angst in mir hoch. «Ja,
wir
fangen jetzt an», meinte der Priester. Nun standen
sie auf, stellten den Tisch aus der Mitte weg und
nahmen den darunter liegenden Teppich und legten
ihn in die Ecke. Sie nahmen eine Matratze und
stellten sie hochkant in die selbe Ecke. Es sollte
wieder zu meiner Sicherheit dienen. Denn der
Teufel hatte mir schon einmal den Kopf gegen die
Wand geschlagen. Jetzt holten sie dicke, rote
Bücher aus ihren Aktentaschen. Als sie die
herausholten, bekam ich eine riesige Angst. Meine
Gedanken - oder die des Teufels - waren: «Steckt
sofort die Scheiß-Bücher wieder weg!» Ich weiß
auch nicht, ich konnte diese Bücher nicht
ertragen. Ich hatte irgendwie ein schlechtes
Gefühl bei diesen Büchern. Nun fingen sie an, das
Vaterunser zu beten; das konnte ich gerade noch
ertragen. Aber nun fingen sie an mit dem
Rosenkranz-Gebet. «Gegrüßt seist Du, Maria, voll
der Gnade, der Herr ist mit Dir, heilige Maria,
Mutter Gottes», nun war es vorbei. Ich bin vom
Teufel so entsetzlich zusammengedrückt wurden, so
daß es nicht mehr zu ertragen war. Ich schrie:
«Aufhören, bitte sofort aufhören!» Aber sie hörten
nicht auf. Dann muß mich wohl der Teufel wieder
ganz in Besitz genommen haben, denn was dann
geschah, kann ich nicht mehr sagen. Ich weiß nur,
daß ich wieder völlig geschwächt am Boden in der
Ecke lag. Die Priester saßen auf ihren Stühlen und
schauten zu mir. Sie fragten mich, wie es mir
ginge. Mir ging es eigentlich ganz gut, ich war
nur etwas
geschwächt und hatte ziemliche Halsschmerzen. Ich
merkte, daß ich wieder ganz nass war. Die Priester
hatten wohl wieder das Weihwasser benutzt. Ich
fragte die Priester, ob mich der Teufel denn
wieder blamiert hätte. Der Priester meinte:
«Eigentlich hat sich der Teufel genauso aufgeführt
wie die anderen Male auch. Er hat gebrüllt, uns
arg beschimpft, uns die Zunge herausgestreckt und
er meinte dann noch, daß wir alle verflucht sein
würden und das er sich Ihre Schwester auch noch
hole. Aber haben Sie keine Angst, wir werden auch
für Ihre Schwester beten, so daß sie geschützt
ist.» Ich stand dann wieder vom Boden auf und
setzte mich auf meinen Stuhl. Ich schaute den Arzt
fragend an, wie er wohl das Ganze empfunden hatte.
Ich brauchte gar nicht zu fragen. Er meinte, dass
das Ganze für ihn sehr beeindruckend war. Er hatte
so etwas noch nie gesehen und sagte auch, daß bei
mir keine psychische Erkrankung vorliege, wie zum
Beispiel eine Persönlichkeitsspaltung, da eine
solche anders verlaufen würde. «Ihr auffälliges
Verhalten wäre dann nicht nur bei Gebeten, sondern
immer so. Ich habe es jetzt miterlebt. Sie waren
vor den Gebeten ein ganz normaler, fröhlicher
Mensch. Doch als gebetet wurde, änderte sich das
schlagartig. Sie waren nicht mehr Sie selber. Auch
Ihre Stimme war eine andere, nicht mehr Ihre. Sie
sind wirklich besessen vom Bösen. Sie sind kein
Fall für den Psychiater, sondern ein Fall für die
Priester hier. Ich wünsche Ihnen viel Glück und
Kraft dabei, daß das Böse wieder verschwindet.»
Nun meinte der Weihbischof zum Schluß, daß am
nächsten Tag zu einer weiteren Segnung Der
Bischof kommen möchte. «Er will sich auch von
Ihrer Besessenheit überzeugen.» Mir war gar nicht
recht, dass er kommen würde. Ich hatte auch schon
gleich einen Haß auf diesen Bischof, ohne da ich
ihn vorher kannte oder je gesehen hatte. Es war
einfach so ein Gefühl, daß ich den von mir
fernhalten sollte. Ich erzählte das auch den
Priestern. Sie meinten, daß nicht ich etwas gegen
diesen Bischof hätte, sondern der Teufel. Der
Teufel hätte Angst, weil er wüsste, wie stark die
Gebete dieses Priesters waren. Nun verabschiedeten
wir uns bis zum nächsten Tag. Der Vikar brachte
mich dann gleich ins Kloster zurück.
BEOBACHTUNG
Objektiv: Bald nach Beginn der Gebete: Tachypnoe,
zunehmend; Unruhe; gleitet vom Stuhl auf den
Boden, schiebt und wälzt sich in den
(geschützten!) Winkel zwischen Teppich und
Wandschoner.
Bewegt
Extremitäten, Kopf, Stamm im Liegen, verkrallt die
Finger.Augen weit geöffnet, doch kein
Kontakt-Blick auf Menschen.
Schreit laut,stossweise. -Nach Ende der Gebete
langsam zunehmende Ruhe, Erwachen wie aus Schlaf.
-Keine Selbst-oder Fremdbeschädigung, kein
motorischer Angriff, keine Berührung der
umstehenden Menschen. Bewegungen zwischen Teppich
und Wandschoner. Kein Schlagen gegen Mauer oder
Möbel. Keine Obszönität.
Vor
und nach dem Anfall offener, einfühlbarer
zwischenmenschlicher Kontakt.
Subjektiv: Ich fühle große Wut. Angst. Es kommt
"wie elektrisch".
Schämt
sich des Anfalls. Fürchtet, man glaube ihr nicht.
(Darum nächtliche Video-Aufnahme des Wurfs aus dem
Bett.) Sei nicht psychisch krank! Wolle nicht in
Psychiatrie. Wolle keinen Psychiater.
Denn:
Psychiater = psychisch krank ( Schande).
INTERPRETATION
Kein
Anhaltspunkt für Warnideen, Halluzinationen.
Auslösung durch Gebet, nicht spontan (wie
Epilepsie).Veränderung des Verhaltens (der
Persönlichkeit?) aus unauffälligem Normalverhalten
heraus.
Argumente gegen Halluzination Schizophrenie.
Manie, Depression.
Vermutung: kein Krankheitsgewinn (wie bei
Hysterie, Simulation), im Gegenteil beschämend.
Psychologisch: Eindruck einer andern
Persönlichkeit statt der Persönlichkeit der
Patientin. (Nicht Veränderung der
Patienten-Persönlichkeit.)
Nicht 2 Realitäten in der gleichen Persönlichkeit
(wie bei Schizophrenie).
Wechsel: Normalperson -Anfallsperson
-Normalperson. Keine langsame Umwandlung von der
ersten zur zweiten Person.
Versuch einer Interpretation: Durch die
(körperliche) Person der Patientin äußert sich
eine andere Person. Die andere Person wirkt
äußerst aggressiv durch den Körper der Patientin:
Atmung, Motorik, Schreien.
Hypothese: die "andere Person" ist Satan.
Beweis
dieser Hypothese: naturwissenschaftlich nicht
möglich.
Auslösung des Anfalls durch Beten. Also ist die
"andere Person" gegen das Beten eingestellt.
Die
"andere Person": gegen Beten gegen Hintergrund des
Betens: Glauben
gegen
Adressat des Gebets heilig gesprochene Menschen im
letzten: Gott.
Wieder
nicht beweisbar!
THERAPIE Gebete Vater unser: direkt an Gott den
Vater gerichtet
Litanei: an Heilige als Mithelfer gerichtet
Emotionelle Gestaltung: Singen
Konfrontation (mit größter Wut-Antwort): Kreuz =
Symbol für Leben und Leiden Christi.
Weihwasser, Medaille, Krankenöl: Provokationen.
EINDRUCK Sofern eine "andere Person" in der
Patientin angenommen wird: Bekämpfung der fremden
Person durch Anrufung des Haß-Objektes der
Person.Haß-Objekt des Satans ist Gott.Weder Satan
noch Gott sind naturwissenschaftlich beweisbar,
höchstens an ihren Wirkungen vermutbar. Die Beter
sind Diener Gottes: gehorsam ihrem Auftrag,
bittend, nicht autoritär.
Neues
Testament über Dämonen-Austreibungen: autoritärer
Befehl des Sohnes Gottes direkt an den Dämon.
Befehl zum Ausfahren aus der besessenen Person.
Angebot an den Dämon (wohin soll ich gehen?): zB
Fahre in die Herde Schweine.Erklärung: Wenn der
böse Geist ausfährt, geht er unruhig durch leere
Gegenden,sucht sich ein neues Haus, kommt mit
vielen »Freunden" in das gefundene Haus.Vgl.
Gotthelf in der Schwarzen Spinne: Spinne wird ins
Astloch gesperrt, Zapfen drauf.
KRITIK
Viele lange Gebete, Reizungen mit Weihwasser,
Kreuz.
Also
lange Versuche, nicht kurzer autoritärer Befehl.
Wenn
der Teufel eine Autorität erkennt und anerkennt
(NT: »Du bist der Sohn Gottes!"), beugt er sich
knurrend.Vgl. Dompteur im Zirkus mit wilden
Tieren.
Warum
nicht »Teufel, geh in dieses Loch! Hier schließe
ich dich ein!" Erstaunlich: Der Gute Geist (Gott)
äußert sich nicht laut und lärmend. (Moses
erkennt. Gott nicht im Sturm, sondern im leisen
Säuseln.)
Der
Böse Geist ist an seinen Wirkungen erschreckend
erkennbar.Warum ein großes Ritual mit vielen
Gebeten (in Fremdsprache) anstatt ein direkter
kurzer
Befehl an den Bösen Geist (gefährlich!) aus großer
überzeugter Autorität:
Fahre
aus aus diesem Menschen! Gleichzeitig ebenso
strenges Verbot: Füge diesem Menschen keinen
körperlichen oder geistigen Schaden zu, wenn du
ausfährst!
Im
Neuen Testament sind Dämonenaustreibungen durch
Christus als strenge Befehle beschrieben. Der
Dämon beantwortet den Befehl: Ich weiß, wer du
bist: der Sohn Gottes! Der Dämon erkennt die
Autorität und muß sich ihr beugen.
Ein nächster Exorzismus – mit dabei der Bischof
Am
nächsten Tag holte mich der Vikar am Kloster ab.
Wir fuhren wieder in sein Haus für die weiteren
Segnungen. Dort angekommen, gingen wir gleich die
Treppe hoch und wieder in diesen schrecklichen
Raum. Schrecklich deswegen, weil dort immer die
Teufelsaustreibungen stattfanden. Es ist auch ein
ungutes Gefühl, wenn dort noch die Matratze vom
Vortag liegt mit den Speichelflecken drauf. So
wird man doch gleich wieder an den Kampf gegen den
Teufel erinnert. Ich dachte daran, daß heute der
neue Priester auch kommen würde. Schon der Gedanke
daran löste in mir eine große Angst aus und
tiefste Haßgefühle. Ich hatte das Gefühl, er
könnte eine große Gefahr für mich werden. Es
dauerte nicht lange, da sagte der Weihbischof:
«Jetzt kommt der Bischof!» Er hatte ihn wohl schon
vom Fenster aus sehen können. Mir wurde übel, ich
spürte richtig, wie er die Treppe hinauf ging und
mir immer näher kam. «Nein», sagte ich zu den
Priestern: «Er soll mir nicht näher kommen, der
Anführer dieser Brut soll brennen.» Diese Worte
sprudelten aus meinem Mund, ohne dass ich
Kontrolle über sie hatte. Es öffnete sich die Tür
und herein kam der dieser Bischof. Mir blieb fast
der Atem weg, als er auf einmal vor mir stand und
mir die Hand zur Begrüßung gab. Mechanisch
begrüßten wir uns und ich starrte auf seine Hand,
als wenn ich noch nie eine Hand gesehen hätte. Ich
spürte seinen durchdringenden Blick. Ich hatte das
Gefühl, er würde wissen, was ich gerade dachte.
Aber auch er war in diesem Augenblick wie ein
offenes Buch für mich. Ich konnte in ihn hinein
lesen, sah seine Schwächen, Krankheiten und
Probleme. Ich spürte das sehr intensiv bei ihm. So
etwas hatte ich zuvor noch bei niemandem gespürt.
Ich habe gemerkt, daß auch er Fähigkeiten besaß
wie ich, daß er ein sehr sensibler Mensch ist und
sehr viel Mitgefühl für andere Menschen hat. Ich
spürte aber auch negative Dinge an ihm. Trotz
meiner schlechten Gefühle fand ich den Bischof
sehr nett.
Nun
sollte es langsam losgehen mit den Segnungen. Wir
waren an diesem Tag auch nur zu viert, ich, die
zwei Priester und der Bischof, der Weihbischof war
an diesem Tag nicht dabei. Nachdem wir uns gesetzt
hatten, ging es gleich los. Sie fingen an zu
beten. Das war das Letzte, was ich hörte und sah.
Schlagartig wurde es dunkel um mich und ich fiel
in ein schwarzes Loch. Ich fror, mir war kalt. Wo
war ich und was war mit mir geschehen? Es war halt
das Selbe wie immer.
Ich
bekam leider nie etwas mit von dem Ganzen, aber
vielleicht war es ja auch gut so. Aufgeregt
erzählten mir die Priester wieder, wie sich der
Teufel aufgeführt hatte. Sie meinten, dass der
Teufel dem Bischof ziemlich übel zugesetzt hatte.
Es tat mir wieder sehr Leid und ich entschuldigte
mich bei ihm dafür. «Nein», sagte dieser Bischof,
«Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen. Sie
können nichts dafür, das waren ja nicht Sie,
sondern der Teufel. Sie sind wirklich vom Teufel
besessen.» Ich glaube, der Bischof war nur da um
festzustellen, ob wirklich eine Besessenheit
vorlag. Er hatte sich dafür eingesetzt, daß die
Priester Exorzismen durchführen durften. Schnell
verabschiedete sich der Bischof. Dann haben wir
gleich neue
Termine für die nächsten Segnungen ausgemacht. Mir
taten alle Knochen im Leib weh, als wenn ich am
Vortag zu viel getrunken hätte.
Die
nächsten Tage im Kloster
Jeden
Tag hatte ich nun Segnungen im Haus des Priester.
Den Rest der Zeit verbrachte ich im Kloster. Diese
Ruhe dort und dieser wunderschöne große Garten, wo
die Blumen in ihrer herrlichen Vielfalt erblühten
-sogar die Bäume trugen schon kleine Früchte -,
taten mir gut. Am liebsten saß ich unter einem
uralten Fliederbaum mit seinem süßen Duft. Hier
könnte ich Stunden sitzen und die Welt um mich
herum vergessen. Ich ließ diese Eindrücke auf mich
wirken und genoss dabei die Stille. Die Vögel
zwitscherten aufgeregt, als lesen sie meine
Gedanken. So wird das Paradies bei Gott sein, die
neue
Erde, natürlich größer, ohne Klostermauern! Ich
fühlte mich, wie wenn ich auf Wolken schwebte. Ich
träumte eine Weile vor mich hin. War da ein
Gesicht am Ende des Gartens gewesen? Beobachtete
mich jemand von dort? Ich war schlagartig
hellwach. Was denken die oder der nur von Dir? Ich
fröstelte leicht, denn der Wind war
kühlergeworden. Durch den Wind beugten sich die
Äste des Baumes. Mein Blick wurde starr und mein
Herz tolperte für den Bruchteil einer Sekunde. Da
steht Maria, die Muttergottes. «Jetzt dreh ich
wohl durch», war mein erster Gedanke. Dann aber
spürte ich eine
unendliche Liebe, eine Sehnsucht, eine vertraute
Nähe. Dann sah ich, dass dort eine Marien-Statue
in einer Grotte stand, in einem Meer von bunten
Blumen und Kerzen. Ein starkes Gefühl, dorthin
gehen zu müssen, überkam mich. Doch auf halbem Weg
wurden meine Beine schwer wie Stein. Ich konnte
keinen Fuß mehr vor den anderen setzen und spürte,
wie mein ganzer Körper zusammengedrückt wurde, so
als würde man mich zu Boden drücken wollen.
Irgendetwas hielt mich davon ab, weiter zugehen.
Ich habe es schließlich auch gelassen und bin
wieder zurückgegangen. Mein Gesicht muß wohl für
sich gesprochen haben. Die Schwestern erschraken
und wollten wissen, was mir zugestoßen war.
Nachdem ich alles erzählt hatte, schwiegen
sie
eine Zeit lang, blickten sich an, tuschelten
untereinander und plapperten dann aufgeregt
durcheinander. Sie meinten: «Versuche jeden Tag,
Schritt für Schritt ihr näher zu kommen.» Aber
ihre Augen verrieten mir, daß sie mir nicht alles
sagten. Glaubten sie mir?
Glaubten sie an Besessenheit? Denn immer wieder
fragten mich die Schwestern, ob ich nicht mit
ihnen beten würde, wenn ich von den Segnungen der
Priester ins Kloster kam und völlig geschwächt
war. Dabei hätten sie eigentlich wissen müssen,
dass ich zu diesem Zeitpunkt niemals eine Kirche
hätte betreten können. Ich eine Kirche betreten
und dann noch diese großen Kreuze dort? Nein,
schon der Gedanke daran war eine Qual für mich.
Ich habe mir oft gedacht: Warum lassen die
Schwestern mich nicht einfach in Ruhe mit ihren
Gebeten und Kirchenbesuchen? Warum bedrängen sie
mich damit?
Für
mich war es schon schwer genug, daß ich den
Herzenswunsch hatte zu beten, aber nicht konnte.
Ich hatte es schon oft versucht, aber immer, wenn
ich es versuchte, spürte ich ganz stark die
Anwesenheit des Teufels. Er wollte einfach nicht,
daß ich betete. Aus Angst ließ ich es schließlich.
Für mich war es auch nicht einfach, jedes mal zu
den Schwestern zu sagen: «Nein, ich bete nicht mit
Euch», denn die Schwestern waren ja immer so lieb
zu mir.
Es gab
noch einen Grund, warum ich nicht beten wollte.
Ich wusste ja, dass mir das passieren könnte, was
mir auch bei den Priestern beim Beten passierte:
daß ich nicht mehr ich selber war und der Teufel
sich zeigte. Ich wollte auf keinen Fall, daß die
Schwestern meine andere Seite kennen lernten, das
Böse, das in mir wohnte.
Habe
ich «wohnte» gesagt? So ein Wahnwitz, besser
gesagt, sich in mir verkroch, mich belauerte, mich
manipulierte. Ich glaube, dann hätten sie mich
nicht mehr gemocht. Auch der Pater im Kloster
fragte immer wieder, ob ich nicht mal in die
Kirche zu seinem Gottesdienst kommen mochte. Immer
wieder musste ich mich herausreden. Daß der Pater
die Sache mit dem Teufel nicht so richtig ernst
nahm, kam mir immer häufiger in den Sinn. Aber was
hätte er denn gemacht, wenn ich mit in die Kirche
gegangen wäre und auf einmal bei einem Vaterunser
laut los gebrüllt hätte, gefaucht und obszöne
Wörter geschrien hätte? Das wäre wohl für alle
Beteiligten, aber besonders für mich, doch sehr
peinlich gewesen. Nein, das wollte ich auf keinen
Fall.
Die älteren Nonnen
Weiter
hinten auf dem Klostergelände gab es ein weiteres
Klostergebäude. In dem lebten weitere
Ordensschwestern. Ich hatte sie noch nicht kennen
gelernt. Ich habe nur mitbekommen, dass die
jüngeren Schwestern zum Mittagessen und zur
Gebetstunde regelmäßig dort ins Kloster gingen.
Morgens gingen sie auch zu der Messe in der
klostereigenen Kirche. Auf jeden Fall erzählten
die jüngeren Schwestern den anderen Nonnen wohl
viel über mich, denn jeden Tag kam eine ältere
Nonne zu mir, um mit mir zu reden. Ich denke, sie
wollten mich persönlich kennen lernen: die kennen
lernen, für die sie so oft beteten. Ich fand das
schön, daß alle für mich beteten. Ich hätte auch
gerne für sie gebetet, aber ich konnte es nicht.
Die anderen Nonnen waren alle schon über fünfzig
Jahre alt. Sie verbrachten im Kloster
wahrscheinlich schon ihr halbes Leben. Darum waren
sie wahrscheinlich auch so streng religiös. Ich
habe das gleich gemerkt und gesehen, denn das
große Kreuz, das sie um ihren Hals trugen, war
nicht zu übersehen. Für mich war es jedes mal eine
Qual, wenn eine Nonne zu mir kam und sie länger
bei mir sitzen blieb. Ich empfand dann, als würde
ich auf einer Zeitbombe sitzen, die jeden Moment
hochgehen könnte. Ich habe nichts gegen die
Nonnen, sie sind ja sehr nett zu mir. Ich habe nur
etwas gegen dieses große Kreuz um ihren Hals. Ich
hätte es ihnen am liebsten sofort vom Hals
gerissen. Ich lernte auch die Frau Mutter kennen,
die Oberin des
Klosters. Sie wollte alles genau wissen über meine
Besessenheit. Ich hatte den Eindruck, dass sie das
alles, was ich ihr erzählte, nicht so recht
glaubte. Sie fragte, ob ich denn schon einmal bei
einen Psychologen damit war. Aha, noch jemand, der
mir nicht glaubte! Aber irgendwie konnte ich es ja
verstehen, dass für sie das alles verrückt klingen
mochte. Alles nur ein Traum? Ich glaube, wenn ich
es nicht selbst erlebt hätte, würde ich es auch
nicht glauben. Bevor ich besessen war, war weder
mein Glaube zu Gott stark genug, noch habe ich an
den Teufel geglaubt. Aber jetzt ist mein Glaube an
Gott stärker denn je. Muss ich erst vom Teufel
besessen sein, damit ich den Glauben und den Weg
zu Gott finde?
Die
Begegnung mit der Muttergottes
Im
Kloster hatte ich jede Nacht Angst, denn ich
schlief ja ganz alleine in einem Zimmer. Die
jüngeren Schwestern schliefen im Zimmer direkt
neben mir. Aber ich hatte trotzdem Angst. Ich war
nicht gewohnt, alleine zu schlafen. Zuhause
schlief meistens mein Freund neben mir. Im Kloster
dauerte es jede Nacht lange, bis ich endlich
eingeschlafen war. Ich habe dort wie zu hause auch
immer mit Licht geschlafen. Ich mag einfach keine
Dunkelheit. Dunkelheit macht mir Angst. Ich kann
nicht sagen warum. Wieder kam eine Nacht, der Mond
schob sich langsam durch die Wolken und strahlte
mit seinem Licht in mein Zimmer. Fledermäuse waren
in der Luft. Ich hatte sie einmal in einer
schlaflosen und völlig stillen Nacht entdeckt.
Sollte es heute wieder so sein? Unruhig wälzte ich
mich im Bett. Meine Lippen schmeckten nach Salz.
Ich fing wieder an zu schwitzen. «Na toll, dachte
ich, die Nacht fängt schon gut an.» Mein Blick
tastete den Raum ab, das Fenster, den Stuhl, das
Mondlicht an der Wand. Eine friedliche und
wohltuende Müdigkeit überkam mich und ich schloss
die Augen. Dann war die Stimme da, erst ein
Flüstern, dann immer klarer und lauter. Immer ein
Wort, immer das selbe Wort: «Heike.» Jemand rief
meinen Namen, die Schwester vielleicht? Dann hörte
ich die Stimme mit sanftem Ton sagen: «Komm zu
mir, Heike.» Die Stimme war im Raum, überall. Mein
Herz schlug jetzt ziemlich schnell, meine Beine
schälten sich wie von selbst aus dem Bettzeug und
ich ging zur Tür. Die Tür öffnete sich und mit
einigen Schritten war ich auch schon draußen auf
der Wiese. Ich schaute zum Himmel
und
sah gerade noch, wie der Mond hinter einer dunklen
Wolkenwand verschwand. Doch plötzlich war die
Wiese hell erleuchtet! Was ich dann sah, war
unbeschreiblich schön. Da unter dem großen alten
Kastanienbaum stand in voller Lebensgröße die
Muttergottes. Keine Statue. Das Gefühl, das ich
nun hatte, ist nur schwer zu beschreiben. Es war
ein überwältigendes Gefühl. Ich spürte Wärme und
Geborgenheit. Um mich herum spürte ich ihre Liebe,
die so überwältigend war, dass ich mich nur noch
schwer auf den Beinen halten konnte, so weich
waren meine Beine. Sie sah so ganz anders aus als
auf Bildern oder in den Kirchen. Sie ist schön, so
wunderschön, sie trug ganz lange dunkle Haare und
hatte ein sehr schmales Gesicht. Ihre Augen
schauten mich an, als würde sie mich kennen und
auch alles über mich wissen. Dieser Blick war so,
als würde sie durch mich hin durchschauen bis in
meine Seele hinein. Ihre Augenfarbe war
merkwürdig. Eine solche Augenfarbe hatte ich
vorher noch nie gesehen. Braun mit ein wenig Grau.
Jetzt erst merkte ich, daß sie die Hände zu mir
streckte. «Komm, komm», sagte sie immer wieder,
«hab keine Angst.» Mit leichten, wackeligen Beinen
und langsamen Schritten ging ich auf sie zu und
kniete mich vor ihr nieder. Ihre Hände
streichelten leicht meinen Kopf. Ich spürte dabei
eine Wärme durch meinen ganzen Körper fließen, es
war mehr als nur Liebe. Sie gab mir ihre Hand und
langsam stellte ich mich wieder hin. Dann schaute
sie mich an und sagte: «Bist Du bereit? Geh jetzt
und hab keine Angst!» Was meinte sie mit «bist Du
bereit»? Ich konnte nur schwer klar denken, ich
sah nur ihre Güte und Gnade, meine Sinne drehten
sich mit einem mal. Dann hörte ich Glocken,
wunderschön, und dann eine Stimme: «Heike,
aufstehen, Frühstück!» «Wo bin ich, was ist los?»
Dann wieder die Stimme: «Heike, Frühstück!» Die
Nacht war um, sofort fiel mir der Traum der
letzten Nacht wieder ein. So etwas Schönes hatte
ich schon lange nicht mehr geträumt. «Heike, bist
Du wach?», die Stimme der Schwester wurde jetzt
lauter. «Ja», rief ich zurück, «ich bin wach, ich
komme gleich.» Die Schritte der Schwester wurden
dann leiser, sie ging. «Bist Du bereit?», was
hatte das zu bedeuten? Ich schwang meine Füße aus
dem Bett und erschrak im gleichen Moment, die Füße
waren dreckig, Dreck klebte an ihnen, auch das
Bettzeug war voller Dreck. Ein Traum gestern
Nacht? Aber dieser Traum war ja so real. Und warum
hatte ich dreckige Füße? War ich vielleicht
wirklich aus meinen Bett
gestiegen und bin hinaus in den Garten gegangen?
Ich glaube, das wird wohl ein großes Geheimnis
bleiben.
Ich berichtete den Schwestern von der Begegnung
mit der Muttergottes
Ich
spürte wieder ein unbeschreibliches Gefühl in mir.
Ich konnte es in Worten gar nicht ausdrücken. Mir
liefen vor lauter Freude die Tränen übers Gesicht.
Ich dachte gleich daran, den Schwestern von der
Begegnung mit der Muttergottes zu erzählen. Aber
dann tat sich der Gedanke in mir auf, dass sie mir
wahrscheinlich nicht glauben würden und mich dann
für völlig verrückt hielten. Ich wollte es mir
noch überlegen, ob ich es den Schwestern erzählen
sollte oder es besser sein ließ. Nachdem ich alle
Spuren der letzten Nacht beseitigt hatte, ging ich
zum Frühstück. Schon bei der Begrüßung schauten
sie mich fragend an. Es gibt Menschen, die können
ihr ganzes Leben lang keine Gefühle zeigen. Mein
Gesicht muss wohl ein offenes Buch
sein;
die Schwestern hingen an meinen Lippen. Mein
Erlebnis der letzten Nacht war so stark, daßß ich
das Essen vergaß, obwohl ich das Brot in der Hand
hielt. «Heike, was hast Du?», fragten sie mich
beunruhigt. Dann sprudelte es aus mir heraus. Ich
erzählte ihnen von meiner Begegnung, von meinem
Traum? Nein, hatte ich vielleicht Traum mit
Realität verwechselt? Oder umgekehrt? Ist die
Realität so überwältigend, daß es nur eine
Erklärung dafür gibt: Alles nur ein Traum? Ich
hatte auf einmal wieder diese Angst in mir «sie
glauben Dir nicht». «Heike, Heike, Du hast die
Muttergottes gesehen, gefühlt, ihre Liebe in
Deinem Körper gespürt, Heike, sie hat Dich
gerettet!» Mein Blick suchte einen Punkt im
Zimmer. «Beruhige Dich», sagte ich mir, «beruhige
Dich.» Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als
eine Schwester aufsprang und rief: «Das müssen
auch die anderen Nonnen wissen.» Dann hörte ich
nur noch, wie die Tür hinter ihr zufiel. Mein
Hunger war verflogen, einige Schwestern wischten
verstohlen ihre Tränen weg. «Heike», rief die
Schwester, «Heike, bitte geh hinüber und erzähle
den anderen Schwestern Deine Begegnung mit Maria.»
Meine Tränen liefen auch und ich ging hinüber. Im
Saal saßen sie alle und schauten mich an. Als ich
eintrat, sah ich neugierige und auch skeptische
Blicke. Nachdem ich tief Luft geholt hatte,
erzählte ich ihnen von der Nacht. In vielen
Gesichtern sah ich Tränen. Als ich fertig war,
standen sie auf und umarmten
mich.
Nach einer Zeit verabschiedete ich mich und ging
wieder zurück. Was dachten sie jetzt von mir? Mein
Körper war so leicht, ich fühlte mich wie
berauscht. Im Frühstücksraum angekommen, sagten
mir die jungen Schwestern, daß die anderen
Schwestern nun in ihrem Glauben noch mehr gestärkt
und gefestigt seien. «Heike, Du bist für sie etwas
Besonderes!»
Der Gang zur Muttergottes in der Grotte, im
Kloster
Seit
der Begegnung mit der Gottesmutter spürte ich eine
große Liebe zu ihr, die mich nicht mehr losließ.
Meine Gedanken drehten sich nur noch um sie. Die
Gottesmutter ging mir einfach nicht mehr aus dem
Kopf. Ständig spürte ich eine Sehnsucht, zu ihr zu
gehen. Hier im Kloster ist diese Grotte mit der
Statue von ihr. Da zog es mich hin. Ich hatte ein
starkes Gefühl, dass ich zu ihr gehen sollte.
Dabei hatte ich den Gedanken: «Sie wird mich
befreien vom Teufel.» Sie kam zu mir, um mich zu
befreien. Nun sollte ich den Mut haben, zu ihr zu
gehen. Ich hatte aber große Angst, denn ich wusste,
daß das Böse in mir es niemals zulassen würde, daß
ich zu ihr ging. Wenn ich trotzdem zu ihr ginge,
trotz meiner Angst, was würde dann passieren? Ich
mußte unbedingt dorthin gehen, nichts sollte mich
aufhalten! Ich wußte, sie würde mich befreien vom
Bösen. Sie würde meine Seele
retten. Ich habe mir dann Gedanken gemacht, ob es
nicht zu gefährlich war, wenn ich dort alleine hin
ging, denn ich würde ja gegen den Willen des
Teufels handeln. Mir kam der Gedanke, die Priester
anzurufen und zu fragen, ob sie mit mir zur
Muttergottes gehen würden. Ich setzte meinen
Gedanken sofort in die Tat um und rief an. Ich
hatte den Vikar am Telefon und fragte ihn
aufgeregt, ob er ins Kloster kommen würde. Ich
sagte ihm auch warum. Er dachte kurz nach und
meinte dann: «Ich komme, aber nicht alleine. Ich
bringe einen der Priester mit.» Mir kam es vor wie
eine Ewigkeit, diese Warterei. Nun lief ich die
ganze Zeit aufgeregt hin und her und spürte dabei
wieder so eine große Angst in mir, weil ich wußte,
ich
würde
gleich zur Muttergottes gehen. Ich wußte auch, daß
mich der Böse wieder quälen würde. Die Schwestern
fragten, warum ich so aufgeregt sei. Ich sagte
ihnen, daß gleich die Priester kommen würden und
wir zusammen zur Gottesmutter gehen wollten. Die
Schwestern schauten sich an und meinten: «Das wäre
doch sehr gut, wenn Du es schaffst, dorthin zu
gehen. Hab keine Angst davor, die Gottesmutter
wird Dich beschützen. Sie ist mit Dir, hab
Vertrauen.» Ein Klingeln an der Klostertür
unterbrach unser Gespräch. Der Vikar und der
Priester trafen ein. Sie waren wieder sehr
freundlich zu mir. Wie immer redeten sie noch ein
wenig mit den Schwestern. Ich wurde dabei ganz
nervös, denn ich wusste, dass es gleich wieder los
ging. Dann sagte der Priester zu mir: «Wollen wir
jetzt zur Muttergottes gehen?» «Ja, lassen Sie uns
gehen.» Nun gingen wir los, ganz langsam, Schritt
für Schritt. Meine Angst wurde dabei immer größer.
Mein Herz schlug sehr schnell und ich hatte so ein
Gefühl, als wenn mein ganzer Körper aus Stein
wäre. Jeder Schritt war schwer wie Stein. Ich
dachte auf einmal: «Wenn ich mich jetzt nicht
beeile, dorthin zu kommen, ist es zu spät!» Nun
lief ich los, als würde der Teufel hinter mir her
sein! Es war wirklich ein Wettlauf gegen den
Teufel. Ich war bei der Gottesmutter angekommen
und fühlte mich auf einmal leicht wie eine Feder.
Ich spürte wieder diese große Liebe, die von ihr
ausgeht. Ich war wie in Trance. Auf einmal wurde
mein
schönes Gefühl gestört. Mich überkam ein trauriges
Gefühl. Ich merkte nur noch, wie mich der Teufel
mit voller Kraft zu Boden drückte. Ich konnte
nicht mehr aufstehen. Dann weiß ich nur noch, daß
ich mich nicht mehr bei der Gottesmutter befand.
Ich war mit den Priestern auf dem halbem Weg weg
von der Gottesmutter. Ich wollte aber wieder zu
ihr. Ich hatte das Gefühl, sie rufe mich, ich
wollte unbedingt zurück. Gleichzeitig schmerzte es
in meinem Körper. Der Teufel wollte mich immer zu
Boden drücken. Es war entsetzlich, ein richtiger
Kampf. Der Priester hielt mich fest, er hakte
mich
mit dem Arm ein, damit ich nicht um fiel. «Bleiben
Sie ganz ruhig, wir gehen zurück.» Das haben wir
dann auch getan. Wir sind ganz langsam zurück zu
den Schwestern gegangen. Dort angekommen, wollten
die Schwestern auch gleich alles wissen, wie es
war bei der Muttergottes. Der Priester erzählte es
ihnen. Ich war sehr traurig und enttäuscht, mir
liefen immer noch die Tränen. Meine Gefühle
überschlugen sich. Ich hatte gedacht, dass die
Muttergottes mich befreien wollte von dem Bösen.
Nun war es doch nicht so. Jetzt hatte ich auf
einmal wieder Zweifel, ob die nächtliche Begegnung
mit der Muttergottes nicht einfach nur ein Traum
war. Aber es war doch so real. Der Priester
meinte: «Nun seien Sie nicht enttäuscht. Sie
werden
schon noch befreit, es braucht Zeit. Vielleicht
klappt es schon morgen bei den Segnungen.» Dann
verabschiedeten sich die Priester bei mir und den
Schwestern. Ich blieb traurig mit meiner
Enttäuschung zurück. Aber eine kleine Hoffnung
hatte ich noch, daß es vielleicht am nächsten Tag
bei den Segnungen im Haus des Priester passieren
würde.
Die Befreiung
Am
nächsten Tag sollte sich alles zum Guten wenden.
Mutlos saß ich wieder mit den Priestern zusammen
in diesem Raum, wo die täglichen Exorzismen
stattfanden. Ich hatte nicht so viel Hoffnung
darauf gesetzt, dass der Teufel mich endlich mal
verlassen würde. Aber nun kam es ganz anders, als
ich dachte. Es sollte mein Glückstag sein. Die
Priester sprachen gerade einen Exorzismus über
mich, als ich auf einmal erwachte. Ich lag am
Boden. Um mich herum standen die drei Priester,
einer hielt das riesige Kreuz in der Hand, der
andere eine Flasche, wahrscheinlich das
Weihwasser, und einer hatte ein dickes rotes Buch,
sie sprachen zusammen etwas auf Französisch. Ich
verstand kein Wort, sie waren so vertieft in ihre
Gebete, daß sie gar nicht sahen, dass ich wach
war, und nicht nur das, ich spürte, dass ich frei
war, ja frei vom Teufel. Der Teufel war gegangen.
Ich fühlte mich auf einmal wie neu geboren und
fand es sogar ein bisschen lustig, wie die drei
Priester um mich herum standen und weiter ihre
Gebete sprachen. Ich hatte so etwas vorher noch
nie gesehen. Auf einmal schaute einer von den
Priestern auf mich und ich schmunzelte ihm ein
wenig zu. Er schaute wieder weg
und
betete weiter auf Französisch. Ich glaube, er hat
nicht geglaubt, daß ich frei war vom Teufel. Aber
irgendwann schaute er wieder zu mir. Da hat er es
wohl geglaubt, denn ich lächelte und er fing auch
an zu lächeln. Dann sagte er zu den andern beiden
Priestern: «Ich glaube, sie ist wirklich frei,
frei vom Teufel.» Nun lachten wir alle vier vor
Freude. Einer von den drei Priestern weinte auch
ein bisschen, ich glaube vor Rührung. Nun wollte
einer von den Priestern wirklich sicher sein, dass
der Teufel tatsächlich weg war. So fingen sie
gemeinsam an, noch einmal zu beten. Dabei hielt
einer von den Priestern das Kreuz in der Hand. Ich
empfand das Beten jetzt richtig schön, es war ein
sehr schönes Gefühl. Nun passierte etwas, was ich
nie wieder im meinem Leben vergessen werde. Es war
etwas Wundervolles, etwas, weswegen ich niemals
mehr zweifeln würde, dass es Gott gibt: Ich sah
Jesus. Er stand genau hinter dem Priester, der das
Kreuz in der Hand hielt. Das Gefühl, das ich nun
hatte, kann ich nicht richtig beschreiben, so
überwältigend war es. Ich glaube, so ein Gefühl
hatte ich noch nie zuvor erlebt, nur bei der
Muttergottes-Begegnung, aber da war es etwas
anders. Als ich Jesus sah, spürte ich Sehnsucht,
Glück Freude, Liebe. Ich spürte, was Herrlichkeit
bedeutet. Um mich herum war es, als wenn keiner
mehr
im
Raum wäre außer Jesus. Das Weltliche war wie
ausgeschaltet, ich spürte selbst mich nicht mehr
so richtig als Mensch. Es war, als würde ich gar
nicht mehr wirklich existieren. Jesus Christus -
er stand auf einmal da. Er war sehr groß und sah
sehr stark aus. Er hatte breite Schultern, große
Hände und lange Arme, er trug ein langes,
weißbräunliches Gewand. Die Farbe war ein
schmutziges Braun. Oben am Hals waren Bänder zum
Schließen. Er hatte Augen, die sehr strahlend
waren. Sein Blick war durchdringend, die Augen
sagten alles aus. In seinen Augen sah man die
Herrlichkeit, die Reinheit. Jesus stand einfach da
und sagte nichts. Auf einmal verschwand die ganze
Herrlichkeit um mich herum, ich war wieder da, ich
nahm mich
wieder
wahr und sah wieder die Priester dastehen mit dem
Kreuz. Ich schaute sie an und fing an zu weinen,
so überwältigt war ich. Jetzt war ich so
glücklich. Gott hatte mir dieses große Wunder
geschenkt. Gott zeigte mir, dass das Gute immer
siegt, dass die Liebe Gottes stärker ist als der
Teufel. Gott zeigte mir die Herrlichkeit. Ich
glaube, Gott wollte, dass ich leide, damit ich
dann den Weg zu ihm finde. Die Priester fragten
mich, was mit mir los sei, warum ich weinen würde.
Ich hatte Angst, ihnen zu sagen, daß Jesus da war.
Ich hatte Angst, sie würden mir nicht glauben, was
ich gesehen hatte. Aber ich musste es ihnen
einfach sagen. Ich konnte so etwas Wunderbares
nicht für mich behalten. Ab da hatte ich auch das
Gefühl, ich müsse es allen erzählen, daß er da
ist, Jesus Christus, Gottes Sohn, mitten unter
uns. Gleichzeitig war ich sehr traurig, daß ich
nie so richtig geglaubt hatte. Ich spürte eine
sehr große Traurigkeit. Ich dachte an die vielen
Menschen auf der Welt, die noch nicht mit ihrem
Glauben zu Gott
gefunden haben. Ich sagte dann zu den Priestern:
«Ich habe Jesus gesehen.» Sie schauten mich ganz
erstaunt an, aber sie glaubten mir. Ich hatte
nicht gedacht, daß sie mir das glaubten. Jetzt
fragte einer von ihnen: «Ja, und warum weinen Sie
dann? Das ist doch ein Grund der Freude, denn
nicht jeder darf so etwas erfahren.» Ich war
einfach so überwältigt von dieser Erfahrung. Nun
sangen wir noch voller Freude zusammen «Großer
Gott wir loben Dich» und gleich hinterher
«Muttergottes, wir rufen zu Dir». Dabei fielen ein
paar Freudentränen, es war so schön und ich war so
glücklich. Meine Seele gehörte jetzt wieder mir
und der Teufel musste gehen. Nun wusste ich, wie
stark Gott ist. Die Priester hatten das Böse mit
Gottes
Wirken
besiegt. Ich wußte gar nicht, wie ich den
Priestern danken sollte. Sie hatten so viel für
mich getan. Sie waren immer so lieb zu mir. Sie
hatten gegen das Böse wirklich gekämpft und damit
Gott einen großen Dienst erwiesen. Nun schenkte
mir der Priester einen Rosenkranz. Er hatte ihn
während der ganzen Exorzismen in der Tasche. Nun
sollte ich ihn tragen. Ich nahm ihn mit großem
Dank an und hängte ihn mit großer Freude um meinen
Hals. Nun konnte ich das Kreuz wieder ertragen und
das sogar um den Hals. Vor lauter Dankbarkeit
gegenüber Gott nahm ich das große Kruzifix, was
ich nie ertragen konnte, und küßte Jesus Christus,
der an diesem Kreuz hing. Später brachten mich die
Priester ins Kloster zurück. Dort angekommen, lief
ich gleich zu den Schwestern; sie sollten doch
auch Freude haben an dieser frohen Botschaft. Auch
sie hatten viel für mich gebetet und viel für mich
getan. Als ich dann vor den Schwestern stand,
fragten sie: «Na, wie geht es Dir? Wie war es
heute bei den Gebeten?» Ich lächelte sie an und
öffnete meine Jacke, so daß sie den Rosenkranz
sehen konnten, den ich um meinen Hals trug. Als
sie den sahen, wußten sie, dass ich befreit war,
befreit von dem Bösen. Denn vorher hätte ich mir
diesen Rosenkranz niemals umhängen können,
geschweige denn, ihn in die Hand nehmen
können. Nun sah ich die Freude in ihren
Gesichtern. Zwei Schwestern weinten vor Freude,
alle nahmen mich in den Arm und drückten mich. Ich
hatte dann noch mit den lieben Schwestern einen
sehr schönen Abend. Es gab ein sehr Gutes Essen.
Und wir sprachen noch viel miteinander.
Am
nächsten Morgen dann holten mich die Priester vom
Kloster ab und brachten mich zum Bahnhof. Als ich
im Zug war, blieben sie noch eine Zeit lang stehen
und dann winkten wir uns zum Abschied zu. Dann
ging es ab nach Hause, aber dieses Mal fuhr ich
nach Hause ohne den Teufel, nur mit Jesus in
meinen Herzen.
Ist der Teufel weg?
Hat er sich nur versteckt?
Eine
Zeit lang konnte ich zu hause wieder ein normales
Leben führen. Endlich konnte ich beten, beten zu
Gott, und das mit großer Freude und aus tiefstem
Herzen. Ohne Angst und Beklemmungen. Nun konnte
ich meine neu gefundene Liebe zu Gott leben. Ich
hatte von der Oberschwester aus dem Kloster eine
sehr schöne Ikone von der Gottesmutter bekommen.
Sie sollte mich an die Begegnung mit der lieben
Gottesmutter erinnern. Nun hängt sie über meinem
Bett. Außerdem hängt noch ein großes Holzkreuz aus
dem Kloster neben meinem Bett. Eine Flasche
Weihwasser steht bei meinem Bett. Das Weihwasser
versprühe ich jeden Abend in meinem ganzen Zimmer,
bevor ich ins Bett gehe. Damit das Böse keine
Chance mehr hat, mich zu belästigen. Mein Freund
erzählte mir von einem negativen Erlebnis, das
sich in der Zeit zu trug, als ich gerade wieder
bei den Priestern war. Eines Abends, es war schon
dunkel, saß er im Schlafzimmer und las ein Buch,
den Rücken zur Tür. Nur das monotone und
unregelmäßige Ticken der Uhr war zu hören, als
plötzlich die Konzentration zum Lesen schwand.
Mein Freund fühlte, dass er nicht mehr alleine in
der Wohnung war. Beim Umdrehen zur Tür überkam ihn
eine Gänsehaut. Er spürte daraufhin negative
Schwingungen, die immer näher kamen. Er ergriff
eine alte Bibel von seinem Opa, die immer an
seinem Bett liegt, und fing an zu lesen. Nach
einigen Seiten merkte er, daß die Spannung von ihm
ab ließ und er wieder alleine war.
Als er
mir das erzählte, wusste ich, daß das Böse noch da
war, zwar nicht mehr in mir, aber noch in meiner
Wohnung, in meinem Schlafzimmer. Aus Angst, das
Böse könnte mich wieder in Besitz nehmen, sprühte
ich Weihwasser und betete. Ich betete darum, dass
der liebe Gott alles Böse von mir fernhält und
mich nicht im Stich läßt, daß er mir Kraft gibt.
Nun ging ich auch wieder gerne in die Kirche. Ich
bereitete mich auf die Firmung vor, denn ich
wollte überwechseln vom evangelischen zum
katholischen Glauben. Nach dem ganzen Geschehen
mit der Besessenheit vertraute ich voll und
ganz
auf den katholischen Glauben. Für mich war jetzt
die Religion ein ganz wichtiger Punkt in meinem
Leben geworden. Ich freute mich sehr auf die
Firmung und konnte es kaum erwarten. Einer der
Priester würde mein Firmpate werden, hatte ich mir
gewünscht. Ich bekam ein Buch mit nach Hause, ein
Lehrbuch über den katholischen Glauben. Daraus
lernte ich mit Freude. Manchmal war ich ziemlich
abgelenkt, da war es mir wichtiger, zu beten und
Gebete zu schreiben. Gott machte mich glücklich,
so glücklich, daß ich dabei fast vergessen hätte,
für die Firmung zu lernen. Aber das Glücklichsein
sollte leider nicht lange anhalten. Eines Nachts
passierte wieder etwas. Das Kreuz neben meinem
Bett fing an zu wackeln und fiel von der Wand. Ich
wollte schnell beten, aber ich hatte auf einmal zu
große Angst. Ich hängte das Kreuz mit zitternder
Hand wieder an mein Bett, aber es dauerte nicht
lange, da lag es wieder auf dem Boden. Dann nahm
ich das Kreuz und entfernte es aus meinem Zimmer.
Ab da wurde es von Tag zu Tag
schlimmer. Ich entfernte sogar den Rosenkranz, der
immer unter meinem Kopfkissen lag. So ging es
immer weiter von Tag zu Tag.
Ich
entfernte alle christlichen Gegenstände aus meinem
Schlafzimmer. Ich bekam wieder Angst zu beten und
merkte beim Beten, wie ich immer mehr Worte
verschluckte. Zuerst konnte ich nur noch mit einem
Stottern das Wort «heilig» sagen, «Kreuz» und
«Christus» kamen auch nur noch mit einem Stottern
heraus, bis ich die Wörter dann irgendwann gar
nicht mehr aussprechen konnte. Nun konnte ich es
auch in der Kirche keine volle Stunde mehr
aushalten. Besonders schlimm war es, wenn sie die
Worte «heilig, heilig» zusammen sangen. Das klang
so laut in meinen Ohren, dass es richtig dröhnte
und schmerzte. Nun wusste ich, der Teufel war
nicht weg. Oder war er zurückgekommen? Aber warum?
Ich hatte doch nichts falsch gemacht! Ich betete
regelmäßig und aus tiefster Liebe zu Gott. Was
hatte ich bloß falsch gemacht? Oh lieber Gott,
warum hast Du mich wieder verlassen?
Seltsame Wunden
Ja,
das Böse war wieder da. Aber nicht genug damit.
Nun sollte ich wohl noch mehr leiden, nun
passierte etwas, was alles Denkbare übersteigen
sollte. In der Nacht erwachte ich plötzlich durch
entsetzlich stechende Schmerzen in Händen und
Füßen. Irgendwie fühlten sich auch mein Bettlaken
und meine Bettdecke feucht an. Schnell knipste ich
Licht an und erschrak fürchterlich. Was war das?
Aus Händen und Füßen trat Blut heraus. Ich hatte
tiefe Löcher in Händen und Füßen und sie
schmerzten entsetzlich. Ich weinte vor Schmerzen,
Angst und Entsetzen, aber dann waren die Schmerzen
weg.
Auch lief kein Blut mehr. «Was ist bloß
passiert?», fragte ich mich immer wieder, «woher
kommen diese Löcher? Habe ich sie im Schlaf selber
gemacht?» Aber wie sollte ich das gemacht haben?
Ich konnte es mit meinem Verstand nicht erklären.
Ich mußte mein gesamtes Bettzeug und das, was ich
an hatte, erst einmal von dem vielen Blut
befreien. Nun war ich fertig mit den Nerven und
sehr geschwächt durch den Blutverlust.
Am
nächsten Tag rief ich einen mir vertrauten
Priester an, den Vikar der auch gleich ans Telefon
kam. Ich erzählte ihm, was passiert war, und
dachte, er könnte mir etwas sagen zu den Wunden.
Aber auch er war erstaunt darüber und konnte es
nicht erklären. War es vielleicht der Teufel? Als
ich dem Vikar dann noch erzählte, daß mich der
Teufel auch wieder so plagte, sagte er: «Dann sind
Sie wieder besessen.» Ich meinte dann zum
Priester: «Was habe ich falsch gemacht, warum ist
das Böse denn zurückgekommen?» «Vielleicht war der
Teufel nie ganz weg und hatte sich in Ihnen
versteckt. Er hat Ihnen nur einen Freiraum
gegeben. Sie sind zu früh nach Hause gefahren. Sie
hätten noch bei uns bleiben sollen, das wäre
besser
gewesen. Können Sie wiederkommen? Dann sprechen
wir nochmal Gebete über Sie, und wenn Sie mögen,
können wir auch die Firmvorbereitung machen. Es
kommt natürlich darauf an, wie stark Sie wieder
besessen sind.»
Zurück ins Kloster, erneute Exorzismen
Nun
war ich wieder bei den Priestern. Ich fühlte mich
sehr schlecht, denn ich schämte mich, weil ich
wieder besessen war. Ich dachte, die Priester
würden denken, ich hätte irgendetwas falsch
gemacht, vielleicht nicht genug gebetet. Ich
machte mir sehr große Vorwürfe. Aber die Priester
sahen das ganz anders. Sie meinten, ich hätte da
keine Schuld, daß der Teufel noch nicht ganz
gegangen war, daß er sich sehr gut versteckt
hatte, oder dass der Teufel weg war und vielleicht
noch ein paar Dämonen da waren, die nicht gehen
wollten. Oder meine frühere Bekannte könnte damit
noch zu tun haben. Sie war in einer Satanssekte.
Ich wollte sie damals aus dieser Sekte
herausholen, weil ich sie mochte und gemerkt
hatte, dass diese Leute
nicht
gut für sie waren. Ich war selber aus Neugierde
zweimal bei solch einem Treffen dabei gewesen. Es
war schlimm und ich bekam dort große Angst. Es
waren dort fünf Männer, alle schwarz gekleidet.
Sie trugen alle eine komische schwarze
Kopfbedeckung und die Umgebung dort war sehr
gruselig. Sie führten diese Satansbeschwörungen in
einer alten Gruft durch, es stank dort vermodert,
dazu noch der Geruch von den Kerzen. Bei diesen
Ritualen wurden auch Tiere geopfert, zum Beispiel
ein Huhn. Es war für mich fürchterlich zu sehen,
wie man dieses Tier opferte. Auf jeden Fall wollte
ich nicht mehr hingehen. Es machte mir Angst, was
diese Leute taten. Diese Leute waren sehr böse
geworden, als ich sagte, ich käme nicht mehr. Sie
meinten: «Du wirst schon sehen, was Du davon hast.
Ungestraft kommst Du uns nicht davon.» Auch meine
Bekannte war dann sehr sauer auf mich.
Weiter
meinten die Priester: «Wir glauben, daß diese
Leute etwas mit Ihrer dämonischen Besessenheit zu
tun haben. Sie könnten Sie ja verwünscht haben.»
Auf jeden Fall gingen die Priester davon aus, es
könnte ja sein, dass der Teufel oder diese Dämonen
nicht aus mir herauszubekommen waren, weil diese
Leute aus der Ferne immer noch Einfluß ausübten.
Einer von den Priestern meinte dann: «Vielleicht
sollten wir einmal für diese Leute beten. Es wäre
ja nicht schlecht, wenn Sie uns die Namen von
diesen Satanisten sagen. Vielleicht könnten wir
dann bei unseren Gebeten den Teufel fragen,
ob
diese Leute etwas damit zu tun haben. Wir würden
das Böse damit endgültig besiegen. Es könnte sein,
daß diese Leute der Grund des ganzen Übels sind.»
Ich gab den Priestern die Namen. Nun wurden weiter
Gebete und Exorzismen über mehrere Tage über mich
gesprochen.
Während dieser Zeit schlief ich im Kloster bei den
lieben Schwestern, was nicht immer einfach war.
Denn ich hatte ein großes Problem. Der Pater dort
war nicht damit einverstanden, daß bei mir immer
eine Schwester schlief. Ich sollte lernen, auf
Gott zu vertrauen, die Angst vor der Nacht, der
Dunkelheit und der Stille überwinden. Er meinte,
es würde nicht gehen, daß immer eine Schwester bei
mir schlief. Damit würde die ganze
Schwesterngemeinschaft gestört. Denn in einer
Gemeinschaft gehören die Schwestern zusammen. Es
wurde dann sehr schwer für mich in der Nacht. Ich
wußte, würde jetzt der Teufel kommen, wäre ich ihm
ausgeliefert. Natürlich habe ich sehr auf Gott
vertraut, aber ich hatte trotzdem große Angst vor
dem Teufel. Ich hatte Angst, meine Gebete könnten
zu schwach sein. Ich habe in der Nacht dann das
Radio laut laufen lassen, damit ich keine
Geräusche im Zimmer hören konnte, z.B. ein
Klopfen, womit mir der Teufel immer Angst machte.
Es war auch gut, Menschen im Radio zu hören. So
hatte ich das Gefühl, nicht alleine zu sein. Ich
ließ immer das Licht im Zimmer brennen, denn auch
Dunkelheit mochte ich nicht, wie zuhause. Die
ersten Nächte alleine im Kloster waren sehr schwer
für mich. Ich schlief immer sehr spät ein und
schlief schlecht durch. Ich sah in der Nacht öfter
den Teufel, der mir große Angst machte. Aber ich
wurde von ihm nicht mehr körperlich belästigt. Das
war schon mal gut. Ich habe aber auch öfter den
Teufel am Tage gesehen und das immer, wenn ich
beten wollte; ich betete oft, denn ich liebe Gott
über alles.
Es ist vollbracht, der Teufel ist besiegt
Nach
neuen Gebeten gelang es den Priestern wieder, mich
vom Teufel zu befreien. Oft hatte er sich
versteckt, so daß die Priester und ich dachten, er
wäre gegangen. Aber er hatte mich und die Priester
nur getäuscht, was wir spätestens merkten, wenn
sie mir die Hand auflegten und mich segnen
wollten. Jedes mal wenn sie das wollten, ertrug
ich es nicht und zog meinen Kopf weg. Wenn sie das
merkten, wußten sie, daß er nicht weg war. Dann
wurden erneut Gebete über mich gesprochen. Sie
haben sie bei einem Exorzismus für die Leute von
der Satanssekte gebetet. Die Priester vermuteten,
daß diese Personen mich verhext hätten. Das muß
geholfen haben, denn auf einmal war der Teufel
wirklich weg. Die Priester segneten mich erneut,
um zu testen, ob er wirklich weg war. Das ging
jetzt ohne Probleme. Sie legten die Stola auf
mich, auch das ging. Dann sprachen sie nochmal ein
Gebet auf Französisch, ein Exorzismusgebet. Auch
da gab es kein Problem für mich, es zu ertragen.
Ja, der Teufel war jetzt endlich weg. Jetzt
konnten wir uns wirklich freuen und Gott danken.
Das taten wir dann auch, wir sangen zusammen
«Großer Gott wir loben Dich». Ja, das war ein
langer
Kampf, aus der Hölle und Dunkelheit ins Licht.
Aber wir haben es geschafft. Gott, großer Gott,
wir danken Dir! Jetzt hatte ich nur noch diese
Wunden, aber die waren nicht vom Teufel. Sie sind
ein Geschenk von Gott. Aber darüber möchte ich
jetzt noch nicht berichten, damit möchte ich noch
abwarten. Es ist aber ein schönes Leiden, denn ich
leide mit Jesus Christus. Wie lange, ist wohl
abzuwarten, das weiß wohl nur der liebe Gott
alleine. Nun war ich sehr glücklich, daß ich
endlich den Firmvorbereitungen nachgehen konnte,
ohne daß der Teufel versuchen würde, es zu
verhindern. Ich wollte schnell gefirmt werden,
denn mit der Firmung würde ich mit Gott eins sein,
könnte ich endlich zu Gott feierlich «ja» sagen,
«ja» sagen aus Liebe. Als würde ich eine Ehe
eingehen, aber nicht mit einem Mann, sondern mit
Gott. Ich war nun sehr ungeduldig und konnte es
kaum noch erwarten. Ich freute mich wie ein
kleines Kind darauf, gefirmt zu werden. Ich blieb
noch ein paar Tage im Kloster für die
Firmvorbereitung.
Firmvorbereitungen mit grossen Hindernissen
Die
Zeit der Firmvorbereitung war gar nicht so
einfach. Immer wieder versuchte der Teufel, mir
Angst zu machen. Ich glaube, der Teufel war gegen
die Firmung. Er wusste, dass ich dank der Firmung
vom Heiligen Geist erfüllt sein würde und dass ich
ganz Jesus Christus gehören würde. Es war nicht
so, dass ich wieder besessen war vom Teufel. Nein,
die Priester nannten es Umsessenheit. Es war sehr
schwer, denn immer, wenn ich beten wollte oder
betete, sah ich den Teufel hinter mir oder vor mir
stehen. Auch hatte ich noch ab und zu Angst, das
Wort «heilig» zu sagen. Der Teufel versuchte, mir
Angst zu machen, mich zu beeinflussen. Wenn der
Priester ins Kloster kam zum Unterricht für die
Firmung, betete er immer vorher mit mir -ich
glaube, um sicher zu sein, ob der Teufel nicht
wieder da war. Auch bemerkte er dann jedes Mal
beim Beten, dass ich das Wort «heilig» nicht
aussprechen wollte. Er merkte auch, dass ich beim
Beten irgendwie noch Angst hatte. Ich sagte dann
dem Priester, dass ich den Teufel ab und zu sehen
würde, dass er mir Angst machte. Darum wollte ich
nicht so gerne beten. Er meinte, ich solle mich
vom Teufel nicht einschüchtern lassen: «Der will
nur, dass Sie Angst haben und mit dem Beten
aufhören.» Ich solle versuchen, das Wort «heilig»
ganz auszusprechen, auch wenn ich Angst dabei
hatte. Das Wort «heilig» ist sehr wichtig, denn
bei der Firmung wird es oft gesprochen. Ich sollte
eigentlich die Firmung richtig genießen, die
Stärkung mit dem Heiligen Geist und den Gesang. Es
wäre überhaupt nicht gut, wenn ich vor der Firmung
Angst hätte und dann den Kopf wegziehe, wenn mir
die Hand aufgelegt würde. Ich sollte es als schön
empfinden und nicht Angst haben davor. «Lassen Sie
nicht zu, dass der Teufel Ihnen Angst macht, es
würde sonst ein großes Problem geben und wir
könnten Sie nicht firmen, wenn Sie immer noch
unter dem Einfluss des Teufels stehen», meinte der
Priester. Ich war dann auf einmal sehr traurig,
als er das sagte. «Aber ich bin doch nicht mehr
besessen, der Teufel ist doch nicht mehr in mir.»
«Nein, er ist nicht mehr in Ihnen, aber er wirkt
noch von außen.» «Aber warum, ich bete doch sehr
viel und liebe Gott über alles. Gott ist mir doch
so nah. Warum lässt Gott das zu, dass der Teufel
mich nicht in Ruhe lässt?» «Nein, das hat mit Gott
nichts zu tun. Der Teufel versucht, Sie zu
verführen, er mag nicht, dass Sie Gott so lieben
und so viel beten.
Er
versucht, es zu verhindern. Der Teufel möchte,
dass Sie ihm wieder gehören. Lassen Sie es nicht
zu und beten Sie zu Gott, dass er Ihnen die Angst
vor dem Teufel nimmt. Vertrauen Sie weiter auf
Gott.» Ich betete zu Gott: «Bitte, lieber Gott,
ich möchte nur Dir gehören. Bitte vertreibe Satan
und lass mich seinen Versuchungen widerstehen.
Bitte sei nur Du bei mir.» Ich war manchmal
verzweifelt und dachte, Gott hätte mich wieder
ganz verlassen, weil er mich nicht erhörte. Ich
war ein bisschen böse auf Gott. Aber ich glaube,
der Teufel steckte dahinter, er wollte mich
versuchen und ich ließ es ein Stück weit zu. Aber
die Liebe zu Gott war stärker. Also betete ich:
«Oh Herr, gütiger Gott, bitte vergib, dass ich Dir
nicht vertraute, dass ich der Versuchung nicht
widerstanden habe.» Nun blieb ich stark und betete
viel. Ich hatte nur noch das Ziel vor Augen,
gefirmt zu
werden. Auch der Vikar gab sich sehr viel Mühe mit
mir. Er hatte wirklich sehr viel Geduld. Ich
vertraute sehr auf den Vikar. Ich mag ihn wirklich
sehr, er war mir schon sehr ans Herz gewachsen.
Ich freute mich auch darauf, dass er mein Firmpate
werden würde. Denn er liebte Gott auch so sehr wie
ich.
Die Liebe zu Gott und die Firmvorbereitung
Die
Tage im Kloster verbrachte ich nun damit, für die
Firmung zu lernen, alles über den katholischen
Glauben. Es machte mir sehr viel Freude, dafür zu
lernen. der Vikar, den ich sehr gerne mochte, weil
er eine ehrliche, offene und lustige Art hatte,
führte die Firmvorbereitungen mit mir durch. Wenn
ich etwas falsch machte, sagte er es mir gleich.
Er kam fast jeden Tag ins Kloster, um mich
abzufragen, was ich gelernt hatte aus dem Buch,
das er mir gab. Er nahm sich viel Zeit für mich
und wir sprachen vor dem Unterricht auch
persönliche Dinge an. Wir besprachen auch
Probleme, wenn es welche gab. Ich bin ihm so
dankbar, denn für mich war er wie ein großer
Bruder. Ich vertraute ihm sehr und wünschte mir,
dass er auch mein Firmpate werden sollte. Ich
fragte ihn. Er freute sich sehr darüber und sagte
ja. Auch die anderen beiden der Weihbischof und
der Priester kamen ab und zu ins Kloster und
sprachen mit mir. Auch sie mochte ich sehr gerne.
Sie waren sie mir alle drei richtig ans Herz
gewachsen. Wir haben ja auch alle vier viel
durchgemacht und viel Zeit damit verbracht, den
Teufel loszuwerden. Ich möchte sie jedenfalls in
meinem Leben nicht mehr missen. Genau wie Gott,
auch ihn möchte ich nicht mehr missen, ohne Gott
will ich nicht mehr sein. Ich liebe ihn so
unendlich, daß ich es in Worten nicht ausdrücken
kann. Ich habe eine solche Sehnsucht nach Gott,
dass ich vor lauter Beten am Tage schon vergaß,
für die Firmung zu lernen. Ich war oft
den
ganzen Tag im Kloster auf dem Zimmer und betete.
Mindestens zweimal am Tag ging ich auch zur
Gottesmutter-Statue. Es zog mich immer zu ihr hin,
denn ich liebe sie so sehr, die Gottesmutter. Ich
schrieb Gebete und Liebesbriefe an Gott. Ich
liebte das, weil es mich so glücklich machte. Es
war dann auch schon so, daß der Priester ins
Kloster zum Unterricht kam und ich ihm sagen
mußte, daß ich nicht gelernt hatte vor lauter
Verlangen nach Gott. Der Priester gab mir dann zu
verstehen, dass auch die Firmvorbereitung wichtig
war. Aber er und die anderen drei Priester freuten
sich immer über meine Gebete und meinten, daß sie
schön seien. Ich könnte auch andere Menschen mit
meinen Gebeten erfreuen. Aber jetzt war vorerst
die Firmvorbereitung wichtig. Darauf freute ich
mich schon. Ich bin dann zwischendurch auch nach
Hause gefahren und habe da weiter gelernt.
Das Wunder
Es war
nun so, dass sich viel verändert hatte durch meine
Besessenheit, und ich fühlte mich Gott sehr nahe.
Ich hatte den Wunsch zu helfen, Menschen helfen,
die krank sind und sehr leiden. Ich traute es mir
zu und glaubte, daß Gott mir die Kraft dazu geben
würde. Ich wollte Menschen heilen. Ich weiß nicht,
warum ich auf einmal dachte, ich könne das. Ich
glaube, Gott brachte mich auf diesen Gedanken.
Wenn ein Mensch leidet, leide ich jetzt
schrecklich mit. Ich möchte helfen, möchte für ihn
beten. Ich möchte körperlich Kranken durch Hand
auflegen und Gebet helfen, mit Gott und Gottes
Wirken. Wenn es Gottes Wille ist, wird es so
geschehen. Es ist nicht nur so, dass ich leide,
wenn es einem anderen Menschen nicht gut geht. Ich
leide auch darunter, dass viele Menschen den
Glauben an Gott verloren haben. Das macht mich
traurig und unglücklich in meinem tiefsten
Inneren. Ich möchte den Menschen etwas abgeben von
Gottes Liebe, die ich spüre. Ich wünsche mir so
sehr, dass die Menschen wieder zu Gott finden,
dass der Friede unter den Menschen wieder
hergestellt wird durch Gottes Liebe und
Herrlichkeit.
Die Firmung
Nun
kam der lang ersehnte Tag, der Tag, an dem ich
gefirmt werden sollte. Es war Sonntag und am
Spätnachmittag sollte ich vom Vikar, der auch mein
Firmpate wurde, aus dem Kloster abgeholt werden.
Die Firmung sollte in der Kapelle stattfinden. Ich
hatte mir diesen Ort für die Firmung ausgesucht,
weil ich diese Kapelle sehr schön fand. Eingeladen
zur Firmung hatte ich die lieben Schwestern und
eine sehr liebe Frau, die ich sehr mochte. Sie war
öfter zu Besuch bei den Schwestern und auch der
Pater sollte kommen. Gefirmt werden sollte ich vom
Weihbischof und den Priestern, die mir die ganze
schwere Zeit zur Seite gestanden hatten. Nun
wollten sie alle bei meiner Firmung sein. Ich
freute mich sehr darüber und war den ganzen
Vormittag aufgeregt. Ich schaute ständig auf die
Uhr. Oh, ich war so glücklich, denn ich wußte, mit
der Firmung würde ich Gott zeigen,
wie
sehr ich ihn liebe, und ich würde Gott mein Ja
geben. Der Heilige Geist sollte mich voll und ganz
erfüllen. Nun war es endlich soweit. Als es an der
Klostertür klingelte, öffnete ich schnell die Tür.
Da stand der Priester auch schon. «Na, wie
geht’s?», fragte er. «Wollen wir los?» «Ja gerne,
ich freue mich so.» Nun fuhren wir gleich zur
Kapelle. Dort angekommen, setzte ich mich ganz
nach vorne in die erste Bankreihe in die Nähe des
Altars. Aufgeregt wartete ich darauf, was kommen
würde. Es kamen dann auch die Schwestern und die
nette Frau, die ich eingeladen hatte. Sie kam mit
ihrer Familie. Ich hatte nun all die lieben
Menschen um mich, die ich so sehr mochte. Nun
sollte es endlich losgehen. Es kamen der
Weihbischof, die Priester und der Pater. Sie
trugen alle ein rotes Meßgewand. Nun sollte die
Firmfeier beginnen. Wir standen auf und sangen.
Ich sollte nun nach vorne zum Weihbischof und den
Priestern kommen. Nun fragte der Weihbischof: «Widersagst
Du dem Bösen?» Ich antwortete mit: «Ja, ich
widersage.» «Glaubst Du den Lehren der heiligen
katholischen Kirche?» «Ja, ich glaube.» Bei diesen
Antworten war ich sehr gerührt. Ich spürte Gott.
Mir
rollten die Tränen übers Gesicht. Es war so
wunderbar. Mein Firmpate legte die Hand auf meine
Schulter und der Weihbischof legte die Hand auf
meinen Kopf. Das bedeutete, der Heilige Geist will
Dich beleben und beschützen. Er wird mit Dir sein.
Nun strich mir der Weihbischof mit Chrisam das
Kreuz auf die Stirn, ein Zeichen dafür, dass ich
zu Christus gehöre und der Heilige Geist mich
stärkt. Während er mir das Kreuz auf die Stirn
strich, betete er: «Sei besiegelt durch Gottes
Gabe, den Heiligen Geist.» Ich antwortete in
Tränen «Amen». Nun wünschte mir der Weihbischof
den Frieden Jesu Christi mit den Worten: «Der
Friede sei mit Dir» und ich antwortete «und mit
Deinem Geiste». Nun war ich gefirmt und somit in
die Katholische Kirche eingetreten. Ich war
überglücklich. ich wurde herzlich beglückwünscht
und alle freuten sich mit mir. Dann wurden noch
einige schöne Fotos gemacht. Ich bekam vom
Weihbischof eine wunderschöne alte handgemalte
Ikone der Gottesmutter. Nun sollte meine Firmung
ausgiebig gefeiert werden. Wir fuhren alle
gemeinsam mit den Schwestern und den Priestern zum
Pater nach Hause. Dort angekommen staunte ich
nicht schlecht. Es war alles so liebevoll für mich
vorbereitet. Ich war dann erst einmal so gerührt,
daß ich gar nichts mehr sagte. Es haben wohl alle
geholfen, das alles
vorzubereiten. Die liebe Frau, die immer die
Schwestern im Kloster besuchte, schenkte mir einen
großen gelben Rosenstrauß. Viele kleine Herzen aus
Papier hingen dran, auf die jeder einen lieben
Spruch für mich aufgeschrieben hatte. Zum
Beispiel: «Gott segne Dich» oder «danke, daß wir
mit Dir feiern dürfen.» Es sind alles so liebe
Menschen. Daran merkt man, daß der Heilige Geist
wirkt und die Liebe und das Mitgefühl unter den
Menschen weckt.
Ein Liebesbrief
an Gott
Oh
lieber Gott, wie lange suchte ich Dich. Du hast
nun mein Herz erobert.
Warum
gab ich Dir vorher keinen Platz in meinem Leben?
Ich
möchte Dir, oh Herr, jetzt meine ganze Liebe
schenken,
möchte Dir damit eine Freude machen.
Bitte, oh gütiger Gott, bleib jetzt für immer bei
mir, ich bitte Dich darum.
Mein
Herz empfindet große Sehnsucht nach Dir, wie man
sie in Worten nicht ausdrücken kann.
Mein
Gott, Du gibst mir so viel. Du steigerst mein
Verlangen, ganz von vorne anzufangen.
Ich
gehöre jetzt Dir voll und ganz und mein größter
Wunsch bist Du, ja Du, großer Gott.
Ich
habe Dich gerufen und um Hilfe gebeten.
Und
Du erhörtest mich, Du hast so viel für mich getan.
Meine
ganze Hoffnung bist nun Du, oh Gott. Ich weiß
jetzt, Du wirst mich nie im Stich lassen.
Und
will sich das Böse nochmal an mir versuchen, wirst
Du mir Kraft geben.
Ich
habe Dich, oh Gott, für meine Sünden und
Fehltritte um Vergebung gebeten.
Ich
fühle oder ich weiß, Du liebst mich jetzt noch
viel mehr denn je.
Ich
weiß, Du kannst mich verstehen. Ich weiß jetzt,
wie groß Deine Liebe ist.
Sie
ist grenzenlos und ich liebe Dich so, wie Du mich
liebst.
Bitte, oh Gott, gib Du mir jetzt die Kraft, Dir zu
folgen, das zu tun, was Dein Wille ist.
Nun
geh ich hin und erzähle den Menschen von Dir und
Deiner Herrlichkeit, Deiner grenzenlosen Liebe.
Ich
werde berichten, dass Du da bist, und ich weiß, es
wird nicht einfach,
denn
ich werde auf Spott und Ungläubige stoßen und
viele Hindernisse überqueren müssen.
Aber
ich weiß, Du bist bei mir, Du hältst Deine
schützende Hand über mich
und
wirst mir nur das geben, was ich tragen kann.
Oh
Herr, ich liebe Dich und vertraue auf Dich.
Ein Gebet zu Gott
Oh
Herr, oh Gott, oh lieber Gott,
Nun
hab ich Dich gefunden und bin mit Dankbarkeit mit
Dir verbunden.
Oh
Herr, oh Gott, oh lieber Gott,
Du
ließest das Licht aufleuchten in meinem Herzen,
glaubte ich an Dich mit halbem Herzen,
so
glaube ich jetzt an Dich mit ganzem Herzen,
nun
bist Du eingezogen in meinem Herzen.
Oh
Herr, oh Gott, oh lieber Gott,
und
nun möcht ich gehen
und
auch anderen Menschen sagen,
auch
sie mögen Gott in ihren Herzen tragen.
Oh
Herr, oh Gott, oh lieber Gott,
ich
danke Dir, oh Herr,
Du
führtest mich zu Dir
und
das Glück, das ich jetzt spür,
bleibt für immer in mir.
Oh
Herr, oh Gott, oh lieber Gott,
und
will das Böse mich versuchen,
glaube ich ganz fest an Dich
voller Zuversicht.
Oh
Herr, oh Gott, oh lieber Gott,
und
begehe ich eine Sünde,
ruf
ich Dich an,
denn
ich weiß, Du bist der Vater,
der
mir vergeben kann.
Oh
Herr, oh Gott, oh lieber Gott,
Du
bist Gott, der Vater der Herrlichkeit
in
Ewigkeit,..........Amen
Nachwort
Kirche
und Glaube den Menschen wieder näher bringen.
Erfahrungs Bericht der Priester zum
Exorzismus von Heike R.
Die Mehrzahl der Leute, die einen Exorzismus
erbitten, sind nicht von einem bösen Geist
besessen, sondern sind sonst von Unglück und Angst
bedrängt. Diese Bedrängnis kann oft mit Gebet und
Gottvertrauen überwunden werden. In diesen Fällen
würde ein Exorzismus eher schaden, weil er die
Angst vor dem Bösen verstärken könnte. Daher muß
der Seelsorger immer prüfen, ob wirklich eine
Besessenheit durch böse Mächte vorliegt oder eine
andere Bedrängnis.
Beim
ersten Kontakt mit Heike R. ist dem 1. Priester
aufgefallen, wie sie keine Kreuze oder
Marienbilder ertragen konnte, auch nicht die
Bibel. Sie konnte nicht beten oder den Namen Jesus
Christus aussprechen. Beim stillen Gebet des
Priesters wurde sie sehr unruhig und sagte: "Hören
sie auf damit." Sie sprach von nächtlichen
Anfällen, bei denen sie aus dem Bett geworfen
wird. Davon hat sie eine Infrarot-Videoaufnahme
machen können. Vor zirka fünf Jahren war sie
einmal bei einer Satanisten-Liturgie. Sie war
daran nicht interessiert und auch nicht aktiv
daran beteiligt, sondern sie wollte nur eine
Freundin aus dem Satanistenkreis herausholen.
Seither wird sie immer stärker geplagt. Deswegen
war sie schon bei einem Neurologen und einem
Pfarrer, die ihr nicht helfen konnten. Religiös
war sie nicht sehr interessiert und auch nicht
gebildet.Der Priester erhielt nun zusammen mit
zwei anderen Priester vom Bischof den
Auftrag,Segnungen vorzunehmen und den großen
Exorzismus zu beten. Sie beteten ihn auf
lateinisch und französisch,
weil
es eine offizielle deutsche Übersetzung des neuen
römischen Exorzismus von 1999 noch nicht gibt. Sie
erfuhren, dass die deutschen Bischöfe den großen
Exorzismus nicht erlauben als Folge des Todes von
Anneliese Michel im Jahre1976 während eines
Exorzismus in Klingenberg. Obwohl die Frau weder
französisch noch lateinisch verstand, Waren die
Reaktionen sehr heftig auf gewisse Wörter und
Bitten, und zwar oft bereits wenn sie von den
Priestern angedacht, aber noch nicht ausgesprochen
waren.Die 3 Priester beteten zum ersten Mal den
großen Exorzismus. Da sie dazu nicht ausgebildet
waren, lasen sie Bücher über den Exorzismus von P.
Jörg Müller SAC und von Don Gabriele Amorth.
Alltägliche Gebete wie das Vater Unser, der
Rosenkranz, die Allerheiligenlitanei oder das Lied
"Großer Gott wir loben dich" hatten bereits eine
starke Wirkung, die zur Diagnose dienten.Nicht
weniger als 16Mal beteten die drei Priester je
etwa eine Stunde lang, die genannten alltägliche
Gebete und den Exorzismus.
Dabei
versuchte jeweils Frau H., sich gegen eine innere
Kraft zu wehren und bat zuerst leise "hört auf".
Bald darauf schrie es laut und mit veränderter
Stimme aus ihr: "Aufhören!" Ihr Aussehen und
Benehmen veränderten sich. Ihr Gesicht wurde
fratzenhaft. Sie wurde zu Boden gedrückt und
wälzte sich wild. Es wurde spürbar, dass sie nicht
mehr sich selber war, sondern von einem fremden
Geist besessen war. Dieser Geist beschimpfte alle.
Er schrie zB "diese Hure gehört mir, sie ist
verflucht",obwohl Frau R. beteuert, seriös zu
leben. Heike R. bekam nicht mit, was während des
Exorzismus geschah. Sie wusste nachher nur,dass
sich etwas in ihr gewehrt hat. Sie erinnerte sich
nachher schwach, dass aus der Ferne gebetet und
gesungen wurde, konnte aber nicht sagen was. Sehr
stark wehrte sich und schrie der böse Geist, wenn
das Lied "Großer Gott, wir loben dich" gesungen
wurde, besonders die Worte "alle Engel, die dir
dienen". Ebenfalls schrie er bei den Marienliedern
bei der Allerheiligenlitanei und bei den
Exorzismus~.Gebeten Die Priester fragten auch den
Geist, wie er heiße. Manchmal sagte er "Luzifer",
dann aber auch wieder, er sei nicht "Luzifer". Sie
merkten, dass sie
von
verschiedenen bösen Geistern besessen sein musste.
Besonders deutlich wurde dies gegen Ende der
letzten Segnung, als sie offensichtlich
miteinander stritten und einander sagten "geh du!"
Das Aufbäumen wurde immer heftiger, bis die Frau
plötzlich wie in sich selber zusammen sank. Der
Anführer schien zuletzt zu gehen. Vor dem
Verlassen schrie er drohend: "Ich komme wieder,
ich komme wieder!" Frau H. kam immer wieder zu den
Priestern, auch wenn sie viele Widerstände spürte
und vor dem Hause kaum mehr gehen konnte. Sie
ertrug kein Kreuz im Zimmer. Es musste immer
zuerst hinaus getragen werden, wenn sie kam. Wenn
sie mit Weihwasser besprengt wurde,schrie der
Geist auf und sagte zum Beispiel "oh das brennt!"
Einmal sagte der Geist: "das ist ja nur
Hahnenwasser". Darauf wurde er zum Test mit
gewöhnlichen Wasser besprengt, worauf er nicht
reagierte! Bei Weihwasser aber schrie der Geist
auf. Er ertrug auch nicht,wenn eine Priesterstola
aufgelegt wurde. Die Auflegung der Hände im
stillen Gebet war ihm zuwider. Bei Salbungen mit
Katechismen- oder Chrisamöl wehrte er sich stark.
Nie aber griff er die Betenden handgreiflich an,
er bedachte sie nur mit schlimmen Schimpfworten
und versuchte, die Flasche mit Weihwasser aus der
Hand zu reisen . Immer wieder schrie er Drohungen,
wie: "Ihr verfluchten Priester, euch kriege ich
auch noch. Steckt eure Gebete in den Arsch, ...".
oder "Diese Kirche wird verrecken, Die Hälfte
gehört mir schon." Beteten die Priester in der
Litanei um Treue der Eheleute. höhnte er ,Treue?
Ha, ha, Treue?" oder "Liebe? Ha, ha, Hass, Hass,
Hass!"
Nach
den Gebeten erwachte Frau H. wie aus einem Schlaf.
Sie war sehr erschöpft, weil sie stark geschrien
und sich wie in wildem Schmerz auf dem Boden
gewälzt hatte. Die Priester luden zwei Mal einen
Arzt zur Beobachtung ein. Beide Ärzte erklärten,
daß es sich nicht um Epilepsie oder Schizophrenie
handeln könne, weil nach dem Gebet sofort ein
normales Verhalten eintrat. Während Frau H.
während der Segnungen tobte und ihr Körper wild
hin und her gerissen wurde, war sie nachher sehr
freundlich, ruhig und normal.
Die
Ärzte beobachteten auch, wie sich Frau H. auch
während den Anfällen der Besessenheit nie obszön
benahm.Während den Segnungen wurden auch eine
Tonbandaufnahme und 30 Dias gemacht. Die heftigen
körperlichen Bewegungen während der Segnungen
beanspruchten die Frau sehr. Nach den Segnungen
war sie daher müde. Die Priester achteten darauf,
dass ihr Kreislauf nicht überbeansprucht wurde und
zogen zur Beratung auch einen Arzt
bei.Schwieriger war, daß die Frau bereits seit
längere Zeit chronisch an verschiedenen
Krankheiten und Beschwerden litt und deswegen
dauernd in ärztlicher Behandlung war.Bei den
Exorzismus-Gebeten merkten die Priester, wie die
bösen Geister immer schwächer wurden. Bei P.
Arnorth lasen sie, dass der Sinn der
Exorzismusgebete daran liege, die bösen Geister
mit Gebeten und Weihwasser so zu quälen, bis sie
gehen. Besonders wirksam war auch ein Kreuz, vor
dem der Dämon den Körper fliehend bis in den
hintersten Winkel des Zimmers drückte und beim
Berühren wie in großem Schmerz aufschrie. Am 16.
Gebetsabend wurde es plötzlich ruhig, Heike R.
öffnete die Augen, lachte die betenden Priester
an, ergriff das Kreuz und umarmte und küsste es
zum ersten Mal. Die Priester hängten der befreiten
Frau R. einen Rosenkranz um den Hals. Sie erhielt
ein Kreuz und ein Marienbild, die sie zu hause auf
hängte. Doch am Morgen lag das Bild am Boden. Bei
den letzten Segnungen vor der Befreiung beteten
die Priester für die Personen, welche die Frau bei
einem Satansgottesdienst verflucht haben konnten.
Bei der Nennung eines Namens höhnte der Geist:
"Der hat sie verflucht, der hat sie verflucht!"
Fortan schienen die Gebete eine stärkere Wirkung
zu haben.
Die
Priester blieben auch nach der Befreiung mit Frau
H. in Kontakt durch Mails und Telefongespräche
Dabei spürten sie, dass sie wieder Zeichen von
Unfreiheit zeigte und vermuteten, daß der Geist
wieder zurückgekehrt sein könnte. Heike kam wieder
und erneut wurde ein Exorzismus gebetet. Nach
einer halben Stunde war Heike wieder frei. Zu
spüren war, wie der böse Geist immer wieder
zurückkommen wollte und sie bedrängte. Es fiel
auch auf, wie er sich gerne versteckte. Neue
Bedrängungen waren daran erkennbar, daß Heike
nicht mehr beten oder die Hände falten konnte. Sie
konnte die Worte "Jesus Christus`, "Kirche" oder
"heilig" nicht mehr aussprechen.
Durch
Befreiungsgebete konnte sie nach kurzer Zeit
wieder vom Bösen befreit werden. Heike spürt
innerlich eine große Liebe zu Gott, eine große
Freude am Gebet und Freude beim Schreiben
eindrücklicher eigener Gebete.Allerdings sagt sie,
daß sie beim Beten immer den Teufel sehe mit einem
schwarzen Gesicht und schrecklichen Augen. Doch
der Teufel sei nicht mehr in ihr, sondern nur noch
neben ihr. Er macht ihr Angst. Vor dem Beten hat
sie immer eine gewisse Angst.Doch sie will beten.
Mit großer Freude ließ sie sich Firmen und sie
schreibt ein Buch über ihre Besessenheit und
Befreiung, um aufzuzeigen, dass es das Böse und
den Teufel gibt und um andern zu helfen, den Weg
zu Gott zu finden.
Sie
fühlt sich gedrängt, andern zu helfen und ihnen
die Hände aufzulegen. Ihrem seit Geburt
taubstummen Bruder hat sie betend Lourdeswasser
auf die Ohren gestrichen. Plötzlich begann er zu
hören, wobei er jetzt noch lernen muß, die
verschiedenen Laute besser voneinander zu
unterscheiden.
Heike
R. bekam überraschend Stigmata an den Händen und
Füßen, obwohl sie dieses Phänomen vorher nicht
kannte und es sich auch nicht wünschen konnte. Am
Anfang erschrak sie und meinte, sie würde
verbluten. Regelmäßig (mit wenigen Ausnahmen)
bluten die Stigmata am Freitag. Dann schmerzen sie
auch, was während der überigen Tage nicht der Fall
ist. Mit den Blutungen erlebt sie ein starkes
Mitleiden mit Christus und ein Mitleiden mitallen
leidenden Menschen, zu denen eine große Liebe in
ihr entsteht. Sie möchte ihnen helfen.
Die
Befreiung vom Bösen hat in ihr eine große Liebe zu
Gott geweckt, eine Freude an Gott und der Drang,
den Not leidenden Menschen, besonders den Kranken
zu helfen und ihre Erfahrungen weiterzugeben.
14.
Oktober 2006
Die
Stellung der katholischen Kirche in der Welt
unterstützen und bestätigen
Der
Gedanke, alles nieder zuschreiben, was mit mir in
den zurückliegenden Monaten geschah, reifte
eigentlich ziemlich früh und schnell. Wenn mein
Blick heute aus meinem Fenster Richtung Berge und
dann zum Himmel gerichtet ist, spüre ich eine
Sehnsucht und eine Freude und ein Schaudern. So
viel Schönheit und Liebe wird unser Auge dort
erblicken, auf der neuen Erde bei Gott. Doch wie
eine dunkle Wolke am Horizont erscheint, so kommen
auch die Gedanken wieder, die mir sagen, das Böse
ist allgegenwärtig. Um uns und auch bei vielen
Menschen, in uns versteckt. Wie kann so etwas
sein?
Diese zweifelnde, fast spöttische Frage höre ich
oft.
Wir
leben in einer modernen und aufgeklärten Welt,
fliegen durchs Weltall, tauchen zu den tiefsten
Stellen der Meere, können Menschen klonen und
sogar Kriege (man nennt das «Operationen»)
berechnen.
Da
soll dann noch Platz für einen Teufel sein, so
einer wie aus dem Kino und dem Mittelalter? Aber
es gibt ihn trotzdem, auch wenn wir Menschen ihn
verdrängen. Wenn heute ein Film oder Buch
erscheint, in dem behauptet wird, dass es keinen
Teufel gibt, oder er verniedlicht wird, so
entsteht eine große Gefahr für den Menschen.
Kein
Labor der Welt hat bis heute einen lebendigen
Menschen erschaffen können. Einen Menschen wie Du
und ich. Es wird alles, was in der Bibel steht,
von Kritikern zerpflückt. Aber die Antwort auf die
Entstehung der Erde und des Menschen bleibt man
uns schuldig.
Wasserstoff und hundert andere Elemente, Blitz und
Donner ergeben noch keine lebensfähige Erde oder
einen rational denkenden Menschen. Es wurden
Tausende von Büchern zu diesem Thema «Entstehung
der Erde» geschrieben. Mit welchem Ergebnis? Eine
Theorie ist abwegiger als die andere.
Aber
in einem Buch finden wir die logische Erklärung,
in der Bibel. Die Entstehung der Erde und der Fall
des Engels Luzifer. Er will uns von Gott
entfremden und suggeriert uns, daß wir Gott nicht
brauchen. Und darum ist es wichtig, dass die
katholische Kirche durch den Exorzismus Menschen
aus ihrer schlimmen Not errettet. Leider ist diese
Sichtweise der Öffentlichkeit fremd. Ablehnend und
sogar feindlich stehen sogar einige Gläubige
dieser Problematik gegenüber.
Schlusswort:
Letzte
Bemerkung, wie es mit mir weitergeht, mit dem
praktischen und gelebten Glauben
Wie
lebt nun ein Christ weiter, der vom Teufel
besessen war und dem die Gnade widerfuhr, unseren
Herrn Jesus Christus und die Gottesmutter Maria zu
fühlen und zu sehen? Welche Verantwortung lastet
nun, zu meiner Freude, auf mir? Immer wenn ich
einem kranken Menschen begegne - Gottes Wege
führen mich hin -, fühle ich mich erst unsicher
und unbeholfen. Gottes Kraft wirkt aber durch
mich, sein Wille geschehe.
Wie in den Medien hier und da angeklungen, ist in
(Süd-) Deutschland ein aktueller Fall von
dämonischer Besessenheit aufgetaucht. Aufgrund von
Indiskretionen gelangte dieser Fall an die Presse,
welche natürlich all dies in ihrem Sinne
auszuschlachten versucht hat. Von Vorteil war
allerdings, dass ich dadurch auf diesen aktuellen
Fall aufmerksam geworden bin. Selbige Person
(HEIKE, Pseudonym) hat zu ihren Erfahrungen mit
Gott und dem Teufel ein Buch veröffentlicht, in
dem sie ihre e-mail-Adresse angegeben hat. Der
Titel des Buches lautet: „HEIKE R.: Von der
Besessenheit zum Glauben“ (Books on Demand,
Neuauflage 2009).
Nach einer ersten persönlichen Kontaktaufnahme
erfuhr ich mehr über HEIKE und die Hintergründe
ihrer außergewöhnlichen Situation. Es kam zu einem
regen Briefaustausch (seit Mai 2008) und
eindringlichen Telefonaten, in denen es um ihre
Person und ihr Leiden, aber auch um viele
Wohltaten, die sie vom Himmel empfängt, ging. All
diese Erfahrungen und Unterredungen sind in ein
bestimmtes Anliegen gebettet, ihr persönliches
Glaubenszeugnis („Von der Besessenheit zum
Glauben“, s.o.).
Ohne Ansehen der Person habe ich mich spontan
bereit erklärt, HEIKE bei ihrem Versprechen,
welches sie der Hl. Gottesmutter gegeben hat,
vorbehaltlos zu unterstützen. Seitdem ist es zu
einer Reihe von Ereignissen gekommen, die
ihresgleichen suchen. Darüber möchte ich hier kurz
berichten.
Am
25. Mai 2008 wurde ich von HEIKE darauf aufmerksam
gemacht, dass die Presse einen größeren Artikel
über sie veröffentlicht hat. Nach der Lektüre
dieses Artikels (BILD am SONNTAG vom 25.
Mai 2008 und BLICK vom 02. Juli 2008)
musste ich feststellen, dass der Heiland ein
Einsehen hatte und die Berichterstattung so
gelenkt hat, dass man dort fast schon von einem
wirklichen Glaubenszeugnis sprechen konnte,
welches vielen interessierten Lesern dadurch
zugänglich gemacht wurde. Die Schwierigkeiten
ergaben sich jedoch eher aufgrund der Hintergründe
dieser Berichterstattung, welche bestimmten
kirchlichen Kreisen nicht verborgen blieb.
HEIKE ist, um es vorweg zu nehmen, in ihrer
Kindheit von einer Person verflucht worden,
welches als solches in der heutigen Zeit – leider
– keine so große Seltenheit ist. Im Alter von ca.
10 Jahren traten erste „Beschwerden“ auf, d.h. sie
fühlte sich innerlich „irgendwie“ bedrängt. Als
diese unerklärlichen Bedrängnisse im Laufe der
Jahre zunahmen, vertraute sie sich einer Freundin
an, die ihr riet, doch einmal einen kath. Priester
aufzusuchen (HEIKE war zwar evangelisch getauft,
führte aber bis dahin kein eigentlich christliches
Glaubensleben wie so viele ihrer Mitmenschen in
der heutigen Zeit). Nach einer wahrhaften Odysée,
an der auch verschiedene Ärzte beteiligt waren
(HEIKE ist körperlich angeschlagen, geistig und
seelisch jedoch absolut stabil), bekam sie einen
Termin in einer Diözese außerhalb Deutschlands
(die dt. Bistümer verhalten sich gegenüber vom
Bösen Bedrängten seit dem Tod der Studentin
Anneliese Michel in Klingenberg (Ufr.) äußerst
reserviert, um nicht zu sagen abweisend). Nach
längeren Gesprächen, an denen ebenfalls, wie
verlangt, auch Ärzte und Psychologen teilnahmen,
diagnostizierte das dortige Gremium einen akuten
Fall teuflischer Besessenheit (HEIKE ertrug ihre
kirchliche Umgebung nicht, sie konnte keine
heiligen Namen aussprechen, Weihwasser betrachtete
sie als ein Folterinstrument, es wurde ihr übel,
ihre Bedrängnisse nahmen in dieser Umgebung
drastisch zu, etc.). Daraufhin leitete das Gremium
die Durchführung eines von oberster Stelle
genehmigten Exorzismus („Dämonenbeschwörung“) ein.
Da
ich selber an diesen über Tage und Wochen
andauernden Exorzismen (25 an der Zahl) nicht
teilgenommen habe, kann ich an dieser Stelle auch
nicht über Einzelheiten berichten. HEIKE selber
berichtet darüber, soweit sie sich entsinnen kann,
in ihrem Buch (sie verfiel während der Gebete in
tiefe Bewusstlosigkeit und erhielt ihre
Informationen jeweils von den Exorzisten und den
anderen Beteiligten. Es existieren dazu allerdings
Tonbandaufnahmen).
Nach dieser Vielzahl von Befeiungsgebeten (vom
Ortsbischof genehmigte Große Exorzismen) war HEIKE
von den in ihr wohnenden Dämonen befreit. Unter
Tränen beteten die Anwesenden das TE DEUM, der
göttliche Auftrag, „Treibt Dämonen aus“ ( Mk 10,8
) war mit Erfolg durchgeführt worden. Doch wie im
Falle Anneliese Michel sollte es aber anders
kommen.
HEIKE berichtet mir von ihren Bedrängnissen am
Telefon. Die Dämonen waren zurückgekehrt. Wie bei
Annelies Michel vermochte man sie zwar
auszutreiben, kurz danach waren sie jedoch wieder
da. Die Quälereien fanden meist nachts statt. Ohne
Vorankündigung wird ihr Körper wie gelähmt. Sie
wird innerlich gleichsam zusammengedrückt und von
unsichtbarer Hand aus ihrem Bett geworfen (HEIKE
hat dies mit automatischer Infrarotkamera
gefilmt).
Angeregt durch die Artikel in der Presse wird das
Fernsehen auf sie aufmerksam. HEIKE nimmt an einer
Fernsehsendung teil (SF1 v. 08. Juli 2008 – „Vom
Teufel besessen – Wahrheit oder Wahnsinn?“). Dort
nimmt sie zu ihrem Glaubenszeugnis Stellung. Kurz
zuvor treffe ich mich mit ihr zum 33. Todestag von
Anneliese Michel in Klingenberg. HEIKE betet mit
den Anwesenden den Rosenkranz, muss die Kapelle
aber aufgrund innerer Belästigungen frühzeitig
verlassen. Das Gleiche wiederholt sich im Kloster
Engelberg, wo Anneliese Michel früher viele
Stunden im Gebet verbracht hat.
Im
November des gleichen Jahres fahren wir zu
Exerzitien mit Pater R. nach W. Pater R. ist
Charismatiker und war früher stellvertretender
Vorsitzender der Intern. Exorzistenvereinigung,
also ein enger Mitarbeiter von P. Gabriele Amorth,
dem „Chefexorzisten des Papstes“, in Rom. HEIKE
erhofft sich von ihm Linderung und ggf. Befreiung
von ihren Leiden. Das Seminar währte von
Donnerstag bis Sonntag. Es stand unter dem Titel
„Gott heilt (befreit)“ und Pater R., mittlerweile
weltweit für seinen Befreiungsdienst bekannt,
weißt schon zu Beginn darauf hin, dass es zu
außergewöhnlichen Vorfällen kommen werde, bei
denen „Ruhe bewahren“ das oberste Gebot sei.
Gleich zu Beginn der ersten Veranstaltung erhebt
sich aus den hinteren Reihen ein Gebrüll: „Halt
Deine Fr…“ Dem schließt sich eine Kanonade wüster
Beschimpfungen an. Mehrere Männer müssen die
Person bändigen. „Der Mann ist besessen“ heißt es.
Die Person war jedoch kein Mann, sondern eine
Frau. Nur die Stimme war die eines Mannes (dies
ist bei Besessenen oft so der Fall – d. Verf.).
HEIKE ist zutiefst erschüttert. „Ist das auch bei
mir so?“ fragt sie mich, doch ich kann es ihr
nicht sagen. Kurz darauf werde ich eines Besseren
belehrt.
HEIKE versucht den Saal zu verlassen, so nehmen
unter den Gebeten und frommen Liedern ihre
Bedrängnisse zu. Man bittet sie aber, unter der
Obhut mehrerer Personen, da zu bleiben. Kurz
darauf geschieht es: HEIKE verkrampft sich,
versucht intensiv gegen ihr Inneres anzukämpfen,
doch es gelingt ihr nicht mehr „Halt Dein Maul, Du
verfl… Drecks…“ tönt es aus ihr heraus. Man lässt
sie gewähren. „Aufhören, aufhören, halt die
Klappe“ sind die harmlosesten Ausdrücke. Pater R.
fährt unbeirrt mit seinem Vortrag und Gebeten
fort. HEIKE windet sich, droht vornüber zu kippen.
„Aufhöre, aufhören, Du verd… Drecks…“ Heike wird
zu Boden gerissen und muss von mehreren Männern,
incl. mir, festgehalten werden. Sie entwickelt
Bärenkräfte. Da Pater Rufus keine Vorkehrungen
trifft, einzugreifen, fasse ich mir ein Herz und
spreche einer spontanen Eingebung nach den Dämon
mit seinem Namen an (nach kirchlichem Recht ist
dies bei Laien nicht vorgesehen. Wenn aber der
Priester seinem Auftrag nicht im gewünschten Sinne
nachkommt, sollen m.E. auch Laien diesbezüglich
aktiv werden dürfen. Vgl. u.). In der Meinung,
vielleicht noch zusammen mit anwesenden Priestern
eine Austreibung erreichen zu können, spreche ich
Gebete, unterstützt von der Gemeinde und rede auf
den Dämon ein. Als ich ihn beim seinem Namen,
Judas, nenne, gibt er sich zu erkennen und
bestätigt meine Intuition. „Er kennt meinen Namen,
er kann mich austreiben“ entfährt es ihm (ich
wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es
sich um ein Sühneleiden handelte und dass, wie im
Falle Anneliese Michel, die Dämonen nicht aus der
Person ausgetrieben werden konnten). Dann rudert
er zurück. „Das kannst Du nicht, Du hast keine
(priesterliche – d. Verf.) Vollmacht“,
triumphierte er. Nach kurzem Hin und Her musste
ich aufgeben. Er hatte Recht.
Diese Vorfälle wiederholten sich nun mehrfach am
Tag, besonders aber in der Nacht, wenn sich die
Dämonen für die Qualen rächten, die man ihnen bei
den Vorträgen, den Gebeten und insbesondere
während des Gottesdienstes angetan hatte.
Endlich bekommt HEIKE einen Termin bei Pater R.
Nachdem er bereits mehr als zwei Stunden über eine
weitere Besessene gebetet hatte (allerdings ohne
durchschlagenden Erfolg – eine bischöfliche
Genehmigung zum Exorzismus lag ihm nicht vor),
wurden HEIKE und ich zu nächtlicher Stunde zu ihm
ins Sprechzimmer gerufen. Er erkundigte sich kurz
nach ihrer Vorgeschichte, brach dann, vermutlich
aus Zeitgründen, das Gespräch ab und entließ HEIKE
mit der Gewissheit, er habe für sie zum Heiligen
Geist gebetet, sie sei nun befreit und könne nun
beruhigt zu Bett gehen, es sei alles vorbei, und
es könne ihr jetzt nichts mehr passieren. Noch in
derselben Nacht wird HEIKE 5 mal aus ihrem Bett
geworfen. Das Kreuz in ihrem Zimmer liegt
umgekehrt auf dem Boden. HEIKE hatte gespürt, dass
der Pater hier nicht ganz sachgerecht vorging. Bei
all seinen charismatischen Fähigkeiten, die er
zweifellos besitzt, war sein Problem, dass er
nicht wusste, wie er in Deutschland exorzieren
sollte. Seit Klingenberg bedarf es längerer
Untersuchungen, bis eine bischöfliche Genehmigung
zustande kommt, ärztliche Betreuung inklusive. In
Bezug auf ihre Vorgeschichte war dies aber alles
bereits der Fall gewesen, trotzdem war eine
Befreiung nicht möglich. Also fuhren wir
unverrichteter Dinge wieder nach Hause zurück. Wie
sollte es nun weitergehen? Es musste zumindest
eine Linderung erfolgen, damit HEIKE wieder
einigermaßen am Alltag teilnehmen und wieder eine
zeitlang im Gebet verbringen konnte, wie sie es
sich so sehr wünschte und wie es seinerzeit über
einen gewissen Zeitraum hinweg auch der Fall war.
Was war zu tun?
Neben ihren dämonischen Bedrängnissen erfährt
HEIKE vom Himmel eine Reihe außergewöhnlicher
Zuwendungen. Nachdem ihr während ihres
Aufenthaltes in der Schweiz bereits die
Gottesmutter erschienen war (HEIKE berichtet in
ihrem Buch darüber), wiederholen sich diese
Erscheinungen jetzt in unregelmäßigen Abständen.
An besonderen Gnadentagen, den (Hoch-) Festen zu
Ehren der Hl. Gottesmutter (25. März – Mariä
Verkündigung; 8. Dezember – Unbefleckte
Empfängnis), aber auch in der Karwoche und in der
Vigil zum Weihnachtsfest erscheint ihr die
Gottesmutter. In der Karwoche ist dies mit großen
Schmerzen verbunden, da HEIKE die unsichtbaren
Wundmale trägt, die früher einmal bluteten
(Bischöfe und Priester waren Zeuge) und nun von
Gründonnerstag bis Karfreitag starke Schmerzen
verursachen. Wie wir später noch sehen werden,
kommt zu diesen Stigmata noch die Gabe der Heilung
hinzu, worüber sie in ihrem Buch ebenfalls
berichtet.
Die Gottesmutter erscheint ihr und spendet ihr
Trost in ihren Bedrängnissen (Heike hört die
Stimmen der Dämonen, die ihr einreden, sie sei
eine Schlange und deshalb auf ewig verdammt. Ein
Phänomen, welches bei Besessenen, die sich zu
Jesus und der Gottesmutter bekennen, häufig
vorkommt). In dem Moment, in dem die Gottesmutter
da ist, ist HEIKEs Umgebung wie ausgelöscht. Sie
spürt nur noch die unendliche Liebe und
Zärtlichkeit Mariens. Danach gefragt, ob sie
bereit sei, ihre Leiden als Sühne für die Sünden
anderer Menschen auf sich zu nehmen, antwortet
HEIKE mit einem bedingungslosen Ja. Die
Gottesmutter gewährt ihr Einblicke in ihre Zukunft
und nimmt ihr Opfer an. Der Heiland ebenfalls.
HEIKE befindet sich von nun an ganz in der
Nachfolge des Heilandes und ist bereit, alle
erdenklichen Leiden auf sich zu nehmen, die der
Bekehrung der Sünder und damit der Verherrlichung
Gottes und Seiner Mutter dienen. Parallel zu den
weiter anhaltenden Bedrängnissen, die zeitweise
zunehmen, weiß sie sich beschützt und vom Himmel
geliebt. Sie vertieft sich in das Leben von
Anneliese Michel, welche für sie eine bis dahin
unerreichbare Heilige ist. In Visionen und bei den
Exorzismen wird auch dies zur Sprache kommen. Kurz
nach Weihnachten bittet HEIKE um weitere
Exorzismen, von denen sie sich Linderung und
kurzfristige Entlastung erhofft.
Zu
Beginn des neuen Jahres treffe ich mich mit HEIKE,
einem befreundeten Arzt und einem Priester in
einem Kloster zu einem Vorgespräch. Der anwesende
Priester hat sich bereit erklärt, ggf. ein
Befreiungsgebet zu sprechen. Als HEIKE den Raum
betritt, merke ich, dass es ihr schwer fällt, das
Kreuz auch nur anzuschauen. Sie beherrscht sich
aber und erteilt dem Pater über ihre Vergangenheit
und ihre Erfahrungen mit dem Bösen bereitwillig
Auskunft. Nach einer etwa einstündigen Unterredung
beginnt der Priester, ein kurzes Gebet zum Hl.
Erzengel Michael (nach Leo XIII) zu sprechen. Kaum
hat er den ersten Satz ausgesprochen, verfällt
HEIKE in Krämpfe. Sie kämpft innerlich mit dem
Dämon, muss ihren Kampf aber bald beenden, die
Worte des Gebetes sind zu stark. Mit einem lauten
Knurren, das dem eines Tieres gleicht, kündigt
sich der Dämon an. „Halt Deine Fr…, Du Drecks…,
aufhören …, ich antworte nicht …“ sind die
gängigen Ausdrücke. Ich selber stehe hinter HEIKE
und halte sie fest, falls es zu Ausfällen
körperlicher Art kommen sollte. Der Priester
wiederholt das Gebet ein zweites Mal. Die
Reaktionen erfolgen wie auf Knopfdruck. Mit der
Beendigung des Gebetes ist auch der Dämon
verschwunden und HEIKE aus ihrem „Schlaf“ erwacht
(es handelt sich bei ihr um eine somnambule
Besessenheit im Vergleich zu einer luziden
Besessenheit, bei der die besessene Person
alles mitbekommt, was in ihr und um sie herum
geschieht, wie es z.B. bei Anneliese Michel der
Fall war – d. Verf.). Auf die Frage, ob es ihr nun
besser gehe, antwortet sie mit „nein“. Die Gebete
waren zu wenig. Jetzt ist der Priester nicht mehr
vorbereitet und möchte den Exorzismus abbrechen.
HEIKE reagiert darauf enttäuscht. Daraufhin bitte
ich den Pater, den (Laien-) Exorzismus selber
beten zu dürfen. Ich wusste um die
kirchenrechtliche Problematik. Da aber eine
bischöfliche Genehmigung kurzfristig nicht
eingeholt werden konnte, und es sich gewissermaßen
um einen Notfall handelte, glaube ich es mit
meinem Gewissen vereinbaren zu können und beginne
mit dem Kleinen Exorzismus, den ich
sicherheitshalber schon mitgenommen habe. Ein
Gebet von wenigen Seiten. Nach vorausgegangenem
VATER UNSER, dem AVE MARIA und dem Apostolischen
GLAUBENSBEKENNTNIS, während denen es schon zu
starken Konvulsionen der Besessenen kommt, beginne
ich mit dem Gebet des Kleinen Exorzismus (nach Leo
XIII auch für gläubige Laien zulässig).
Die Einzelheiten der Dämonenbeschwörung erspare
ich mir. Dazu nur soviel: Einen Dämon erkennt man
an seinem Blick. Das was ich zu sehen bekam, war
nicht der Blick eines Menschen. Wenn man ihn
überhaupt beschreiben kann, dann nur so: Purer
Hass. Hass ist das Element des Bösen. Satan hasst
alles und jeden. Die Dämonen hassen sich
gegenseitig. Menschen, die sich zu ihrem Erlöser
JESUS CHRISTUS und der GOTTESMUTTER bekennen, aber
am meisten. Geweihte Personen und Gläubige sind
für sie ein absolut rotes Tuch. Außerdem hassen
sie es, zitiert zu werden, wie das bei einem
Exorzismus der Fall ist. Sie möchten unerkannt
bleiben. Von der katholischen Kirche aber verfügt
und von JESUS CHRISTUS so gewollt, sind sie
gezwungen, auf Befehl des Exorzisten die Wahrheit
zu sagen, welches ihnen äußerst schwer fällt, und
die sie als solche hassen. Der Teufel ist der
Vater der Lüge. In HEIKE befanden sich ca. 6
Dämonen. Ohne danach gefragt zu haben, mussten sie
angeben, die gleichen zu sein, welche seinerzeit
in Anneleise Michel waren. Der, welcher sich als
Erster beim Exorzismus meldete, war der
ranghöchste und oberste der Dämonen und
bezeichnete sich als ihr „Chef“ (Luzifer). Neben
ihm konnte ich lediglich Judas ausmachen, die
anderen Dämonen zeigten sich erst bei späteren
Exorzismen. Hervorzuheben ist folgender Umstand:
Dämonen können keine heiligen Namen aussprechen.
Bei Erwähnung der Hl. Gottesmutter hält „HEIKE“
sich die Ohren zu. „Aufhören, wir ertragen das
nicht“ ist „ihre“ Reaktion. Während des Exorzismus
kommen Tatbestände ans Licht, die den Beteiligten
Auskunft über Dinge gaben, die für sie persönlich
von besonderer Bedeutung waren, und die HEIKE
selber unmöglich wissen konnte. Wichtig ist
ebenfalls, vor dem Exorzismus gebeichtet zu haben.
Dem Priester im Bußsakrament bekannte Sünden
existieren bei Gott und für die Dämonen nicht
mehr. Evt. Angriffsflächen sind also verschwunden.
Nach eindringlichen Gebeten und Befragungen, die
sich aus dem Verlauf des Exorzismus ergeben,
stellt sich mir nun die Frage: Wie und unter
welchen Umständen kann ich die Situation beenden.
Von den Dämonen darauf hingewiesen, dass es sich
um ein Sühneleiden ( Sühnebesessenheit)
handelt (diesen Begriff können sie ebenfalls nicht
aussprechen) und dass sie gezwungen seien, im
Körper der Besessenen bis zu deren Tod zu
verbleiben (s. Anneliese Michel), verzichte ich
mit Einverständnis des Priesters auf die
Austreibungsformeln. Wird der Dämon, der u.a.
übrigens in fließendem Hebräisch sprach
(angeblich aramäisch – d. Verf.) und in allen
denkbaren Sprachen und Dialekten agieren (s.
Anneleise Michel) ausfallend und blasphemisch,
spreche ich ein Segensgebet. Darauf reagierte er
jedoch bestenfalls verwirrt. „Du besitzt keine
(priesterliche – d. Verf.) Vollmacht!“ schreit er
mich an. In diesem Punkt kann ich ihm nicht
widersprechen. „So schaffst Du das nie!“ brüllt
er. In diesem Moment greife ich zu einer anderen
Handhabe. „Im Namen dessen, der in mir ist und
Dich in Deine Schranken weist, befehle ich Dir im
Namen des VATERS †, des SOHNES † und des HEILIGEN
GEISTES † sowie im Namen der HEILIGSTEN
GOTTESMUTTER …!“ Die Reaktion ist überwältigend.
„HEIKE“ (der Dämon) bricht vor mir zusammen. Mit
abwehrender Körperhaltung, ohne dass ich
Hilfsmittel wie Weihwasser oder Reliquien benutzt
habe, ist der Auftritt der Dämonen abrupt beendet.
Kurz danach wacht HEIKE aus ihrem tranceähnlichen
Zustand auf. „Ich kann wieder das Kreuz anschauen,
ja es sogar berühren“ ist ihre erste Reaktion.
JESUS CHRISTUS selber hat durch einen unwürdigen
Laien die Dämonen zum Schweigen gebracht. Nicht
jedoch zum Ausfahren.
In
den ersten Wochen des neuen Jahres ereignet sich
in dieser Beziehung nichts grundsätzlich Neues
mehr – die Belästigungen und Angriffe gehen jedoch
weiter ihren „normalen“ Gang - HEIKE begegnet dem
mit intensiver Aufopferung und Gebet – da
erscheint ihr die Gottesmutter am 25. März (Mariä
Verkündigung) erneut. Sie fragt wiederum nach
ihrer Bereitschaft, weiter für die Sünder zu
leiden und erhält wiederum HEIKEs Zustimmung.
Sofort nach dem Weggang der Gottesmutter ist der
alte Zustand wieder hergestellt.
Nach individuellen Leiden in der Karwoche
entschließt sich HEIKE, eine Pilgerreise nach SAN
DAMIANO zu unternehmen, an der ihr Seelenführer
und eine kleine Gruppe Eingeweihter teilnimmt. SAN
DAMIANO ist ein (noch) nicht anerkannter
Wallfahrtsort ca. 80 km südwestlich von Mailand.
In den 60er Jahren hatte „Mama Rosa“ dort
zahlreiche Erscheinungen der Gottesmutter.
Außerdem existiert dort eine Quelle, die den
Pilgern aus aller Welt Linderung und ggf. auch
Heilung an Seele und Körper verspricht. Anneliese
Michel und ihre Begleiter erfuhren auf der Fahrt
dorthin erstmals den direkten Kontakt mit dem
Dämon, aber auch große Wohltaten durch die
Gottesmutter („Rosa Mystica“).
Nicht ohne gewisse Bedenken HEIKE gegenüber nahm
ich ebenfalls an der Fahrt nach SAN DAMIANO teil.
Um es kurz zu fassen. Neben den üblichen
Bedrängnissen blieb HEIKE standhaft und nahm
vertrauensvoll an den Prozessionen und Gebeten
teil. Von der Gottesmutter zu einem Besuch im
Rosengärtlein aufgefordert, erlebt HEIKE dort zur
bestimmten Uhrzeit (Maria erscheint dort seit
Jahren an jedem ersten Samstag im Monat) eine
wiederholte Erscheinung der Mutter Jesu. Wie sie
mir später anvertraut, fordert die „Rosa Mystica“,
wie Maria dort genannt wird, HEIKE auf, ihre Gabe
der Heilung und den damit verbundenen
Heilungsauftrag in die Tat umzusetzen. „Heile,
heile!“ fordert Maria sie auf. Von der
Erscheinung, die nur sie sah, noch ganz
überwältigt, versinkt HEIKE ins Gebet. Hier in SAN
DAMIANO zeigt sich, welche Aufgabe und welcher
Auftrag weit über ihren körperlichen und
seelischen Leiden stehen. Nicht der Kampf gegen
die Dämonen, sondern der Auftrag Jesu, „Heilt
Kranke!“, steht im Vordergrund. Nur kurz vor
Verlassen des heiligen Bodens schlägt der Dämon
noch einmal zu. HEIKE hat größte Schwierigkeiten,
sich zu bewegen. Der Anblick einer Statue von
Pater Pio lässt sie erstarren. Einem kurzen Befehl
meinerseits an den Dämon folgt ein kurzes Zischen,
wie das einer Schlange. Mit dem Verlassen des
Geländes sind die Bedrängnisse aber verschwunden.
Diese treten jedoch während der Heimfahrt umso
stärker auf. Die Dämonen nehmen Rache. Dies ist
HEIKE aber gewohnt.
Um
es an dieser Stelle zusammen zu fassen. HEIKEs
Glaubenszeugnis lautet: Von der Besessenheit
zum Glauben. Nicht die Besessenheit als Folge
einer Verfluchung steht im Vordergrund, sondern
ihr Weg zu JESUS CHRISTUS und der GOTTESMUTTER,
den HEIKE besonders durch diese Vorfälle der
letzten Jahre auf solch eindringliche Art und
Weise erfahren und beschritten hat. Im Gegensatz
zu Anneliese Michel ist sie in keinem christlich
behüteten Elternhaus aufgewachsen. Ihr Leben war
das eines normalen Menschen der 90er Jahre.
Religiös eher desinteressiert, wurde sie vom
Himmel gewürdigt, zu JESUS CHRISTUS zu finden und
diesen außergewöhnlichen Glaubensweg öffentlich zu
bezeugen. Sie gibt Zeugnis von der Existenz
Satans, aber noch mehr von denen, die den
endgültigen Sieg über die Hölle errungen haben
(Jesus, Maria, die Heiligen, die Engel). „Treibt
Dämonen aus, heilt Kranke …“ (Mk 10,8) lautet der
Auftrag des Heilands an seine Jünger, Priester und
Laien gleichermaßen. Letzterem nachzukommen, fühlt
sich HEIKE voll und ganz verpflichtet und wird es
zu gegebener Zeit auch in die Tat umsetzen.
Mir als ihrem Vertrauten hat sie Offenbarungen
mitgeteilt, die nur sie und ich kennen. Ihre
Bewahrheitung wird die Zukunft zeigen. Aus diesem
Grund ist meine Veröffentlichung zu ihrer Person
und ihrem Auftrag noch lange nicht beendet. Aber
auch die nächsten Wochen, Monate und Jahre werden
unter dem gleichen Motto stehen: ALLES ZUR
GRÖSSEREN EHRE UND VERHERRLICHUNG GOTTES.